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Pferde Fohlen – Geburt, Aufzucht und das erste Lebensjahr

Im Mai gehen die ersten Stuten auf die Weide. Im Mai kommen auch die ersten Fohlen. Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten hat Bernhard Podlech jedes Jahr neue. 140 Islandpferde, etliche Stuten, regelmäßig Nachwuchs. Was ein Fohlen in den ersten Wochen, Monaten und im ersten Lebensjahr durchläuft.

Wann Fohlen kommen

Pferde Fohlen werden in der Regel im Frühjahr geboren. Auf dem Hof Hohenstein beginnt die Fohlensaison Mitte Mai. Bernhard Podlech: „Aktuell sind wir auch sehr gespannt, weil ab Mitte Mai die Fohlensaison startet, das heißt es kommen die ersten Fohlen auf die Welt jedes Jahr im Frühjahr.“ Diese Zeitwahl ist kein Zufall. In der Natur kommen Pferde Fohlen, wenn das Gras wächst, das Wetter mild ist und die Stute über frische Weide ausreichend Energie für die Milchproduktion hat.

Die Trächtigkeit der Stute dauert etwa elf Monate. Wer ein Fohlen im Mai will, muss die Stute im Juni des Vorjahres decken lassen.

Die Geburt

Pferde-Geburten passieren meistens nachts oder in den frühen Morgenstunden. Stuten haben eine erstaunliche Fähigkeit, den Geburtsvorgang zu beeinflussen, und wählen ruhige, sichere Zeiten. Eine normale Geburt dauert zwischen 15 Minuten und einer Stunde, vom Beginn der starken Wehen bis zur Geburt des Fohlens.

Auf dem Hof Hohenstein finden viele Geburten direkt auf der Weide statt. Die Stuten suchen sich dabei einen ruhigen Platz, oft am Rand der Herde. Komplikationen sind bei robusten Rassen wie dem Islandpferd selten, kommen aber vor. Bei Anzeichen für Schwergeburt wird der Tierarzt gerufen.

Die ersten Stunden

Ein Pferdefohlen kommt mit einem klaren Plan auf die Welt. Es soll innerhalb der ersten 30 Minuten aufstehen, innerhalb der ersten zwei Stunden saufen, innerhalb der ersten Tage der Mutter folgen können. Diese Schnelligkeit ist eine Anpassung aus der Wildnis. Ein Fohlen, das nicht stehen kann, ist Beute.

Wichtig in den ersten Stunden ist die Aufnahme des Kolostrums, der Erstmilch. Sie enthält Antikörper, die das Fohlen vor Krankheiten schützen. Wer ein Fohlen sieht, das nicht selbst trinken kann, sollte sofort den Tierarzt rufen.

Mutter und Fohlen

In den ersten Wochen weicht das Fohlen kaum von der Seite seiner Mutter. Es lernt, was Pferde ausmacht. Wo es sicher ist, wo Gefahr droht, was sich essen lässt, wie Herde funktioniert. Andere Stuten und Wallache in der Herde tolerieren das Fohlen, kümmern sich aber nicht aktiv. Die Stute ist die einzige relevante Bezugsperson.

Bernhard Podlech beschreibt das Wesen der Pferde so: „Pferde sind einfach sehr sensible Tiere, die auch den Menschen eigentlich schnell spiegeln.“ Diese Sensibilität ist beim Fohlen besonders ausgeprägt. Es lernt schnell, wem es trauen kann und wem nicht.

Der erste Mensch-Kontakt

Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein beginnt der vorsichtige Mensch-Kontakt früh. Nicht aufdringlich, aber konsistent. Die Mitarbeiter gehen ruhig durch die Herde, lassen sich von den Fohlen anschauen, üben kein Gewicht aus. Über Wochen entwickelt sich Vertrauen.

Wichtig ist, dass das Fohlen den Menschen als Teil seiner Welt akzeptiert, ohne dass es die Mutter ersetzt. Hand- oder Mutterlosigkeit beim Pferd führt zu Verhaltensauffälligkeiten, die sich später nicht mehr ausgleichen lassen.

Tölt schon im Fohlenalter

Beim Islandpferd ist eine Besonderheit zu beobachten. Fohlen mit guter Töltveranlagung tölten schon frei auf der Weide. Sie laufen den anderen Pferden hinterher und zeigen die Vierschlag-Gangart, die später ihre wichtigste Gangart sein wird. Mehr unter Tölt und Isländer Fohlen.

Das erste Lebensjahr

In den ersten sechs Monaten lebt das Fohlen vor allem von Muttermilch und beginnt parallel, Gras zu fressen. Bei vier bis sechs Monaten setzt das natürliche Absetzen ein. Auf vielen Höfen wird gezielt abgesetzt, um die Stute zu entlasten. Auf dem Hof Hohenstein passiert das in der Herde, oft ohne abrupte Trennung.

Bernhard Podlech beschreibt die Aufzucht: „Diese ganze Arbeit von Anfang an bis zu einem Reitpferd, sodass man das Jungpferd, das immer wieder quasi ein bisschen gearbeitet wird und dann aber auch wieder einfach im Herdenverband frei leben darf auf den großen Koppeln hier.“

Im ersten Lebensjahr legt das Fohlen die Grundlage für seine Statur, Knochen, Muskeln. Bewegung in der Herde, draußen auf der Weide, ist dafür entscheidend. Stallhaltung ohne ausreichend Auslauf führt zu Problemen mit Sehnen, Bändern und Gelenken, die sich später nicht mehr beheben lassen.

Verluste

Bei aller Sorgfalt gibt es Pferde, die nicht durchkommen. Bernhard Podlech ist offen darüber: „Wir haben schon Pferde verloren, leider, das ist immer wieder mal so. Manchmal frühzeitig oder altersbedingt.“ Wer Tiere hält, lebt mit dieser Wirklichkeit. Krankheiten, Unfälle, schwere Geburten. Nicht alles ist beeinflussbar.

Pferde Fohlen, kurz zusammengefasst

Geboren im Frühjahr, in den ersten Stunden auf den Beinen, in den ersten Wochen Schatten der Mutter, im ersten Jahr Aufbau der Grundlagen. Beim Islandpferd zeigt sich die Töltveranlagung schon im Fohlenalter. Wer Fohlen aufzieht, braucht Geduld, ein gutes Auge für die Tiere und Vertrauen in die Herde.

Mehr unter Isländer Fohlen und Pferdezucht.


Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.