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Wasserbüffel Haltung – Weide, Stall, Fütterung und Pflege

Wasserbüffel sind keine Kühe. Sie haben andere Bedürfnisse, brauchen anderes Wasser, anderes Futter, andere Stallflächen. Bernhard Podlech, der auf dem Hof Hohenstein bei Meidelstetten 160 Wasserbüffel hält, hat sich diese Tierart von Grund auf erarbeitet. Was Wasserbüffel Haltung in Deutschland heißt, mit der Stimme von einem, der eine der größten Albbüffel-Herden Deutschlands führt.

Wasserbüffel kommen aus Asien, sind aber älter in Europa als die meisten denken. Bernhard Podlech über die Geschichte: „Wasserbüffel schon bis vor 120.000 Jahren hier heimisch waren. Man hat in Steinheim an der Murr Überreste gefunden, die schon 300.000 Jahre alt waren.“ Heute kehren sie zurück. In Deutschland leben mehrere tausend Tiere, in Italien deutlich mehr, vor allem für die Mozzarella-Produktion. Auf der Schwäbischen Alb hat Willi Wolf ab 2005 eine der bekanntesten deutschen Herden aufgebaut, die heute Bernhard und Rebecca Podlech zusammen mit den Söhnen vom Willi weiterführen.

Was Wasserbüffel von Rindern unterscheidet

Auf den ersten Blick sehen Wasserbüffel wie schwere, dunkle Rinder aus. Tatsächlich sind sie eine eigene Tierart mit eigenen Anforderungen.

Sie brauchen Wasser zum Baden. Bernhard Podlech: „Die brauchen Abkühlung durch Schlamm oder Wasserbad.“ Wasserbüffel haben kaum Schweißdrüsen. Bei Hitze regulieren sie ihre Körpertemperatur, indem sie sich im Wasser oder Schlamm wälzen. Eine Suhle auf der Weide ist daher Pflicht.

Sie wachsen langsamer. Wasserbüffel reifen später als Hochleistungsrinder. Schlachtreif sind sie erst mit 24 bis 36 Monaten, oft länger. Das macht das Fleisch teurer in der Produktion und besser in der Qualität.

Sie sind genügsam. Bernhard: „Büffel sind auch sehr genügsame Tiere und sehr robuste Tiere. Die haben relativ wenig Ansprüche an das Futter. Die kommen mit sehr karger Mahlzeit aus.“ Magere Wiesen, Heu, Stroh, all das verarbeiten sie zu nutzbarem Gewinn. Hochleistungs-Kraftfutter ist nicht nötig und oft kontraproduktiv.

Sie sind ruhig, aber eigenwillig. „Sie sind unheimlich ruhige Tiere und sind sehr schlaue Tiere, ein bisschen stoisch vielleicht, manchmal stur oder eigensinnig.“ Ein Wasserbüffel lässt sich nicht hetzen. Wer mit der Herde umgeht, muss Geduld haben.

Sie sind wetterfest. „Sie sind auch sehr robust und wetterfest. Ob Wind oder Regen oder auch Schnee, die sind da sehr anspruchslos.“ Im Winter brauchen sie keinen warmen Stall, ein offener Unterstand reicht.

Weidehaltung im Sommer

Auf dem Hof Hohenstein laufen die Wasserbüffel vom Frühjahr bis zum Herbst auf der Weide. Bernhard Podlech: „Jetzt gehen sie dann Anfang Mai auf die Weide raus und wahrscheinlich Mitte Oktober wieder rein in den Stall.“

Die Weiden sind großzügig, mit verschiedenen Aufwüchsen, vielen Kräutern. Wasserbüffel mögen abwechslungsreiche Mahlzeiten, fressen Weiden ab, die Rinder verschmähen würden. Magere Wiesen, Wacholderheiden, sumpfige Bereiche, all das passt ihnen.

Wichtig auf jeder Weide ist Wasser. Eine Suhle, ein Teich oder mindestens eine große, mit Wasser gefüllte Wanne. Ohne Wasser können Wasserbüffel im Sommer nicht artgerecht gehalten werden.

Stallhaltung im Winter

Im Winter ziehen die Tiere auf dem Hof Hohenstein in einen großen Offenstall. Bernhard Podlech zur Wasserbüffel-Haltung im Winter: „Im Sommer haben wir sie am Stall, am großen Offenstall.“ Der Stall ist nicht beheizt, sondern nur wind- und regengeschützt. Wasserbüffel sind robust genug, dass kalte Temperaturen ihnen nichts ausmachen.

