Kerstin Brandt

Gast-Porträt: Kerstin Brandt – Die Alpaka-Botschafterin aus Lippertsweiler

Die Top 5 Zitate von Kerstin Brandt

  1. „Wenn man ein Alpaka streichelt, fühlt sich das nicht an wie ein Schaf. Es ist einfach wie so eine Wolke, in die man hineinfährt.“ – Kerstin Brandt

  2. „Wer einmal in einem Alpaka-Bett geschlafen hat, der will da nichts anderes mehr.“ – Kerstin Brandt

  3. „Alpakas machen alles ganz gemütlich und das geht auf die Menschen über. Dem Alltagsstress kann man da gar nicht anders entfliehen.“ – Kerstin Brandt

  4. „Wenn am Abend zehn kleine Alpakas auf der Wiese ihre Runden flitzen – da brauchst du keinen Fernseher mehr. Da setzt man sich hin und genießt.“ – Kerstin Brandt

  5. „Wenn Alpaka-Socken nur 5 % Alpaka haben, dann ist das Synthetik. Das funktioniert nicht und kann echtes Alpaka nicht ersetzen.“ – Kerstin Brandt


Brandaly Alpakas: Wie aus einem Landtraum eine Lebensaufgabe wurde

Wer dem Alltagsstress entfliehen möchte, findet im idyllischen Lippertsweiler – einem beschaulichen Ort mit gerade einmal acht Häusern, gelegen zwischen Aulendorf und Bad Waldsee im schönen Oberschwaben – eine wahre Oase. Hier betreibt Kerstin Brandt gemeinsam mit ihrer Familie die Farm Brandaly Alpakas. Der Name ist ein cleveres Wortspiel ihres Mannes: Eine amerikanisch klingende Abwandlung des Familiennamens Brandt, passend zur internationalen Alpaka-Szene.

Die Geschichte der Farm begann vor rund elfeinhalb Jahren. Die Familie suchte ein Haus mit viel Platz in der Natur, damit die vier Kinder ungestört toben konnten. Kerstin Brandt, die zuvor viele Jahre in einer Tierarztpraxis gearbeitet hatte und Tiere über alles liebt, wusste schnell: Hier fehlt noch tierisches Leben. Als das Ehepaar das erste Mal inmitten einer riesigen Herde von 180 Alpakas stand, fiel die Entscheidung augenblicklich. Nur ein halbes Jahr später zogen die ersten Tiere in Lippertsweiler ein. Heute umfasst die Herde stolze 53 Tiere – Tendenz steigend.


Das Wunder der Zucht: Geduld, Genetik und das Highlight „Marshmallow“

Die Alpaka-Zucht erfordert vor allem eines: Geduld. Eine Alpaka-Stute trägt ihr Fohlen (Cria) ganze 11,5 Monate aus. Umso spannender ist es für die Familie, wenn jährlich zwischen 10 und 20 Babys auf der Farm das Licht der Welt erblicken.

Marshmallow: Vom Sorgenkind zum Hof-Star

Eine ganz besondere Geschichte schreibt der Junghengst Marshmallow. Im vergangenen Jahr wurde er viel zu klein geboren und von seiner Mutter verstoßen. Die Familie Brandt zögerte nicht: Marshmallow zog kurzerhand ins Wohnzimmer ein. Drei Monate lang wurde er alle zwei bis drei Stunden mit der Flasche aufgezogen – ein kräftezehrender Einsatz, der sich gelohnt hat. Heute ist er ein gesunder, zutraulicher Kuschel-Hengst, den alle Besucher sofort ins Herz schließen und dessen Wachstum sie bei regelmäßigen Besuchen staunend verfolgen.

Die Wissenschaft hinter der perfekten Faser

Während Kerstin Brandt das Tagesgeschäft und die Pflege leitet, hat ihr Ehemann in der Genetik sein Steckenpferd gefunden. Er tüftelt an der optimalen Paarung von Hengsten und Stuten, um dem Traum jedes Züchters nahezukommen: dem perfekten Alpaka.

  • Erfolgreiche Blutlinien: Die Farm besitzt hochkarätige Deckhengste, die teilweise als Color Champions in den USA unzählige Preise abgeräumt haben (wie Reload und Hudson). Auch eigene Nachzuchten wie der braune Maroon, der weiße Blizzard und der bildschöne, extrem verschmuste Neuzugang King sorgen für herausragende Nachkommen.

