Eine Pferdeweide sieht aus wie eine Wiese, ist aber etwas anderes. Bernhard Podlech, der auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten 140 Islandpferde stehen hat, bewirtschaftet weitläufige Weiden auf einer Hochebene der Schwäbischen Alb. Was die Pferde Weide vom Acker unterscheidet und wie sie richtig angelegt und gepflegt wird.
Was eine Pferdeweide auszeichnet
Eine Pferdeweide ist eine extensiv bewirtschaftete Grünfläche, auf der Pferde regelmäßig grasen. Sie unterscheidet sich von einer Mähwiese, weil die Tiere selektiv fressen und mit ihren Hufen den Boden belasten. Sie unterscheidet sich von einem Acker, weil sie über Jahre und Jahrzehnte stehen bleibt.
Der ideale Aufwuchs einer Pferdeweide ist nicht das fette, mit Klee durchsetzte Gras einer Milchkuh-Weide. Pferde brauchen kargere Mischungen mit verschiedenen Gräsern, Kräutern, ohne zu viel Eiweiß und Fruktan. Was für Kühe gut ist, kann für Pferde zu viel sein, vor allem für robuste Rassen.
Bernhard Podlech beschreibt die Standortvorteile von Hohenstein: „Wir liegen hier auf der Schwäbischen Alb auf einer sehr schönen Hochebene.“ Die Hochlagen bieten karge, vielseitige Weiden, die zu Islandpferden passen.
Größe
Die Faustregel: Pro Pferd sollte mindestens 0,5 Hektar Weide zur Verfügung stehen, besser 1 Hektar. Bei kleineren Flächen wird die Weide schnell überweidet, der Bewuchs leidet, der Wurmdruck steigt, der Boden zertritt sich.
Auf dem Hof Hohenstein sind die Weiden entsprechend großzügig dimensioniert. 140 Islandpferde brauchen ausreichend Platz, auch wenn die robuste Rasse mit weniger auskommt als manche Sportpferde.
Bewuchs
Eine gute Pferdeweide ist artenreich. Verschiedene Gräser wie Wiesenschwingel, Knaulgras, Rotschwingel, gemischt mit Kräutern wie Schafgarbe, Spitzwegerich, Löwenzahn, gemischt mit Leguminosen wie Weißklee, allerdings nur in geringer Menge.
Was nicht hingehört, sind Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose, Eibe, Goldregen, Robinie. Diese müssen aktiv ausgegraben werden, weil Pferde sie auf der Weide oft meiden, im Heu aber unbemerkt mitfressen.
Auch zu viel Eiweiß durch Klee oder gedüngtes, junges Gras ist ungesund. Es führt zu Hufrehe, Koliken, Stoffwechselstörungen. Mehr unter Pferde Anweiden.
Einzäunung
Pferde brauchen einen sicheren Zaun. Holz, Elektrolitze, Holzpfähle mit Bandzaun, alles möglich. Wichtig ist die Höhe von mindestens 1,30 Meter, besser 1,50 Meter. Die Litze sollte sichtbar sein, damit das Pferd nicht hineinläuft.
Stacheldraht ist ungeeignet und auf Pferdeweiden in Deutschland weitgehend nicht zulässig. Pferde, die in Stacheldraht geraten, ziehen sich schwere Verletzungen zu.
Wasser
Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein. Eine Tränke auf der Weide, idealerweise frostsicher, mit ausreichender Durchflussmenge. Pferde trinken zwischen 30 und 60 Litern pro Tag, bei Hitze deutlich mehr.
Witterungsschutz
Auch auf der Weide brauchen Pferde Schutz vor Schlagregen, Wind und Sonne. Bäume, Hecken, Unterstände. Auf der Schwäbischen Alb sind die Hochlagen oft windig, deshalb ist Schutz besonders wichtig.
Bewirtschaftung
Eine Pferdeweide muss bewirtschaftet werden, sonst verliert sie an Qualität. Die wichtigsten Maßnahmen:
Geile Stellen mähen. Pferde fressen ungleichmäßig. Wo sie häufig mit den Beinen stehen oder Pferdeäpfel hinterlassen, fressen sie nicht. Diese geilen Stellen werden mit der Zeit zu Bewuchsinseln. Wer regelmäßig nachmäht, bekommt einen ebeneren Aufwuchs.
Pferdeäpfel absammeln. Reduziert Wurmbefall. In der Praxis wird auf großen Weiden oft das ganze Jahr abgesammelt, mehrmals pro Woche.
Wechselweide. Die Weide wird in Koppeln aufgeteilt, die nacheinander beweidet werden. So kann das Gras nachwachsen, der Wurmbefall sinkt. Klassisch sind 4 bis 5 Koppeln im Wechsel.
Nachsaat. Im Frühjahr werden offene Stellen nachgesät, mit pferdegerechten Mischungen ohne zu viel Klee.
Schleppen. Im Frühjahr wird die Weide mit einer Egge oder Wiesenschleppe geglättet, um Maulwurfshügel und alte Pferdeäpfel zu verteilen.
Saison
Auf dem Hof Hohenstein sind die Pferde im Sommer auf den Weiden, im Winter wechseln sie zwischen Weide und Offenstall. Bernhard Podlech: „Jetzt gehen sie dann Anfang Mai auf die Weide raus und wahrscheinlich Mitte Oktober wieder rein in den Stall.“
Im Winter ist die Weide nicht abgeschrieben. An schönen Tagen kommen die Pferde raus, suchen sich Resthalme, bewegen sich. Aber die Hauptzeit der Weide ist Mai bis Oktober.
Pferde Weide, kurz zusammengefasst
Mindestens 0,5 Hektar pro Pferd, artenreicher Bewuchs ohne zu viel Klee, sicherer Zaun, Wasser jederzeit, Witterungsschutz, regelmäßige Pflege durch Mähen, Absammeln, Wechselweide. Wer die Pferde Weide richtig anlegt und bewirtschaftet, hat eine Lösung, die Pferde glücklich und gesund hält.
Mehr im Pillar Pferde Stall und unter Pferdehaltung sowie Pferde im Winter auf die Weide.
Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
