Alle zwei Jahre kommen die besten Islandpferdereiter der Welt zusammen. Bernhard Podlech, der auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten 140 Tiere stehen hat, war 2007 zum ersten Mal dabei und 2019 in Berlin Vize-Weltmeister im Tölt. Was eine Islandpferde WM ausmacht und worauf Reiter und Fans bei der Islandpferde WM 2027 schauen werden.
Eine Disziplin mit eigenem Format
Anders als bei Olympischen Reitsportprüfungen geht es bei der Islandpferde Weltmeisterschaft um Gangarten. Töltprüfungen, Viergangprüfungen, Fünfgangprüfungen, Rennpassprüfungen. Bernhard Podlech beschreibt das Format so: „Da kann man sich vorstellen, das gibt dann verschiedene Prüfungen. Das eine ist Viergang- oder eine Fünfgangprüfung beziehungsweise auch Tölt- Prüfungen oder Rennpassprüfungen. Und jetzt in der Viergangprüfung zum Beispiel ist es so, dass man eben Schritt, Trab und Galopp zeigen muss und den Tölt in ganz langsamem Tempo, das nennt man Arbeitstempo, oder im starken Tempo.“
Eine Springprüfung gibt es nicht, eine klassische Dressur auch nicht. Die Prüfungen sind auf die Eigenheiten der Rasse zugeschnitten. Tölt sitzen, Pass sprinten, alle Gänge sauber zeigen.
Wann und wo
Die Weltmeisterschaft wird vom internationalen Dachverband FEIF organisiert und findet alle zwei Jahre statt. Frühere Austragungsorte waren unter anderem die Niederlande 2007, Berlin 2019, weitere Locations in den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Island. Die Islandpferde WM 2027 wird vom FEIF rechtzeitig vor dem Termin offiziell angekündigt. Aktuelle Informationen finden sich unter feif.org und über den IPZV.
Was Bernhard Podlech 2019 erlebt hat
Bernhards größter Erfolg fällt auf die WM 2019 in Berlin. „Mein größter Erfolg ist der deutsche Meistertitel gewesen in der Tölt-Prüfung und auch der Vize-Weltmeister im Tölt-Preis“, sagt er. Dazu kam der dritte Platz in der Viergangprüfung und der Pferderleitpreis, eine Auszeichnung für besonders harmonisches und feines Reiten. Er teilte ihn sich mit einem anderen Reiter.
Die Atmosphäre der WM beschreibt er als prägend. „Wenn dann da irgendwie 15.000 Leute auf der Tribüne sitzen und da richtig Stimmung ist, dann macht das schon wirklich auch Freude.“ Eine WM ist im Islandpferdesport das Highlight, an dem sich alles ausrichtet.
2007 als Jugendlicher
Bernhards erste WM lag 2007 in den Niederlanden. Er war damals noch Jugendlicher und durfte schon mit Erwachsenen reiten. „2007 bin ich mit einer selbstgezogenen Stute, die hat mein Vater gezüchtet, in den Niederlanden auf der WM gestartet.“
Im B-Finale, Plätze fünf bis zehn. Eine starke Leistung für jemanden, der zwei Jahre später, 2009, seinen Vater verlieren würde und mit seinem Bruder den elterlichen Wiesenhof übernehmen musste. Zwischen 2007 und 2019 lagen zwölf Jahre weiterer Vorbereitung.
Worum es geht
Im Islandpferdesport gibt es kein Preisgeld. „Wir haben jetzt im Islampferdesport keine Preisgelder, sondern da geht es um den Ruhm.“ Eine WM-Medaille ist nicht der Weg zum Geld, sondern Anerkennung der Arbeit, die Reiter und Pferd geleistet haben. „Eine Bestätigung für die Arbeit, die man macht.“
Bernhard Podlech beschreibt den Sport als Teamsache, in der das Pferd die Hauptrolle spielt. „Der Sport mit dem Pferd ist ein Teamsport, das kann man so sagen. Es geht nicht nur um einen selber, sondern der Partner muss auch mit dabei sein und mitmachen.“
Vorbereitung über Monate
Wer bei einer WM antritt, hat die Saison über systematisch trainiert. Sichtungen auf Landes- und Bundesebene, deutsche Meisterschaften als Qualifikationsturniere, dann die Nominierung. Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein gehört diese sportliche Vorbereitung zum Alltag. Aber die Mehrheit der Reiterzeit verbringt Bernhard nicht auf Turnieren. „Wenn man so ein Pferd hat und dann bei schönstem Wetter ausreiten gehen kann, dann gibt es eigentlich nichts Schöneres im Leben.“
Welche Pferde mitkommen
Bei einer WM zählt nicht nur der Reiter. Das Pferd muss bringen, was die Prüfung verlangt. Bernhard Podlech ritt 2019 in Berlin seine Stute Keila, die er von Anfang an im Training hatte. „Eine Stute Keila, das war ein Pferd, das ich im Training hatte, ist ein ganz außergewöhnliches Pferd, die immer sehr leistungsbereit ist und immer wirklich gerne mitmacht und arbeitet, aber auch richtig viel Power hat.“
Solche Pferde sind selten und werden über Jahre zur WM-Reife gebracht. Wer auf eine WM zielt, plant dafür mehrere Jahre.
Was die Islandpferde WM 2027 voraussichtlich bringen wird
Wie alle Islandpferde-Weltmeisterschaften wird die Islandpferde WM 2027 die internationalen Topreiter zusammenführen. Aus Deutschland, Island, Skandinavien, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, den USA. Reiter, Pferde, Trainer, Funktionäre, Fans. Wer den Sport verfolgen will, kann das vor Ort tun oder über Live-Stream, das hat sich in den letzten Jahren etabliert.
Für deutsche Reiter wie Bernhard Podlech ist eine WM Bestätigung dessen, was im Alltag passiert. Die meisten Tage gehören dem Training, der Ausbildung, dem Ausreiten. Die WM ist der Moment, in dem das alles zusammenkommt.
Mehr unter Islandpferde reiten und im Pillar Islandpferde.
Bernhard Podlech ist Pferdewirtschaftsmeister auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein, Vize-Weltmeister im Tölt 2019. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