  • Show-Kriterien: Auf Zuchtshows (eingeteilt nach Geschlecht, Alter und Farbe) bewerten Richter die Qualität der Faser. Es geht um den Crimp (die Kräuselung), die Dichte, die Gleichmäßigkeit und vor allem die unglaubliche Weichheit.


Entschleunigung pur: Wanderungen und Erlebnisse auf dem Hof

Ein Besuch bei Brandaly Alpakas ist Therapie für die Seele. Da der Hof direkt an Wälder und Felder grenzt, beginnen die Erlebnisse unmittelbar in der Natur.

  • Alpaka-Wanderungen: Erwachsene und Kinder wandern für eine bis anderthalb Stunden mit den männlichen Tieren (den Wallachen und Hengsten). Alpakas sind keine Fluchttiere, die panisch vorausrennen. Sie laufen gemütlich, bleiben ständig zum Fressen stehen und beruhigen den Menschen mit ihrem leisen, rhythmischen Summen.

  • Kindergeburtstage: Ein Rundum-sorglos-Paket. Nach einem festlich gedeckten Tisch geht es mit den Tieren auf Tour. Zurück auf dem Hof wird gebastelt, gegrillt und – das absolute Highlight für die Kinder – die Stuten und ihre Fohlen werden besucht und gefüttert.

  • Hofbesuche: Ab Ostern öffnet die Farm sonntags ihre Weiden für Besucher, die einfach nur die Seele baumeln lassen wollen.


Das Gold der Anden: Qualität und Hofladen

Alpakas stammen ursprünglich aus den peruanischen Anden. Ihr wilder Vorfahr ist das Vikunja (Vicugna), dessen Faser zu den teuersten der Welt zählt. Weil Alpakas in ihrer Heimat tagsüber Hitze und nachts extreme Minusgrade aushalten müssen, ist ihre Faser ein thermoregulierendes Wunderwerk der Natur.

In der kalten Jahreszeit (Saison ist von Oktober bis Januar) brummt Kerstin Brandts Hofladen:

  • Allergikerfreundlich: Alpakawolle enthält nahezu kein Lanolin (Wollfett) und löst daher so gut wie nie Allergien aus.

  • Mikron-Qualität entscheidet: Ob eine Faser auf der Haut kratzt, hängt von ihrer Feinheit ab, gemessen in Mikron. Kerstin Brandt setzt auf „Baby-Alpaka“ (ca. 18–22 Mikron) für Schals und Mützen oder das noch feinere „Royal-Alpaka“ für Ski-Unterwäsche. Gröbere Fasern werden perfekt zu wärmenden Filzeinlagen für Schuhe verarbeitet.

  • Ehrliche Produkte: Kerstin Brandt warnt vor Industrie-Mogelpackungen: „Alpaka-Socken aus dem Kaufhaus mit 5 % Alpaka-Anteil funktionieren nicht.“ Ihre eigenen Socken bestehen zu 80 bis 85 % aus feinster Alpakawolle – gemischt mit etwas Synthetik, damit sie elastisch und waschbar bleiben.

Das absolute Highlight: Ein eigenes Alpaka-Bett

Der Bestseller der Farm ist das Alpaka-Bett. Die thermoregulierende Wolle sorgt dafür, dass man im Winter nicht friert und im Sommer nicht schwitzt. Das Besondere bei Brandaly Alpakas: Kunden können ihr Bett individuell fertigen lassen. Wer möchte, kann die geschorene Wolle seines Lieblingstieres – zum Beispiel von Marshmallow – einsenden lassen und bekommt exakt daraus seine persönliche, unvergleichliche Bettdecke genäht.


Fazit: Ein Oberschwäbischer Familienbetrieb

Brandaly Alpakas ist ein Ort, an dem alle an einem Strang ziehen. Auch wenn die vier Kinder im Pubertätsalter das Helfen beim Kindergeburtstag manchmal lästig finden – sie packen mit an, bessern ihr Taschengeld auf und sind ein unverzichtbarer Teil dieses Familienprojekts. Für Kerstin Brandt ist das Leben mit ihren 53 „Wölkchen“ pure Erfüllung. Ihr täglicher Lohn? Ein Feierabendbier auf der Weide, während die Alpaka-Babys in der Abendsonne um die Wette flitzen.