Wasserbüffel Schwäbische Alb klingt nach Widerspruch. Tatsächlich ist es eine Heimkehr. Sie sind eine der ungewöhnlichsten Begegnungen, die man bei einem Spaziergang oben am Hochrand haben kann. Schwarz, schwer, geduldig, oberhalb von Meidelstetten. Bernhard Podlech, der mit seiner Frau Rebecca den Hof Hohenstein und damit die Albbüffel-Herde führt, weiß, dass diese Tiere keine Exoten sind.
Knochen aus 300.000 Jahren
Bevor man die Frage stellt, ob Wasserbüffel auf die Schwäbische Alb gehören, lohnt ein Blick in die Vergangenheit. Bernhard Podlech: „Wasserbüffel schon bis vor 120.000 Jahren hier heimisch waren. Man hat in Steinheim an der Murr Überreste gefunden, die schon 300.000 Jahre alt waren.“
Steinheim an der Murr ist heute bekannt für die Funde des Steinheimer Urmenschen, eines der wichtigsten Fossilien der menschlichen Frühgeschichte. Was im gleichen Fundgebiet gefunden wurde, sind Knochen von Wasserbüffeln. 300.000 Jahre alt, aus einer Zeit, in der das Klima auf der Alb wärmer war als heute. Die Tiere waren damals weit verbreitet in Mitteleuropa.
Bis vor 120.000 Jahren lebten sie hier. Dann zogen sie sich in wärmere Gegenden zurück, ausgestorben in Europa, weiterhin in Asien. Erst in der Neuzeit kamen sie zurück, vor allem nach Italien, wo sie für die Mozzarella-Produktion eine wichtige Rolle spielen. In Deutschland war die Wasserbüffel-Haltung bis vor kurzem ein Kuriosum.
Willi Wolf und der erste Schritt
Was den Wasserbüffel zurück auf die Schwäbische Alb gebracht hat, war die Initiative eines Einzelnen. Willi Wolf, von Bernhard liebevoll als Albcowboy beschrieben, hatte zuerst Angusrinder. Aber das lief nicht so richtig, wie er sich das vorgestellt hatte. Also schaute er sich um, was er stattdessen halten könnte.
Bei seiner Recherche stieß er auf den historischen Befund. Wasserbüffel waren auf der Alb schon mal heimisch. „Da hat sich der Willi gedacht, ja gut, was vor 120.000 Jahren da war, das ist wahrscheinlich auch heute noch klimatechnisch tauglich.“ So beschreibt Bernhard Podlech die Logik.
Im Herbst 2005 kamen die ersten Tiere. „Die ersten 36 Büffel sind eben im Herbst 2005 hier auf die Alp gekommen“, sagt Bernhard. Sie wurden aus Rumänien geholt, wo Wasserbüffel-Haltung Tradition hat. Später kaufte Willi auch in Italien Tiere zu. Auf dem Höhepunkt führte er rund 300 Wasserbüffel.
Was die Alb zu Wasserbüffel-Land macht
Auf den ersten Blick mag die Schwäbische Alb mit ihren kühlen Wintern und windigen Höhenlagen kein typischer Wasserbüffel-Standort sein. Auf den zweiten Blick passt es besser, als man denkt.
Anspruchslosigkeit der Tiere. Bernhard Podlech: „Sie sind auch sehr robust und wetterfest. Ob Wind oder Regen oder auch Schnee, die sind da sehr anspruchslos.“ Wasserbüffel sind weniger empfindlich, als man bei einer aus Asien stammenden Tierart vermuten würde.
Karge Weiden. „Büffel sind auch sehr genügsame Tiere und sehr robuste Tiere. Die haben relativ wenig Ansprüche an das Futter. Die kommen mit sehr karger Mahlzeit aus.“ Genau das, was die Alb zu bieten hat. Magere Wiesen, Wacholderheiden, Streuobstwiesen. Wo Hochleistungsrinder nicht zurechtkommen, leben Wasserbüffel gut.
