Taube im Yoga: was der Hüftöffner kann, warum ein Arzt alte Heilversprechen zu einzelnen Haltungen entzaubert und worauf du bei den Knien achten musst.
Über die Taube kursieren große Versprechen. Sie löse Emotionen, entgifte, öffne dieses oder jenes. Dr. Ronald Steiner, Arzt und Ashtanga-Lehrer aus Ulm, kennt solche Zuschreibungen gut, und er erzählt dazu gern eine Geschichte aus der Yoga-Geschichte. In einer Liste aus den 1950er-Jahren galt zum Beispiel der Pfau als Hilfe bei Diabetes, weil man dabei mit dem Ellenbogen auf die Bauchspeicheldrüse drücke und so die Insulinausschüttung anrege. Der Schulterstand wiederum sollte über Druck die Schilddrüse beeinflussen. Belegt sei davon nichts. Wer über Taube Yoga liest, sollte diese Skepsis mitnehmen. Eine Haltung ist kein Medikament.
Das nimmt der Taube nichts von ihrem Reiz. Es rückt nur zurecht, was sie ist: eine kraftvolle, schöne Haltung mit einem klaren körperlichen Fokus, nicht ein Heilmittel gegen bestimmte Beschwerden.
Was die Taube wirklich ist
Die Taube ist eine der bekanntesten tiefen Hüftöffnungen im Yoga. Ein Bein liegt vorn angewinkelt, das andere streckt sich nach hinten, der Oberkörper richtet sich auf oder sinkt über das vordere Bein. Anatomisch dehnt und mobilisiert die Haltung vor allem die Muskulatur rund um die Hüfte und das Gesäß, eine Region, die bei vielem Sitzen fest wird. Das ist keine Yoga-Behauptung, sondern schlicht, welche Strukturen hier arbeiten.
Steiners moderner Blick passt genau dazu. Statt einer Haltung eine feste Heilwirkung zuzuschreiben, schaut er darauf, was mechanisch geschieht. Man dehnt bestimmte Muskeln, man kräftigt andere, man mobilisiert ein Gelenk, und daraus ergeben sich Effekte. Die Taube ist in diesem nüchternen Sinn eine gute Übung für die Beweglichkeit der Hüfte. Wie Steiner das Thema Hüfte und den Aufbau stützender Kraft insgesamt denkt, liest du unter Yoga für die Hüfte.
Worauf du bei den Knien achten musst
Bei aller Schönheit hat die Taube eine empfindliche Stelle, und die heißt Knie. Das vordere, angewinkelte Bein bringt das Kniegelenk in eine Position, die bei falscher Ausführung oder zu viel Ehrgeiz Druck aufbauen kann. Genau hier gilt Steiners Grundsatz besonders: „Nicht immer ist jede Übung für jeden Menschen geeignet.“ Wer Knieprobleme hat, geht die Taube nur mit Vorsicht und am besten unter Anleitung an. Hilfsmittel unter Hüfte oder Knie nehmen Druck heraus, und der Weg in die Haltung darf nie schmerzhaft sein. Taube Yoga ist eine Übung, bei der Geduld mehr zählt als Tiefe.
Ehrlich üben statt großen Versprechen glauben
Die Taube ist am Ende ein gutes Beispiel für Steiners ganze Haltung zum Yoga. Offen für den Wert einer Übung, skeptisch gegenüber dem großen Versprechen. Genieße die Dehnung, arbeite an deiner Beweglichkeit, spür der Ruhe nach, die eine gehaltene Haltung bringen kann. Aber erwarte kein Wunder und keine Heilung, die eine einzelne Pose ohnehin nicht leisten kann. So wird Taube Yoga zu dem, was es sein sollte: eine ehrliche, schöne Übung.
Taube Yoga sicher üben
Die Taube ist eine der bekanntesten Haltungen zur Öffnung der Hüfte, und genau deshalb wird sie oft überschätzt und überzogen. Taube Yoga heißt nicht, möglichst tief in die Dehnung zu gehen, sondern sich behutsam heranzutasten. Für den Einstieg lohnt es sich, die Haltung mit Hilfsmitteln zu üben, etwa mit einer Decke oder einem Kissen unter der Hüfte, damit das Becken gestützt ist und nichts erzwungen wird. Steiner würde betonen, dass die Aufmerksamkeit im Körper wichtiger ist als die Tiefe der Haltung. Wer den Atem ruhig hält und auf die Signale des Körpers achtet, übt sicherer als jemand, der ein Bild aus dem Netz nachstellen will. Besondere Vorsicht gilt dem Knie. Es sollte nie schmerzen oder unter Spannung verdreht werden. Wer Schmerzen spürt, geht zurück und sucht eine sanftere Variante. Bei bekannten Knie oder Hüftproblemen gehört die Übung ärztlich abgeklärt. Taube Yoga ist damit kein Wettbewerb um die schönste Pose, sondern eine Einladung, einen oft verspannten Bereich langsam und achtsam zu öffnen, ganz im Sinne von Steiners unaufgeregtem Zugang.
Häufige Fragen
Was bewirkt die Taube im Yoga?
Sie dehnt und mobilisiert vor allem die Hüft- und Gesäßmuskulatur, die bei viel Sitzen fest wird. Feste Heilwirkungen schreibt Dr. Ronald Steiner einzelnen Haltungen bewusst nicht zu. Effekte sind individuell.
Hilft die Taube gegen bestimmte Beschwerden?
Solche Versprechen sieht Steiner kritisch, weil viele alte Heilzuschreibungen zu Haltungen nicht belegt sind. Die Taube ist eine gute Übung für die Beweglichkeit der Hüfte, kein Medikament.
Ist die Taube schlecht für die Knie?
Sie kann das vordere Knie belasten. Bei Knieproblemen nur vorsichtig, mit Hilfsmitteln und am besten angeleitet üben. Der Weg in die Haltung darf nie schmerzen.
Für wen ist Taube Yoga geeignet?
Für viele, die ihre Hüftbeweglichkeit verbessern wollen, sofern die Knie mitmachen. Nicht jede Übung passt zu jedem, deshalb bei Beschwerden vorher fachlichen Rat einholen.
Hinweis
Dieser Beitrag gibt die Sicht von Dr. Ronald Steiner sowie allgemeine Informationen wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Knie- oder Hüftproblemen übe nur vorsichtig und angeleitet und klär Beschwerden vorab ärztlich ab. Wie eine Yoga-Praxis im Einzelfall wirkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Zur Episode und weiteren Beiträgen mit Dr. Ronald Steiner im pekuu audiostories Podcast: Dr. Ronald Steiner.
