Pferde sind im Winter robuster, als viele meinen. Bernhard Podlech, der auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten 140 Islandpferde stehen hat, weiß das aus erster Hand. Was beim Thema Pferde im Winter auf die Weide zählt, und wann es trotzdem in den Stall geht.
Pferde sind keine Frostempfindlichen
Anders als oft angenommen, frieren Pferde nicht so leicht. Ihre Wohlfühltemperatur liegt zwischen minus 7 und plus 15 Grad. Das Winterfell wächst ab Spätsommer und ist im November dicht genug, um auch Frost und Schnee abzuhalten. Bewegung erzeugt zusätzliche Wärme.
Bernhard Podlech beschreibt das beim Islandpferd so: „Es hat relativ viel Winterfell und kann dadurch auch problemlos bei ganz eisigen und kalten Temperaturen draußen sein.“ Diese Anpassung kommt aus der Heimat. Auf Island leben die Pferde jahrhundertelang draußen ohne Stallschutz.
Die wichtigsten Voraussetzungen
Pferde im Winter auf die Weide zu schicken, geht gut, wenn ein paar Punkte stimmen.
Rasse passend. Islandpferde, Haflinger, Fjordpferde, Connemara, viele Pony-Rassen sind für Winterweide gut geeignet. Empfindlichere Rassen wie Vollblüter brauchen mehr Schutz.
Ausreichend Bewegungsfreiheit. Auf einem zu kleinen Stück friert das Pferd, weil es sich nicht warm laufen kann. Eine echte Weide mit ausreichend Fläche ist wichtig.
Witterungsschutz. Auch das robusteste Pferd braucht einen Bereich, an dem es Wind und Schlagregen entgehen kann. Ein offener Unterstand oder eine Hecke reicht oft. Auf dem Hof Hohenstein wechseln die Pferde im Winter zwischen Weide und Offenstall. Bernhard Podlech: „Jetzt gehen sie dann Anfang Mai auf die Weide raus und wahrscheinlich Mitte Oktober wieder rein in den Stall.“
Wasser. Wasser muss im Winter ständig zur Verfügung stehen, auch bei Frost. Das ist die größte Herausforderung. Frostsichere Tränken oder mehrmals täglich Eiskloben aufschlagen.
Heu zur freien Verfügung. Im Winter ist auf der Weide kaum Futter. Pferde, die draußen stehen, brauchen Heu in ausreichender Menge. Heu erzeugt durch Verdauung Wärme, ist also doppelt wichtig.
Hufpflege angepasst. Im Winter werden Pferde meist barhuf gegangen oder mit Stollen ausgerüstet, damit sie auf Schnee und Eis nicht ausrutschen.
Wann nicht raus
Es gibt Tage, an denen Pferde im Winter auf die Weide keine gute Idee sind.
Glatteis. Auf glattem Boden rutschen die Tiere aus, ziehen sich Verletzungen zu.
Tiefer Schlamm. Bei aufgeweichtem Boden zerstört man die Weide für die nächste Saison und das Pferd hat keinen Halt.
Anhaltender Schlagregen mit Wind. Selbst robuste Pferde fühlen sich unwohl. Wenn das Fell durchnässt ist und Wind drüber zieht, kühlt das Tier aus. Witterungsschutz ist Pflicht.
Krankheit oder Schwäche. Geriatrische Pferde, kranke Tiere, dünne Pferde haben weniger Reserven, frieren schneller. Hier braucht es individuelle Lösungen.
Stall-Wechsel auf dem Hof Hohenstein
Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein sind die Pferde nicht 365 Tage auf der Weide. Im Sommer leben sie auf den großen Koppeln, im Winter wechseln sie zwischen Weide und Offenstall. „Im Sommer haben wir sie am Stall, am großen Offenstall.“
Diese Mischung ist sinnvoll. Pferde, die ständig draußen stehen, ohne Schutz, leiden bei extremen Witterungen. Pferde, die nur im Stall stehen, fehlen Bewegung und Sozialkontakt. Der Wechsel gibt beides.
Decke ja oder nein
Eine Frage, die oft kommt: Sollte man Pferde im Winter eindecken? Die kurze Antwort ist nein, wenn das Pferd ein gesundes Winterfell hat und gesund ist. Eine Decke verhindert das Aufstellen der Haare, das die Wärme dämpft. Sie macht das Pferd anfälliger statt robuster.
Bei geschorenen Pferden, alten Tieren, kranken Pferden oder Rassen mit dünnem Fell kann eine Decke sinnvoll sein. Bei Islandpferden in der Regel nicht.
Bewegung im Winter
Auch im Winter sollten Pferde regelmäßig geritten werden, soweit es das Wetter erlaubt. Wer im Sommer trainiert, kann im Winter nicht völlig pausieren. Lange Spaziergänge an der Hand, kurze Ausritte im Schritt, Bodenarbeit, all das hält Tier und Reiter im Training.
Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein wird ganzjährig geritten. Die Pferde sind robust genug, dass auch im Winter Reitstunden und Trainingseinheiten stattfinden.
Pferde im Winter auf die Weide, kurz zusammengefasst
Bei robusten Rassen wie Islandpferden ist Winterweide kein Problem, wenn Witterungsschutz, Wasser und Heu sichergestellt sind. Bei schlechten Bedingungen wie Glatteis oder anhaltendem Sturm muss in den Stall gewechselt werden. Auf dem Hof Hohenstein wird zwischen Weide und Offenstall gewechselt, je nach Wetter. Decke ist bei gesunden Tieren nicht nötig.
Mehr im Pillar Pferde Stall und unter Pferde Weide.
Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
