Wer ein Pferd kaufen will, fragt zuerst: Welche Pferderasse passt zu mir? Eine berechtigte Frage. Bernhard Podlech, der auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten 140 Islandpferde stehen hat, kennt die Antwort, die er für die meisten Einsteiger gibt. Ein ehrlicher Überblick zur Wahl der richtigen Pferderasse.
Was die richtige Pferderasse ausmacht
Welche Pferderasse passt zu mir, hängt von vielen Faktoren ab. Was kannst du? Was willst du? Was bringt deine Körpergröße mit? Wo wohnst du? Was kostet dich die Haltung? Welcher Charakter passt zu dir? Wer alle diese Fragen beantwortet, kommt zu einer engeren Auswahl.
Hier eine grobe Orientierung nach den wichtigsten Kategorien.
Nach Reiterfahrung
Anfänger. Robuste, ausgeglichene Rassen sind am besten. Islandpferd, Haflinger, Connemara, Norweger. Größe handlich, Charakter stabil, Bewegung angenehm.
Wiedereinsteiger. Wer früher schon geritten ist, kann zu einer Rasse gehen, die etwas mehr fordert. Quarter Horse, Trakehner, Hannoveraner.
Erfahrene Reiter. Hier ist die Auswahl groß. Vom Vollblut über Warmblüter bis zu Spezialrassen wie Friesen oder Lipizzanern.
Nach Disziplin
Westernreiten. Quarter Horse, Paint Horse, Appaloosa.
Englisch (Dressur, Springen). Warmblüter wie Hannoveraner, Holsteiner, Trakehner, Oldenburger.
Distanzreiten. Araber, Anglo-Araber.
Wanderreiten und Tölt. Islandpferd, Tennessee Walker.
Fahrsport. Friesen, Lipizzaner, Schwere Warmblüter.
Galopprennsport. Vollblut.
Pleasure Riding (entspanntes Reiten). Quarter Horse, Islandpferd, Haflinger, Norweger.
Nach Körpergröße
Bis 1,70 Meter Reiter. Kleinere Rassen passen gut. Islandpferd (1,35 bis 1,50 m), Haflinger (1,40 bis 1,50 m), Connemara (1,30 bis 1,50 m). Mehr unter Wie groß sind Islandpferde.
Bis 1,85 Meter Reiter. Mittlere Pferde sind ideal. Quarter Horse (1,45 bis 1,60 m), Trakehner (1,60 bis 1,75 m).
Über 1,85 Meter Reiter. Größere Pferde. Hannoveraner, Holsteiner, Warmblüter im Allgemeinen, Friesen.
Wichtig: Auch ein 1,80-Meter-Mensch kann ein Islandpferd reiten. Was zählt, ist nicht nur die Höhe, sondern das Verhältnis von Reitergewicht zu Pferdekraft. Robuste Rassen wie Islandpferde tragen mehr Gewicht als ihr Stockmaß vermuten lässt. Mehr unter Islandpferde Besonderheiten.
Nach Budget
Anschaffung. Islandpferd 5.000 bis 25.000 Euro, Haflinger 3.000 bis 15.000 Euro, Quarter Horse 3.000 bis 30.000 Euro, Warmblüter 5.000 bis 50.000 Euro oder mehr. Vollblüter, Top-Sportpferde und Spezialrassen können sechs- oder siebenstellig kosten.
Unterhalt. Pro Monat 400 bis 800 Euro für Stall, Futter, Hufschmied. Tierarzt, Zubehör, Versicherung kommen dazu. Sportpferde kosten oft mehr in der Pflege.
Mehr unter Wie viel kosten Islandpferde.
Nach Lebensstil
Berufstätig, eingeschränkt Zeit. Robuste Pferde, die mit Stallruhe besser klarkommen. Islandpferd, Haflinger, Quarter Horse.
Viel Zeit, viel Engagement. Anspruchsvollere Rassen. Hochleistungs-Sportpferde, junge Pferde, Hengste.
Familie mit Kindern. Größenanpassung wichtig. Islandpferd, Pony, Kleinpferd.
Einzelreiter mit großem Hof. Freier in der Wahl.
Eine Empfehlung von Bernhard Podlech
Wer mit der Frage kommt, welche Pferderasse passt zu mir, hört auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein meist einen klaren Vorschlag. Bernhard Podlech kennt die Vorteile der Rasse und beschreibt das Wesen so: „Pferde sind einfach sehr sensible Tiere, die auch den Menschen eigentlich schnell spiegeln.“ Beim Islandpferd ist diese Sensibilität in Verbindung mit Robustheit gepaart. Was bedeutet, das Pferd merkt, wer mit ihm umgeht, reagiert aber nicht hysterisch.
Für die meisten Einsteiger ist das Islandpferd eine gute Wahl. Klein genug, um nicht zu erschrecken. Bequem genug, um auch wackelige Sitzanfänger zu tragen. Klug genug, um zu lernen. Robust genug, um nicht ständig krank zu sein. „Wenn man so ein Pferd hat und dann bei schönstem Wetter ausreiten gehen kann, dann gibt es eigentlich nichts Schöneres im Leben.“ Bernhard ergänzt: „Der Sport mit dem Pferd ist ein Teamsport, das kann man so sagen. Es geht nicht nur um einen selber, sondern der Partner muss auch mit dabei sein und mitmachen.“ Welche Pferderasse passt zu mir, ist deshalb auch immer eine Charakterfrage.
Wenn das Pferd nicht passt
Manchmal stellt sich nach Wochen oder Monaten heraus, dass die Wahl nicht stimmt. Das ist nicht das Ende. Pferde lassen sich verkaufen. Aber so ein Schritt ist immer mit Verlust verbunden. Wer von Anfang an gut wählt, erspart sich viel.
Drei Hinweise:
– Probereiten unverzichtbar. Mehrere Stunden auf dem Pferd, in verschiedenen Situationen.
– Tierarzt-Untersuchung vor dem Kauf. Mängel werden so früh erkannt.
– Vom Verkäufer Hintergrund einholen. Wo war das Pferd, was hat es gemacht, warum wird es jetzt verkauft? Mehr unter Islandpferde kaufen.
Welche Pferderasse passt zu mir, kurz zusammengefasst
Es gibt nicht die eine richtige Pferderasse. Sie hängt ab von deiner Erfahrung, deiner Disziplin, deiner Größe, deinem Budget, deinem Lebensstil. Für die meisten Anfänger ist eine robuste, ausgeglichene Rasse wie das Islandpferd, der Haflinger oder der Connemara sinnvoll. Wer mehr fordern will, geht zu Warmblütern oder Sportpferden. Was zählt, ist das Probereiten und ein gutes Auge des Verkäufers oder des Reitlehrers, der berät.
Mehr unter Pferderassen und Islandpferde besonderheiten.
Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.


