Pferdezucht ist eine Generationensache. Was Bernhard Podlechs Großvater in den Fünfzigern angefangen hat, führt sein Enkel heute auf einer Hochebene oberhalb von Meidelstetten weiter. Drei Generationen Islandpferde-Zucht in einer Familie. Was Pferdezucht heißt, vom langen Atem bis zur Genetik.
Die Anfänge in der Familie Podlech
Bernhard Podlech wuchs in einem Pferdebetrieb auf, der schon damals etwas Besonderes war. „Mein Großvater war einer der ersten Importeure von Islandpferden in Deutschland“, erinnert er sich. Die Pferde kamen direkt aus Island, mit dem Schiff. Eine eigene Idee in einer Zeit, in der Islandpferde in Deutschland nahezu unbekannt waren.
Aus dem Import wurde Zucht. „Dann hat er angefangen mit der Islandpferdezucht und das ganze hat sich dann immer professionalisiert.“ Mit der Generation des Vaters, Bruno Podlech, wuchs der Betrieb. Der Wiesenhof bei Karlsruhe wurde zu einem der größten Islandpferde-Gestüte Deutschlands. „Mein Vater hat dann eben den Wiesenhof aufgebaut bei Karlsruhe und da hatten wir bis zu 300 Pferde.“
Bruno Podlech führte den Wiesenhof 30 Jahre lang. Bis zu seinem Tod 2009. „Ich war noch sehr jung, da ist mein Papa leider gestorben und seitdem ist der Hof Wiesenhof verpachtet, der ist nicht mehr in Familienbesitz.“
Was Pferdezucht ausmacht
Pferdezucht ist nicht das schnelle Geschäft. Es geht um Generationen, nicht Quartale. Wer einen guten Hengst und eine gute Stute paart, sieht das Ergebnis in zwei bis drei Jahren. Bis das Fohlen ein Reitpferd ist, vergehen vier Jahre. Bis sich die Linie über Generationen entwickelt, vergehen Jahrzehnte.
Drei Säulen tragen jede Pferdezucht:
Genetik. Welche Eigenschaften will man weitergeben? Beim Islandpferd: Tölt, Charakter, Robustheit, Größe, Bewegung. Bei Sportpferden andere Schwerpunkte. Die Auswahl der Eltern ist die wichtigste Entscheidung.
Aufzucht. Was im Fohlenalter passiert, prägt das Pferd lebenslang. Robust aufgezogene Tiere mit ausreichend Bewegung, Sozialkontakt und gutem Futter sind später leistungsfähiger als Pferde aus Stallhaltung.
Auge des Züchters. Welches Fohlen hat Potenzial? Welches eher nicht? Wer das nicht erkennt, paart blind. Das Auge entwickelt sich nur über Jahre. Bernhard Podlech: „Ich bin ja eigentlich seit Geburt schon mit Pferden in Berührung gewesen, weil mein Großvater einer der ersten Importeure von Islandpferden in Deutschland war.“
Die Zucht auf dem Hof Hohenstein
Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein zieht Bernhard Podlech eigene Pferde nach. Aus diesen Tieren entstehen die Reitpferde, die später verkauft oder am Hof in der Reitschule eingesetzt werden. Vize-Weltmeisterin Keila ist eines davon. „Eine Stute Keila, das war ein Pferd, das ich im Training hatte, ist ein ganz außergewöhnliches Pferd, die immer sehr leistungsbereit ist und immer wirklich gerne mitmacht und arbeitet, aber auch richtig viel Power hat.“
Die Zucht beim Islandpferd folgt strengen Regeln. Es gibt eine Stutbuch-Eintragung in Island und in Deutschland. Hengste müssen Leistungsprüfungen ablegen. Stuten werden nach Exterieur und Bewegung beurteilt. Wer im Stutbuch steht, hat einen offiziellen Wert.
Das Stutbuch
Das isländische Stutbuch ist die zentrale Datenbank der weltweiten Islandpferdezucht. Jedes Tier wird mit seiner Abstammung erfasst. Wer ein Fohlen registrieren will, braucht die Eintragung beider Eltern. Diese strenge Dokumentation macht die Zucht international vergleichbar. Ein Hengst aus Island, einer aus Deutschland, einer aus Schweden, alle führen die gleichen Zuchtbücher.
Über 300 Farben
Eine Besonderheit der Islandpferde ist die Farbvielfalt. Mehr als 300 Farbvariationen sind im isländischen Stutbuch registriert. Diese Vielfalt ist Folge der jahrhundertelangen Isolation. Auf der Insel hat sich keine bestimmte Farbe durchgesetzt, sondern alle blieben erhalten. Mehr unter Pferde Fellfarben und Pferde Farben.
Der Sprung zur Alb
2019 verlegte Bernhard Podlech das Gestüt nach Hohenstein, eine Hochebene auf der Schwäbischen Alb. „Wir liegen hier auf der Schwäbischen Alb auf einer sehr schönen Hochebene.“ Was den Standortwechsel zum Erfolg gemacht hat, ist die Landschaft. Magere Wiesen, klare Luft, kühles Klima, viel Platz. Genau das, was Islandpferde aus ihrer Heimat kennen.
Die Zucht wird in dieser Landschaft fortgesetzt. Pferde wachsen unter ähnlichen Bedingungen auf wie auf Island, sind robust, ausgeglichen, gesund.
Was Pferdezucht heute braucht
Wer in die Pferdezucht einsteigen will, sollte wissen, was er sich vornimmt. Es ist nicht das Hobby für nebenher. Eine kleine Zucht mit drei oder vier Stuten kostet viel Zeit, viel Geld und viele Jahre, bis sich Erfolg zeigt. Eine professionelle Zucht ist ein Vollzeit-Beruf.
Was bleibt, ist die Beziehung zum Tier. Bernhard Podlech: „Wenn man so ein Pferd hat und dann bei schönstem Wetter ausreiten gehen kann, dann gibt es eigentlich nichts Schöneres im Leben.“ Wer aus eigener Zucht ein gutes Pferd reitet, hat etwas, das man kaum kaufen kann.
Pferdezucht, kurz zusammengefasst
Drei Generationen Familie Podlech zeigen, was Pferdezucht heißt. Lange Atem, Auge für das Tier, Geduld über Jahrzehnte. Vom Großvater als Importeur über den Vater am Wiesenhof bis zu Bernhard auf dem Hof Hohenstein. Wer einsteigt, übernimmt eine Aufgabe, die sich über Generationen erstreckt.
Mehr unter Pferde Fohlen und Isländer Fohlen.
Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein in dritter Generation. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