Wasser. Was die Alb braucht, sind Suhlen für die Tiere. Diese werden auf den Weiden bewusst angelegt oder, wo möglich, natürliche Feuchtbiotope eingebunden.
Heute auf dem Hof Hohenstein
Die Albbüffel-Herde umfasst heute rund 160 Tiere. Auf dem Hof Hohenstein leben sie in mehreren Gruppen, im Sommer auf den Weiden, im Winter im großen Offenstall. Bernhard Podlech: „Im Sommer haben wir sie am Stall, am großen Offenstall. Jetzt gehen sie dann Anfang Mai auf die Weide raus und wahrscheinlich Mitte Oktober wieder rein in den Stall.“
Wer auf der Hochebene oberhalb von Meidelstetten unterwegs ist, kann die Tiere von Weitem sehen. Schwarze Punkte auf grünen Wiesen. Sie sind keine Touristenattraktion, sondern Teil eines landwirtschaftlichen Betriebs. Aber sie machen die Landschaft zu etwas Besonderem.
Das Erbe von Willi Wolf
Ende 2024 ist Willi Wolf verstorben. Bernhard Podlech beschreibt ihn so: „Der Willi war ein echtes Urgestein und sehr direkt, ehrlich und war ein Macher. Der hat nicht lange herumgefackelt, der hat gehandelt.“ Was er auf der Alb angefangen hat, machen Bernhard und Rebecca Podlech mit den Söhnen vom Willi in einer GbR weiter. Den Albbüffel als Marke, den Hof Hohenstein als Standort, die Tiere als Aufgabe.
Bernhard und Rebecca sind selbst Pferdemenschen. Bernhards Familie hat seit den Fünfzigern mit Islandpferden zu tun. Wasserbüffel waren für ihn Neuland. Aber die Tiere und Willi haben ihn überzeugt. „Das ist natürlich etwas ganz anderes neben einem Wasserbüffel zu stehen oder mit einem Wasserbüffel umzugehen als mit einem Pferd, das ist ganz klar.“
Vermarktung und Marke
Die Marke Albbüffel hat sich über zwei Jahrzehnte etabliert. Wasserbüffel-Fleisch von der Schwäbischen Alb, vermarktet über die Metzgerei Fallenschmidt, eine Viertelstunde vom Hof entfernt. Bernhard Podlech: „Die Metzgerei Fallenschmidt ist sozusagen der Partner, mit dem wir auch heute jetzt noch zusammenarbeiten.“ Mehr unter Albbüffel und Büffelfleisch.
Was bleibt von der Heimkehr
Wer auf der Schwäbischen Alb wandert und auf eine Wasserbüffel-Herde stößt, schaut nicht auf eine Importer-Idee, sondern auf eine Tierart, die in dieses Landschaftsbild gehört. Vor 120.000 Jahren standen sie hier, jetzt wieder. Eine Lücke wird geschlossen.
Bernhard Podlech und Willi Wolf haben damit nicht nur ein landwirtschaftliches Geschäft betrieben, sondern auch ein Stück biologische Geschichte fortgeschrieben. Die Alb hatte Wasserbüffel. Jetzt hat sie wieder welche.
Wasserbüffel Schwäbische Alb, kurz zusammengefasst
Vor 120.000 Jahren heimisch, dann ausgestorben in Europa, seit 2005 wieder auf der Alb. Ausgangspunkt war Willi Wolf, der die historische Verbindung erkannt hat. Heute leben rund 160 Tiere als Wasserbüffel Schwäbische Alb auf dem Hof Hohenstein bei Meidelstetten. Die Bedingungen passen, die Tiere sind robust, die Marke Albbüffel ist eine der bekanntesten ihrer Art in Deutschland.
Mehr unter Albbüffel und im Pillar Wasserbüffel Haltung.
Bernhard Podlech führt den Albbüffel-Betrieb auf dem Hof Hohenstein. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
