Abnehmen mit Yoga: was realistisch ist und warum ein Arzt den größten Effekt im Kopf sieht, nicht auf der Waage. Von Dr. Ronald Steiner.
„In dem Moment, wo ich auf der Matte stehe, lösen sich Ängste und Grübeln auf. Ich finde das magisch.“ Das sagt Dr. Ronald Steiner über seine eigene Praxis, und es ist kein Satz über Kalorien. Genau darin steckt der wichtigste Hinweis für alle, die übers Abnehmen mit Yoga nachdenken. Was auf der Matte passiert, spielt sich zu einem großen Teil im Kopf ab.
Die verbreitete Erwartung geht anders. Yoga als Fettverbrenner, eine Stunde gegen die überschüssigen Pfunde. Diese Rechnung geht so einfach nicht auf. Eine ruhige Yoga-Stunde verbrennt weniger Energie als eine Laufrunde. Wer allein über den Kalorienverbrauch abnehmen will, wählt oft den falschen Hebel.
Was Yoga zum Thema Gewicht beitragen kann
Der interessantere Zusammenhang passt zu Steiners Satz. Essverhalten hängt bei vielen Menschen mit Stress, Anspannung und Grübeln zusammen. Wer abends aus Unruhe isst, hat kein Kalorienproblem, sondern ein Anspannungsproblem. Hier setzt Steiners Beobachtung an, und sie ist nicht nur Gefühl. Er verweist auf eine fMRT-Studie mit Ashtanga-Übenden, bei denen ausgerechnet die Hirnregionen für Ängste und Grübeln weniger aktiv waren. Wenn sich auf der Matte das Grübeln löst, verändert das womöglich mehr am Essverhalten als jede verbrannte Kalorie.
Dazu kommt ein zweiter Punkt, der zu Steiners ganzem Yoga-Verständnis passt: Yoga schult die Aufmerksamkeit für den eigenen Körper. Wer wieder spürt, wann er satt ist und wie er sich nach dem Essen fühlt, trifft andere Entscheidungen. Das ist keine Diät und kein Versprechen. Es ist eine Verschiebung der Wahrnehmung.
Warum es kein schnelles Ergebnis gibt
Hier muss der Text ehrlich bleiben. Abnehmen mit Yoga ist kein Programm mit Countdown. Es gibt keine feste Zahl auf der Waage nach vier Wochen. Steiner selbst würde Gewicht nie als Zweck des Übens ausgeben. Für ihn geht es um Balance von Körper und Geist, und Bewegung trägt dazu fast überall etwas bei. Wer die Ruhe und die Körperwahrnehmung sucht, die eine regelmäßige Praxis bringen kann, findet beim Abnehmen mit Yoga einen guten Verbündeten. Wer eine reine Gewichtsmethode sucht, wird enttäuscht.
Gerade der Einstieg gelingt oft über einen festen Rhythmus. Warum die Uhrzeit hilft, liest du unter Morgen Yoga. Und wer den Grundstil sucht, findet ihn im Hatha Yoga.
Der ehrliche Rahmen
Gewicht ist ein Zusammenspiel aus Ernährung, Bewegung, Schlaf und Kopf. Yoga kann an mehreren dieser Stellen mitwirken, vor allem am Kopf und an der Körperwahrnehmung. Es ersetzt keine ausgewogene Ernährung und keine ärztliche Begleitung, wenn Gewicht zum gesundheitlichen Thema wird. Steiners „ich finde das magisch“ meint diese innere Wirkung. Wer sie sucht, findet vielleicht nicht das schnellste, aber ein tragfähiges Stück des Weges.
Abnehmen mit Yoga realistisch angehen
Wer sich vom Yoga schnelle Zahlen auf der Waage erhofft, wird eher enttäuscht. Abnehmen mit Yoga funktioniert nicht wie ein Kalorienverbrenner, und Steiner verspricht das auch nicht. Den größten Wert sieht er woanders, nämlich im Kopf. Eine regelmäßige Praxis schult die Aufmerksamkeit für den eigenen Körper, für Hunger, für Anspannung, für das eigene Verhalten. Aus dieser veränderten Wahrnehmung heraus fällt vielen ein gesünderer Umgang mit sich selbst leichter, ganz ohne Druck und ohne strenge Regeln. Sinnvoll ist deshalb, Yoga nicht als Diät zu betrachten, sondern als einen Baustein in einem insgesamt bewegten Alltag. Wer das Thema ernsthaft angehen will, verbindet es am besten mit ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung, für die eine ärztliche oder ernährungsfachliche Beratung eine gute Grundlage ist. Abnehmen mit Yoga ist damit kein Trick und keine Abkürzung, sondern eine ruhigere, freundlichere Art, wieder in Kontakt mit dem eigenen Körper zu kommen. Genau diese Haltung, weg vom schnellen Ergebnis, hin zur langfristigen Beziehung zum eigenen Körper, ist es, die Steiner betont.
Häufige Fragen
Kann man mit Yoga abnehmen?
Yoga allein ist kein Fettverbrenner. Es kann aber über weniger Stress, besseres Körpergefühl und einen bewussteren Umgang mit dem Essen indirekt beitragen. Als alleinige Gewichtsmethode ist es wenig geeignet.
Warum betont Dr. Ronald Steiner den Kopf statt die Kalorien?
Weil Essverhalten oft mit Stress und Grübeln zusammenhängt und Steiner auf der Matte genau dort eine Wirkung erlebt, gestützt durch eine fMRT-Studie zu Ashtanga-Übenden. Das verändert Gewohnheiten oft mehr als der Kalorienverbrauch.
Wie oft muss man Yoga machen, um abzunehmen?
Eine feste Formel gibt es nicht. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Regelmäßigkeit und die Kombination mit Ernährung und Alltag. Ergebnisse sind individuell verschieden.
Welches Yoga eignet sich beim Abnehmen?
Wer mehr Bewegung sucht, wählt kräftigere, dynamische Stile. Für den Kopf und die Ruhe zählt vor allem, dass die Praxis regelmäßig stattfindet, nicht welcher Stil es ist.
Hinweis
Dieser Beitrag gibt die Sicht und Erfahrung von Dr. Ronald Steiner wieder und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung. Bei starkem Über- oder Untergewicht oder Erkrankungen gehört das Thema in fachliche Hände. Wie eine Yoga-Praxis im Einzelfall wirkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Zur Episode und weiteren Beiträgen mit Dr. Ronald Steiner im pekuu audiostories Podcast: Dr. Ronald Steiner.
