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Reiten lernen – die ersten Schritte und ein gutes Pferd dazu

Reiten lernen klingt nach Hobby. Ist es aber nicht. Es ist eine sportliche und mentale Aufgabe, die Geduld braucht und ein gutes Pferd voraussetzt. Bernhard Podlech, der auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten 140 Islandpferde stehen hat und 2019 in Berlin Vize-Weltmeister im Tölt geworden ist, weiß, was Reiten ausmacht. Vom ersten Aufsitzen bis zum sicheren Ausritt.

Was Reiten ist

Reiten ist Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Der Reiter gibt Hilfen mit Schenkel, Gewicht, Zügel. Das Pferd reagiert. Wenn beide gut zusammenarbeiten, sieht es einfach aus. Tatsächlich ist es ein langer Lernprozess auf beiden Seiten.

Bernhard Podlech beschreibt das Ziel der Ausbildung: „Sodass die Kommunikation immer feiner wird und das Pferd auf die kleinsten Hilfen reagiert, das macht einfach unheimlich Freude.“ Diese Feinheit kommt nicht in einer Reitstunde, sondern in vielen.

Die ersten Schritte

Wer reiten lernen will, beginnt am besten mit einem Schnupperreitkurs oder einer Probestunde. Der erste Kontakt zum Pferd ist nicht beim Aufsitzen, sondern davor. Putzen, Satteln, das Tier an die Hand führen. Erst wenn beide ruhig sind, geht es aufs Pferd.

Im Sattel beginnt der Anfänger mit einer Longe, also einer langen Leine, an der das Pferd geführt wird. Der Reitlehrer steuert das Pferd, der Schüler konzentriert sich auf den Sitz. Hände lassen los, Beine ruhen, Becken folgt der Bewegung. Diese Phase ist undramatisch, aber wichtig. Wer den Sitz nicht hat, lernt das Reiten nie.

Wie lange das Reiten lernen dauert

Eine ehrliche Antwort: Reiten lernen ist ein Prozess, der nie aufhört. Wer mit zwölf Jahren anfängt und mit dreißig noch reitet, lernt jedes Jahr Neues. Aber Meilensteine gibt es.

Nach 6 bis 12 Stunden: Der Reiter sitzt sicher im Schritt, kann das Pferd lenken, steigt sicher auf und ab.

Nach 1 bis 2 Jahren: Schritt, Trab und Galopp werden beherrscht. Der Reiter kann einen einfachen Ausritt machen.

Nach 3 bis 5 Jahren: Der Reiter kommuniziert flüssig mit dem Pferd, sitzt in allen Gangarten gut, kann auch ein junges oder ungewohntes Pferd reiten.

Nach 10 Jahren oder mehr: Der Reiter ist erfahren, kann verschiedenste Pferde reiten, hat ein Auge für Bewegung und Gesundheit, kann anderen helfen.

Diese Zeiten gelten für regelmäßiges Reiten. Wer einmal pro Woche eine Stunde nimmt, braucht deutlich länger. Wer täglich reitet, geht schneller voran.

Warum Islandpferde gute Lehrer sind

Islandpferde haben Eigenschaften, die sie zu guten Lehrpferden machen.

Größe. Mit 1,35 bis 1,50 Meter Stockmaß sind sie kleiner als viele Sportpferde. Wer aufsteigt, ist nicht so weit oben. Wer fällt, fällt nicht so tief. Mehr unter Wie groß sind Islandpferde.

Charakter. Islandpferde sind oft ausgeglichen, robust, wenig schreckhaft. Bernhard Podlech: „Pferde sind einfach sehr sensible Tiere.“ Diese Sensibilität ist beim Islandpferd in Verbindung mit Ausgeglichenheit gepaart.

Tölt. Die zusätzliche Gangart ist bequem zu sitzen. Wer mit Trab Probleme hat, kommt im Tölt entspannter voran.

Robustheit. Islandpferde sind nicht so anfällig wie manche Hochleistungsrassen. Sie verkraften unsichere Reiter besser.

Auf dem Hof Hohenstein

Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein gibt es eine Reitschule. Schüler aller Altersstufen, vom Kind bis zum Erwachsenen, lernen hier reiten. Die Pferde kommen aus eigener Zucht oder werden zugekauft. Was sie alle haben, ist die Ausbildung im Haus, das Töltgefühl, die Ausgeglichenheit.

Die Reitschule ist eingebunden in den ganzen Hof. Wer reitet, sieht auch die Stuten mit den Fohlen, die Hengste in den Boxen, die Wasserbüffel auf den Weiden. Reiten lernen ist hier keine isolierte Übung, sondern Teil eines lebenden Bauernhofs.

Drei Tipps für Einsteiger

Den richtigen Reitlehrer finden. Nicht jeder Reitlehrer passt zu jedem Schüler. Wer ein langsames Lerntempo braucht, sollte das vorher klären. Wer schnell vorankommen will, ebenso.

Regelmäßig reiten. Einmal pro Woche ist Pflicht, zweimal besser. Wer monatelang nicht reitet, verliert das Gelernte schnell.

Geduldig bleiben. Reiten ist nicht in zehn Stunden zu lernen. Wer das akzeptiert, hat mehr Freude.

Reiten lernen, kurz zusammengefasst

Reiten lernen ist ein Prozess von Jahren, kein einmaliges Ereignis. Es geht um Sitz, Hilfen, Kommunikation mit dem Pferd, Selbstvertrauen, Körpergefühl. Islandpferde sind gute Lehrer, weil sie ausgeglichen, klein, robust und mit Tölt ausgestattet sind. Wer regelmäßig reitet und einen guten Lehrer hat, kommt weit. Bernhard Podlech: „Wenn man so ein Pferd hat und dann bei schönstem Wetter ausreiten gehen kann, dann gibt es eigentlich nichts Schöneres im Leben.“

Mehr unter Reiten lernen für Erwachsene und Islandpferde reiten.


Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.