Wer ein Islandpferd kauft, kauft einen Begleiter für Jahrzehnte. Bernhard Podlech, der auf dem Hof Hohenstein bei Meidelstetten 140 Islandpferde züchtet, kennt Tiere, die in den späten Zwanzigern noch geritten werden. Wie alt werden Islandpferde wirklich, und warum so viel länger als andere Pferderassen?
Die übliche Lebensspanne
Islandpferde werden im Schnitt 30 bis 35 Jahre alt. Tiere mit 35 sind nichts Außergewöhnliches mehr, einzelne überschreiten auch die 40. Das ist deutlich über dem Durchschnitt anderer Pferderassen, die meistens zwischen 25 und 30 Jahren erreichen. Wenn man wissen will, wie alt werden Islandpferde, ist die kurze Antwort: lang. Sehr lang.
Was diese Lebensspanne ausmacht, ist eine Mischung aus Genetik und Lebensweise. Die Rasse stammt von den Wikingerpferden ab und ist seit über tausend Jahren auf Island isoliert gezüchtet worden. Importe sind verboten, ein einmal exportiertes Pferd darf nicht zurück. Daraus ist eine genetisch sehr stabile Rasse entstanden, die wenig Erbkrankheiten mit sich schleppt.
Späte Reife, langes Leben
Bernhard Podlech weist auf einen Punkt hin, der oft übersehen wird. Islandpferde werden spät eingeritten. „Die Islandpferde werden erst mit vier Jahren eingeritten“, sagt er. Bei vielen anderen Rassen sitzt der Reiter schon mit drei Jahren oben, manchmal früher. Das verkürzt die Karriere und die Gesundheit. Die spätere Belastung gibt dem Islandpferd Zeit, Knochen, Sehnen und Muskeln auszubilden.
Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein dürfen die Jungtiere bis dahin in der Herde aufwachsen. „Das Jungpferd, das immer wieder quasi ein bisschen gearbeitet wird und dann aber auch wieder einfach im Herdenverband frei leben darf auf den großen Koppeln hier“, beschreibt Bernhard. Was als Geduld klingt, ist Investition in die Lebenszeit.
Robustheit als Erbschaft
Das Islandpferd kommt aus einer harten Landschaft. Bernhard Podlech beschreibt es so: „Das Islampferd ist einfach aus der Zucht und aus der Geschichte heraus ein sehr starkes und robustes Pferd, weil es in Island das einzige Lastentier war oder die einzige Reisemöglichkeit war.“ Bis 1950 war es üblich, mit dem Pferd in Island zu reisen, weil es kaum Straßen oder Autos gab. Die Tiere mussten viel können, lange durchhalten, mit wenig auskommen.
Das hat eine Veranlagung geschaffen, die heute noch da ist. „Es hat relativ viel Winterfell und kann dadurch auch problemlos bei ganz eisigen und kalten Temperaturen draußen sein.“ Wer die Frage stellt, wie alt werden Islandpferde, sollte diese Robustheit mitdenken. Sie ist Teil der Antwort.
Was die Lebenserwartung beeinflusst
Auch das robusteste Islandpferd lebt länger oder kürzer, je nachdem wie es gehalten wird. Die wichtigsten Faktoren sind:
- Bewegung in der Herde. Stalldauerhaltung verkürzt das Leben. Islandpferde brauchen Auslauf und soziale Kontakte. Auf dem Hof Hohenstein stehen die Tiere auf großen Koppeln und in der Herde.
- Angepasste Fütterung. Islandpferde sind Stoffwechseltypen, die für karge Bedingungen gemacht sind. Zu energiereiches Futter macht sie krank. Bernhard: Sie kommen mit weniger aus, als die meisten denken.
- Hufpflege. Der Huf trägt das Tier ein Leben lang.
- Späte und gut aufgebaute Reitausbildung. Wer mit drei Jahren Druck macht, raubt dem Pferd Zeit am anderen Ende.
- Regelmäßige Tierarztbesuche. Vorbeugen statt reparieren.
Bis wann kann man ein Islandpferd reiten
Hier liegt einer der Vorteile dieser Rasse. Ein gesundes Islandpferd wird oft bis Mitte oder Ende Zwanzig geritten, manche sogar darüber hinaus. Vorausgesetzt, das Tier ist im Aufbau geschont und im Alltag in Bewegung gehalten worden. Auch ein 25-jähriges Islandpferd kann noch im Tölt unterwegs sein, ohne dass es das Tier überfordert.
Was Senioren-Pflege braucht
Im hohen Alter steigt der Pflegeaufwand. Die Zähne nutzen sich ab, das Futter muss eventuell weicher angeboten werden, oft als eingeweichtes Heucobs oder Senioren-Mischung. Das Fell wird länger, Mauke und Hautprobleme häufen sich, der Stoffwechsel wird empfindlicher. Auf dem Hof Hohenstein wechseln die alten Pferde im Winter zwischen Offenstall und Weide, je nach Wetter. Wichtig bleibt der Sozialkontakt. Auch ein 30-jähriger Wallach gehört in die Herde, nicht in den Einzelpaddock.
Wer fragt, wie alt werden Islandpferde im aktiven Leben, sollte verstehen, dass Bewegung das Geheimnis ist. Tiere, die täglich auf der Weide unterwegs sind, in der Herde sozial leben und gelegentlich noch geritten werden, bleiben länger fit als Boxenpferde. Bernhard Podlech sieht das täglich. „Diese ganze Arbeit von Anfang an bis zu einem Reitpferd, sodass man das Jungpferd, das immer wieder quasi ein bisschen gearbeitet wird und dann aber auch wieder einfach im Herdenverband frei leben darf auf den großen Koppeln hier.“
Drei Generationen Familie Podlech
Auf dem Hof Hohenstein blicken Bernhard und Rebecca Podlech auf eine Familie zurück, die seit den Fünfzigern mit Islandpferden zu tun hat. „Die ersten Immenhoffilme waren mit Isländern, und von denen gab es welche, die bei meinem Großvater zu Hause standen“, erzählt Bernhard. Sein Vater hat den Wiesenhof bei Karlsruhe dreißig Jahre lang als eines der größten Islandpferde-Gestüte Deutschlands geführt. Was in dieser Familie an Erfahrung mit Lebenszeiten der Tiere zusammengekommen ist, lässt sich kaum überschätzen.
Wie alt werden Islandpferde, kurz zusammengefasst
Die Standardantwort liegt zwischen 30 und 35 Jahren. Manche Tiere werden über 40. Möglich macht das eine Mischung aus genetischer Robustheit, später Reitanfangs-Reife, viel Bewegung in der Herde, einfachem Futter und konsequenter Pflege. Wer sich vor dem Kauf eines Islandpferds fragt, wie alt werden Islandpferde, kann mit Recht von einer langen Beziehung ausgehen.
Bernhard Podlech ist Pferdewirtschaftsmeister auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein und züchtet Islandpferde in dritter Generation. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.


