Hubert Stehle
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„Man sieht nur, was man weiß.“ – Hubert Stehle
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„Die Köhlerei war ein Spiel mit der Luft.“ – Hubert Stehle
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„Nicht bloß auf die Uhr gucken, wie lange es jetzt braucht – das ist nicht mein Ansinnen.“ – Hubert Stehle
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„Ich bin ein Eingeborener aus dieser Gegend und die Gegend ist so toll, dass ich versuche, den Leuten meine Begeisterung zu übertragen.“ – Hubert Stehle
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„Wenn der Tag erwacht und die Vögel anfangen zu konzertieren… das ist eine Freude aus ganz einfachen Mitteln heraus.“ – Hubert Stehle
Hubert Stehle: Der Hüter der Köhlertradition und des Donautals
Wer das Obere Donautal und die Schwäbische Alb wirklich verstehen will, muss den Blick für die Details schärfen. Einer, der dies meisterhaft beherrscht und seine Begeisterung seit Jahrzehnten an andere weitergibt, ist Hubert Stehle. Als ehemaliger Förster, leidenschaftlicher Jäger und aktives Mitglied im Schwäbischen Albverein ist er weit mehr als ein Kenner der Region – er ist ein Bewahrer ihrer Geschichte.
Ein Leben für den Wald und die Natur
Hubert Stehle, 71 Jahre alt und seit fünf Jahren im wohlverdienten Ruhestand, blickt auf ein erfülltes Berufsleben als Förster zurück. Doch wer glaubt, dass er als Rentner die Zügel aus der Hand legt, irrt. Sein Herz schlägt nach wie vor im Takt der Natur. Ob bei der Pflege von Biotopen, der Kontrolle von über 60 Nistkästen oder der Instandhaltung von Wanderwegen – Stehle ist ein „Eingeborener“, wie er sich selbst nennt, dessen Mission es ist, die Augen der Menschen für die Schönheit ihrer Heimat zu öffnen.
„Man sieht nur, was man weiß.“ – Dieses Motto prägt Hubert Stehles Wanderungen und sein Engagement.
Die vergessene Kunst der Köhlerei
Ein besonderes Steckenpferd von Hubert Stehle ist die Köhlerei. Was heute oft nur noch in Ortsnamen wie Kohlplatte oder Kohlerhalde fortlebt, war bis ins späte 19. Jahrhundert ein lebenswichtiger Pfeiler der Forstwirtschaft im Donautal.
Warum war die Köhlerei so wichtig?
Früher war es technisch kaum möglich, die riesigen Holzmengen aus den unzugänglichen Seitentälern der Donau abzutransportieren. Die Lösung war die Verkohlung direkt vor Ort:
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Gewichtsreduktion: Holzkohle besitzt nur noch etwa 10 bis 12 % des ursprünglichen Holzgewichts.
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Energieträger: Die Kohle wurde dringend für Schmieden und Hüttenwerke (wie im Ludwigtal) benötigt, um Eisen zum Glühen zu bringen.
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Das Handwerk: Die Köhlerei war ein „Spiel mit der Luft“. Ein Meiler musste über acht bis zehn Tage hinweg Tag und Nacht bewacht werden. Zu viel Luft ließ das Holz zu Asche verbrennen, zu wenig verhinderte den Prozess.
Den Spuren auf der Spur: Die Kohlplätze heute
Hubert Stehle weiß genau, wo die Geschichte noch heute greifbar ist. Während die sogenannten Kohlplätze in der Ebene kaum noch sichtbar sind, erkennt der Fachmann sie am Hang sofort an ihren atypischen, künstlich geebneten Flächen.
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Naturkunde zum Anfassen: Bei seinen Wanderungen hat Stehle oft eine kleine Hacke dabei. Ein kurzes Schürfen im Boden bringt oft nach über 100 Jahren noch tiefschwarze Erde und Holzkohlestücke zum Vorschein – ein faszinierendes Erlebnis, besonders für Kinder.
Aktiv im Schwäbischen Albverein: Heimatpflege und Naturschutz
Als langjähriger Vorsitzender der Ortsgruppe Haus im Tal des Schwäbischen Albvereins setzt sich Hubert Stehle unermüdlich für die Region ein. Für ihn ist Wandern kein Sport gegen die Uhr, sondern ein Eintauchen in die Umwelt.
Seine Aufgaben und Projekte:
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Wanderführungen: Von Köhlerwanderungen über Vogelstimmen-Exkursionen im Morgengrauen bis hin zu Orchideen-Wanderungen im Mai.
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Naturschutz: Pflege von Lehrpfaden (Baum- und Rosenlehrpfade) und aktives Monitoring der heimischen Fauna, wie etwa die Teilnahme an UHU-Verhöraktionen.
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Infrastruktur: Betreuung des weitläufigen Wegenetzes, das der Albverein bereits vor 150 Jahren begründet hat.
Geheimtipps für das Donautal
Wenn man Hubert Stehle nach den schönsten Ecken fragt, leuchten seine Augen. Besonders die Etappe von Mühlheim über Fridingen nach Beuron hat es ihm angetan. In diesem Abschnitt ist die Donau völlig „jungfräulich“ – keine Straße, keine Eisenbahn stört die Stille.
Huberts Empfehlungen für Genießer:
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Perspektivwechsel: Laufen Sie eine Strecke einmal talaufwärts und einmal talabwärts – Sie werden staunen, wie unterschiedlich die Landschaft wirkt.
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Frühaufsteher-Bonus: Als Jäger weiß er: Morgens um vier Uhr, wenn die Vögel ihr Konzert beginnen und der Nebel über den Wald zieht, zeigt sich die Natur von ihrer magischsten Seite.
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Kultur & Ausblick: Ein Blick vom Schloss Bronnen oder der Burg Wildenstein hinab ins Tal ist ein Muss für jeden Besucher.
Fazit: Ein Botschafter der Alb
Hubert Stehle ist ein Mann der leisen Töne und der tiefen Einsichten. Er verkörpert die Verbindung von Tradition und moderner Naturpflege. Wer mit ihm wandert, lernt nicht nur etwas über Bäume und Kohle, sondern entwickelt einen neuen Respekt für die Arbeit der Generationen vor uns und die Zerbrechlichkeit unserer Ökosysteme.