Wer Islandpferde kaufen will, fragt zuerst nach dem Preis und dann oft nach allem Falschen. Bernhard Podlech, der auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten in dritter Generation Islandpferde züchtet und verkauft, hat eine andere Reihenfolge im Kopf. Welche Fragen wirklich zählen, wenn man ein Tier für die nächsten 30 Jahre auswählt.
Bevor du losziehst
Ein Islandpferd ist eine lange Beziehung. Diese Pferde werden oft über 30 Jahre alt, manche kommen an die 40. Wer Islandpferde kaufen will, sollte sich vorher klar darüber werden, was er mit dem Tier vorhat. Tölt-Reiten am Wochenende? Wanderritte? Turnier? Familienpferd? Zucht? Für jeden dieser Wege passt ein anderes Pferd.
Bernhard Podlech beschreibt die Vielseitigkeit der Rasse so: „Ein Pferd, was man wirklich für ganz viele Sachen einsetzen kann.“ Aber jedes einzelne Pferd hat seine Stärken. Der Charakter, der Bewegungsstil, die Gangveranlagung sind individuell. Das richtige Tier für den falschen Reiter ist trotzdem das falsche Tier.
Bei wem kaufen
Hier liegt der wichtigste Hebel beim Islandpferde kaufen. Etablierte Zuchtbetriebe sind eine andere Adresse als Privatverkäufe oder Pferdebörsen. Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein zum Beispiel werden eigene Pferde gezogen, ausgebildet, vorgestellt. Drei Generationen Geschichte stehen dahinter. Bernhards Großvater hat in den Fünfzigern Islandpferde aus Island importiert. Sein Vater hat den Wiesenhof bei Karlsruhe als eines der größten deutschen Islandpferde-Gestüte geführt, mit zeitweise 300 Tieren.
Was bei einem Zuchtbetrieb anders ist: Der Verkäufer kennt das Tier seit der Geburt. Er kennt die Mutter, oft auch die Großmutter. Er hat die Aufzucht selbst gemacht, das Anreiten selbst gemacht, das Pferd auf Turnieren selbst vorgestellt. Bei einem Privatverkauf bekommst du oft nur ein kleines Fenster Information. Bei einem Zuchtbetrieb das ganze Bild.
Was du dir anschauen solltest
Abstammung. Wer sind die Eltern des Tiers? Wie haben sie sich auf Zucht- und Sportprüfungen geschlagen? Im Islandpferdesport gibt es einen klaren Bewertungs-Apparat, der Aufschluss gibt.
Gangveranlagung. Vier- oder Fünfgänger? Wie sauber ist der Tölt? Wie taktrein sind Trab und Galopp? Lass dir das Pferd vorreiten, beobachte es im Schritt, im Trab, im Tölt, im Galopp. Wenn es ein Fünfgänger ist, auch im Pass.
Ausbildungsstand. Ist das Pferd eingeritten? Geht es alleine, in der Gruppe, im Gelände? Reagiert es auf feine Hilfen? Bernhard Podlech beschreibt das Ausbildungsziel so: „Sodass die Kommunikation immer feiner wird und das Pferd auf die kleinsten Hilfen reagiert.“
Charakter. Wie ist das Tier im Stall, im Umgang, beim Putzen, beim Aufsatteln? Bei Bernhards Lieblingsstute Keila, mit der er 2019 Vize-Weltmeister wurde, ist es genau dieser Punkt, der heraussticht. „Die immer sehr leistungsbereit ist und immer wirklich gerne mitmacht und arbeitet.“
Gesundheit. Vor dem Kauf ist eine tierärztliche Ankaufsuntersuchung Pflicht. Sie kostet zwischen 200 und 800 Euro, je nach Umfang, und kann später viel Ärger ersparen.
Junges Pferd oder ausgebildetes
Ein häufiger Anfängerfehler ist der Kauf eines Jungpferds. Drei- oder Vierjährige sind günstiger, aber sie brauchen Reiter, die ein Pferd ausbilden können. Bernhard Podlech beschreibt den Aufwand der Ausbildung als jahrelange Arbeit. Wer das selbst nicht kann, sollte ein Pferd kaufen, das schon ausgebildet ist.
Eine gute Faustregel: junger Reiter, junges Pferd ist gefährlich. Junger Reiter, älteres Pferd ist gut. Erfahrener Reiter, junges Pferd ist gut. Erfahrener Reiter, älteres Pferd ist Geschmackssache.
Pferd aus Island oder aus Deutschland
In Island sind Islandpferde günstiger im Einkauf, aber Transport, Quarantäne, Eingewöhnung kosten Geld und Nerven. In Deutschland sind die Tiere an mitteleuropäisches Klima gewöhnt, Stallhaltungs-Standards sind vertraut. Für die meisten Reiter ist der Kauf eines in Deutschland aufgewachsenen Tieres die unkompliziertere Lösung. Die deutschen Zuchtbetriebe bringen heute Tiere hervor, die mit isländischer Spitzenqualität mithalten.
Folgekosten richtig einschätzen
Wenn du Islandpferde kaufen willst, rechne nicht nur den Kaufpreis. Stallplatz, Hufschmied, Tierarzt, Versicherung, Sattel, Reitlehrer summieren sich pro Jahr schnell auf 5.000 bis 10.000 Euro, je nach Region und Stallform. Bei einer Lebenserwartung von 30 Jahren ergibt sich daraus eine Gesamtinvestition, gegen die der Kaufpreis ein kleiner Posten ist. Mehr unter Wie viel kosten Islandpferde.
Probereiten und Zeit nehmen
Lass dir Zeit. Ein gutes Islandpferd findet sich nicht beim ersten Termin. Probereiten ist Pflicht, oft auch mehrfach. Manche Verkäufer bieten Proberitte über mehrere Tage an, damit Reiter und Pferd sich kennenlernen. Wer ein Tier kauft, ohne es geritten zu haben, kauft eine Wundertüte.
Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein zum Beispiel sind Probereiten Teil des Verkaufs. Bernhard Podlech und seine Frau Rebecca sind beide aktive Reiter, sie kennen ihre Pferde und können einschätzen, welches zu welchem Reiter passt.
Islandpferde kaufen, kurz zusammengefasst
Bei einem Zuchtbetrieb mit Geschichte einkaufen. Abstammung, Gangveranlagung, Ausbildungsstand und Charakter prüfen. Ankaufsuntersuchung machen lassen. Mehrfach probereiten. Lieber ein bisschen mehr ausgeben für das richtige Pferd als ein Schnäppchen mit dem falschen. Und bedenken, dass die Beziehung Jahrzehnte dauert. Wer das Pferd nicht nur als Sportgerät betrachtet, sondern als Lebewesen, mit dem er ein Vierteljahrhundert verbringt, kommt mit der richtigen Geisteshaltung an die Sache.
Mehr zum Reiten unter Islandpferde reiten und zu Standorten unter Islandpferde in der Nähe.
Bernhard Podlech ist Pferdewirtschaftsmeister auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein und züchtet, bildet aus und verkauft Islandpferde. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