Wichtig ist viel Platz, weil die Tiere groß sind. Ein erwachsener Wasserbüffel-Bulle wiegt bis zu 1.000 Kilogramm, eine Kuh 600 bis 800 Kilogramm. Pro Tier sollten mindestens 6 bis 8 Quadratmeter Liegefläche zur Verfügung stehen, plus Fressplatz und Auslauf.

Fütterung

Wasserbüffel sind Wiederkäuer wie Rinder. Sie fressen Gras, Heu, Stroh, Maissilage. Auf dem Albbüffel-Hof werden die Tiere möglichst extensiv gefüttert. Im Sommer Weidegras, im Winter Heu und Silage aus eigenen Wiesen. Kraftfutter wird nur in geringer Menge eingesetzt, vor allem bei jungen Tieren.

Die Genügsamkeit der Tiere passt zu den Standortbedingungen auf der Schwäbischen Alb. Karge Wiesen, die für Hochleistungsrinder zu wenig Energie liefern, sind für Wasserbüffel ausreichend.

Herdenstruktur

Wasserbüffel sind Herdentiere. Sie leben in Gruppen mit klarer Hierarchie. Auf dem Hof Hohenstein leben die Tiere in mehreren Gruppen, je nach Alter, Geschlecht und Zustand. Mutterkühe mit Kälbern in einer Herde, Jungtiere in einer anderen, Bullen oft separat oder in kleinen Gruppen.

Wer mit Wasserbüffeln umgeht, muss die Herdenstruktur kennen. Bernhard Podlech hat das von Willi Wolf gelernt. „Er hatte eine sehr ruhige, aber ganz klare und deutliche Art gehabt oder Sprache gehabt, mit den Tieren umzugehen.“

Vermehrung

Wasserbüffel werden mit etwa 2 bis 3 Jahren geschlechtsreif. Trächtigkeitsdauer ist 10 bis 11 Monate, etwas länger als bei Rindern. Eine Kuh bringt in der Regel ein Kalb, Zwillinge sind selten. Die Kälber bleiben in den ersten Wochen bei der Mutter und folgen ihr in der Herde.

Schlachtung und Vermarktung

Wasserbüffel-Fleisch ist eine Spezialität. Bernhard Podlech beschreibt es so: „Das ist sehr mageres Fleisch, das cholesterinarm ist und hat einen hohen Omega-Fettsäurenanteil.“ Geschmacklich liegt es zwischen Rind und Wild.

Auf dem Albbüffel-Hof werden die Tiere mit der Metzgerei Fallenschmidt verarbeitet, die eine Viertelstunde vom Hof entfernt liegt. Bernhard: „Die Metzgerei Fallenschmidt ist sozusagen der Partner, mit dem wir auch heute jetzt noch zusammenarbeiten.“ Mehr unter Büffelfleisch.

Genehmigungen und Vorschriften

Wasserbüffel-Haltung ist in Deutschland tierseuchenrechtlich wie Rinderhaltung geregelt. Tierhalter brauchen eine Betriebsnummer, müssen Tiere registrieren, die HIT-Datenbank pflegen, Impfungen dokumentieren. Wer einsteigen will, sollte sich mit dem Veterinäramt abstimmen.

Wasserbüffel auf der Schwäbischen Alb

Was den Hof Hohenstein und Albbüffel besonders macht, ist nicht nur die Tierart, sondern der Standort. Die Schwäbische Alb hatte vor 120.000 Jahren Wasserbüffel. Wenn heute wieder welche darauf stehen, ist das eine Heimkehr, kein Experiment. Mehr unter Wasserbüffel Schwäbische Alb.

Wasserbüffel Haltung, kurz zusammengefasst

Wasserbüffel brauchen Wasser zum Baden, viel Platz, magere Weiden, robusten Stall im Winter. Sie sind genügsamer und langsamer wachsend als Hochleistungsrinder, aber dafür wetterfest und gesundheitlich stabil. Wer in die Wasserbüffel Haltung einsteigen will, sollte sich Zeit für die Tiere nehmen, ihre Eigenheiten kennenlernen und einen Vermarktungspartner für das Fleisch haben.

Mehr unter Albbüffel und Wasserbüffel Schwäbische Alb.


Bernhard Podlech führt den Albbüffel-Betrieb auf dem Hof Hohenstein zusammen mit den Söhnen von Willi Wolf. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.