Mit 35 zum ersten Mal in den Sattel? Mit 50 noch reiten lernen? Geht. Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten kommen viele Erwachsene, die als Kinder nie geritten sind oder nach langer Pause wieder einsteigen. Bernhard Podlech, 2019 Vize-Weltmeister im Tölt, kennt die typischen Sorgen und weiß, was hilft. Reiten lernen für Erwachsene, ohne Schönfärberei.
Es ist nicht zu spät
Die häufigste Sorge: Bin ich zu alt? Antwort: Nein. Mit 30, 40, 50, sogar 60 ist Reiten lernen möglich. Was sich ändert, ist die Geschwindigkeit. Erwachsene lernen im Sattel langsamer als Kinder, dafür mit mehr Verstand. Was Kinder spielerisch aufnehmen, müssen Erwachsene durchdenken. Beide kommen ans Ziel, nur auf unterschiedlichen Wegen.
Worauf Erwachsene achten sollten: Das eigene Körpergefühl, die persönliche Fitness, die mentalen Vorbehalte. Wer mit Höhenangst kommt, wer nicht so gelenkig ist wie früher, wer einen Bandscheibenvorfall hatte, sollte das vor dem ersten Reiten klären.
Warum Islandpferde gut für Erwachsene sind
Islandpferde haben Eigenschaften, die zu späten Einsteigern passen.
Geringere Höhe. Mit 1,35 bis 1,50 Meter Stockmaß ist die Falltiefe kleiner als bei Großpferden. Das nimmt vielen die Angst.
Tölt. Bernhard Podlech: „Dadurch ist der Tölt so bequem und kann vom ganz langsamen Tempo bis ins schnelle Tempo geritten werden.“ Wer Probleme mit Trab hat, sei es wegen Rücken, sei es wegen Koordination, kommt im Tölt besser zurecht. Tölt wird im Sitzen geritten, ohne Schwebephase, ohne Stoß. Das schont den Rücken.
Charakter. Islandpferde sind oft ausgeglichen, geduldig, weniger schreckhaft als manche Hochleistungspferde. Pferde sind sensible Tiere. „Pferde sind einfach sehr sensible Tiere, die auch den Menschen eigentlich schnell spiegeln“, sagt Bernhard Podlech. Diese Sensibilität ist auch ein Vorteil: Das Pferd merkt, wenn der Reiter unsicher ist, und reagiert oft mit besonderer Ruhe.
Praktische Größe. Aufsteigen ist einfacher, Reiterhilfen kommen klar an. Anfänger kommen schneller voran.
Wo es schwierig wird
Erwachsene haben einige Hürden, die Kinder nicht haben.
Vorsicht und Angst. Erwachsene wissen, was passieren kann. Das macht ehrlich, aber auch zögerlicher. Kinder sind unbeschwert, fallen vom Pferd und steigen wieder auf. Erwachsene überlegen.
Körperliche Beschwerden. Rücken, Knie, Hüfte. Wer das nicht in gutem Zustand hat, sollte Reitarten und Pferde sorgfältig wählen.
Eingerostete Bewegungsmuster. Erwachsene haben jahrzehntelang andere Bewegungen gemacht als die, die im Sattel verlangt werden. Das umzulernen, dauert.
Hoher Anspruch an sich selbst. Erwachsene wollen oft schnell Erfolge sehen, sind unzufrieden, wenn es nicht klappt. Kinder akzeptieren langsame Fortschritte besser.
Wie man am besten beginnt
Schnupperstunde nehmen. Vor dem Vertrag eine Probestunde, am besten an mehreren Höfen. Welcher Reitlehrer passt? Welches Pferd? Welche Atmosphäre?
Einzelunterricht statt Gruppe. Erwachsene profitieren mehr von Einzelunterricht, weil der Lehrer auf das individuelle Tempo eingehen kann.
Klare Ziele setzen. Wer einfach mal reiten will, hat ein anderes Ziel als jemand, der Wanderritte plant. Beides legitim, aber unterschiedlich angegangen.
Regelmäßigkeit. Ein bis zwei Stunden pro Woche. Wer monatelang aussetzt, fängt fast wieder von vorne an.
Geduld mitbringen. Reiten lernen für Erwachsene dauert. Wer das akzeptiert, hat mehr Freude.
Auf dem Hof Hohenstein
Im Islandpferdegestüt Hohenstein kommen viele Erwachsene zum Reiten. Manche fangen ganz neu an, andere haben Pferdeerfahrung aus Kindertagen und steigen wieder ein. Die Reitschule ist auf gemischte Gruppen eingestellt, mit individueller Betreuung.
Was die Reitschule ausmacht, ist nicht nur das Reiten selbst, sondern der Hof. Wer kommt, sieht die Pferde in der Herde, die Fohlen auf der Weide, die Wasserbüffel weiter hinten. Diese Atmosphäre macht das Reiten lernen zur Erfahrung, nicht zum reinen Sport.
Wenn das Reiten zur Leidenschaft wird
Manche Erwachsene fangen mit dem Vorsatz an, einmal eine Reitstunde zu probieren. Und kaufen am Ende ein eigenes Pferd. Bernhard Podlech kennt das Phänomen. „Wenn man so ein Pferd hat und dann bei schönstem Wetter ausreiten gehen kann, dann gibt es eigentlich nichts Schöneres im Leben.“ Wer einmal die Beziehung zu einem Pferd aufgebaut hat, lässt sie nicht mehr los.
Wer überlegt, ein eigenes Pferd zu kaufen, sollte das gut bedenken. Mehr unter Islandpferde kaufen.
Reiten lernen für Erwachsene, kurz zusammengefasst
Reiten lernen ist mit 30, 40 oder 50 noch möglich. Es dauert länger als bei Kindern, ist aber machbar. Islandpferde passen besonders gut, weil sie kleiner, ruhiger und mit der bequemen Gangart Tölt ausgestattet sind. Wer den richtigen Reitlehrer findet, regelmäßig übt und Geduld mitbringt, hat eine sinnvolle und befriedigende neue Aufgabe.
Mehr unter Reiten lernen und Islandpferde reiten.
Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.


