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Schultüte basteln mit Linoldruck: eine Idee aus dem Kunstunterricht

Die Schultüte ist eine deutsche Tradition. Erstmals dokumentiert in Sachsen 1817, hat sie sich über zwei Jahrhunderte als Ritual gehalten. Der Erstklässler bekommt sie am ersten Schultag, gefüllt mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken. Sie ist Anker für eine Lebenswende.

Eine gekaufte Schultüte aus dem Bastel-Laden erfüllt diese Funktion technisch. Eine selbst gestaltete mit einem Motiv, das gemeinsam entwickelt wurde, erfüllt sie persönlicher. Eine Variante, die in vielen Schul-Kunsträumen praktiziert wird, ist der Linoldruck, das Motiv wird selbst geschnitten und gedruckt, dann auf die Schultüte aufgeklebt.

Wo der Linoldruck zur Schultüte passt

Pascal Kaiser unterrichtet Kunst an der Gemeinschaftsschule Schreienesch in Friedrichshafen. Er macht regelmäßig Linoldruck mit seinen Schülern: „Ich habe jetzt gerade zum Beispiel mit meinen Neuntklässlern mache ich Linoldruck. Ich mache mit meiner achten Klasse aktuell auch Linoldruck. Die haben verschiedene Motive und schneidet die und die werden anschließend gedruckt, auch mehrfarbiger Druck mit der sogenannten verlorenen Platte.“

Wir nehmen das zum Anlass seine beschriebene Technik auf die „Schultüte“ zu übertragen.

Linoldruck hat eine charakteristische Eigenschaft, die ihn von digitaler Gestaltung unterscheidet: Was weggeschnitten ist, kann nicht zurück. Diese Konsequenz-Erfahrung passt zu einer Geschenk-Idee, in der der gestaltete Druck dauerhaft bleibt.

Material

Für die Schultüte:

  • Schultüten-Rohling aus festem Karton (gibt es im Bastelladen, Standardgröße ca. 70 cm hoch)
  • Tonpapier in deiner Wunsch-Hauptfarbe
  • Krepppapier für den Verschluss
  • Klebstoff (Bastel-Kleber oder Heißkleber)
  • Schnur oder Schleifenband

Für den Linoldruck:

  • Linolplatte (ca. 15×20 cm, im Bastelladen oder Künstlerbedarf)
  • Linol-Schneideisen-Set für Einsteiger
  • Linol-Druckfarbe wasserbasiert
  • Linol-Walze (Gummirolle)
  • Glasplatte zum Auswalzen
  • Druckpapier (Tonpapier oder Künstler-Druckpapier)

Schritt für Schritt

Schritt 1: Motiv mit dem Kind entwerfen. Was mag das Kind besonders? Welches Tier, welche Form? Beim ersten Mal nicht zu komplex, ein klares Tier, ein Stern, ein Buchstabe, der Vorname.

Schritt 2: Motiv auf die Linolplatte übertragen. Das Druckergebnis ist seitenverkehrt. Wer Buchstaben oder Zahlen druckt, muss spiegelverkehrt zeichnen.

Schritt 3: Schneiden. Mit dem Linol-Schneideisen die Flächen wegschneiden, die hell bleiben sollen. Was stehen bleibt, nimmt die Druckfarbe an. Wichtig: immer von der Hand weg schneiden, nie zur Hand hin.

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Schritt 4: Auswalzen. Eine kleine Menge Druckfarbe auf die Glasplatte geben, mit der Walze gleichmäßig verteilen.

Schritt 5: Drucken. Die eingefärbte Linolplatte mit dem Motiv nach unten aufs Papier legen. Mit Hand oder Löffel-Rücken den Druck verstärken.

Schritt 6: Aufkleben. Das fertige Druck-Motiv ausschneiden und auf die Schultüte kleben.

Mehrfarbig mit der verlorenen Platte

Pascals Schul-Variante für mehrfarbigen Druck heißt „verlorene Platte“: „Mehrfarbiger Druck mit der sogenannten verlorenen Platte, dass man dann immer weitere Sachen wegschneidet.“

Die Idee: dieselbe Linolplatte für alle Farben verwenden, dazwischen weitere Bereiche wegschneiden. Erst die hellste Farbe drucken, dann mehr wegschneiden, dann die nächste, dunklere Farbe. Was weg ist, ist endgültig weg, daher der Name verlorene Platte. Die ausführliche Linoldruck-Anleitung mit Material und Technik-Tipps erklärt jeden Schritt im Detail.

Warum eine selbst gedruckte Schultüte besonders ist

Wer eine Schultüte basteln statt kaufen will, bekommt mehr als nur das Werkstück. Das Kind erlebt, wie aus einer Idee ein Motiv wird, wie aus dem Motiv ein Druck, wie aus dem Druck eine Tüte. Das passt zu einer Idee, die Pascal in einem Satz zusammenfasst.

„Macht was mit euren Händen und macht was zusammen.“

Eine Schultüte mit selbst gedrucktem Motiv hängt am Tag der Einschulung über der Schulter eines Kindes, das gerade begriffen hat: Ich kann etwas Eigenes machen. Wer mehr Hand-Arbeit mit Kindern machen will, findet im Artikel zur Werkbank für Kinder weitere Anregungen.

Pascals Interview hat uns dazu inspiriert diese Technik auf Schultüten zu übertragen.