Aufwachsen in den 90ern, ohne Handy und ohne KI. Pascal Kaiser, Lehrer in Friedrichshafen, über Langeweile und das Hands-on-Manifest.
„Ich bin ein Kind der 90er oder der 2000er und ich glaube ich habe das geliebt früher, dass es weder KI noch Handy gab und diese Langeweile, wahrscheinlich hat die Langeweile mich auch zu dem gemacht und zu dem wie ich jetzt bin, dass man Ideen findet und sich neue Dinge sucht mit denen man sich beschäftigen kann.“
So sagt Pascal Kaiser, Lehrer an einer Friedrichshafener Gemeinschaftsschule, Klassenlehrer einer 6. Klasse. Pascal beobachtet damit etwas an seiner Generation: dass Menschen, die ohne ständiges digitales Flackern aufgewachsen sind, eine Eigenschaft hatten, die heutigen Kindern oft fehlt, Langeweile als Triebfeder.
Pascals Position zur KI
Pascal ist kein Technik-Skeptiker. Er nutzt selbst ChatGPT für Code-Recherche bei seinen Arduino-Projekten: „Das ist natürlich eine unglaubliche Hilfe. Das heißt, ich kann mir Sachen anlesen und selbst wenn ich das dann wieder vergesse, ich habe innerhalb von kurzer Zeit kann ich dieses Wissen nicht abrufen, aber kann wieder darauf zurückgreifen.“
Sein grundsätzlicher Blick auf KI: „Aufhalten kann man die Entwicklung nicht, aber nutzbar machen.“
KI verändert für ihn die Kompetenz, die ein Mensch braucht, weg vom Faktenwissen, hin zur Fähigkeit, vorgefertigte Informationen einzuordnen.
Was die 90er-Kindheit prägte
Pascals Beschreibung seiner eigenen Kindheit ist konkret.
„Der Sommer fand einfach draußen statt. Ich hab mich einfach draußen getroffen.“
Das Treffen war analog. Eine Uhrzeit, ein Ort. Wer zu spät kam, fand die Gruppe nicht mehr. Diese Form von Verbindlichkeit ist heute selten geworden, weil das Handy die ständige Nach-Korrektur ermöglicht.
Pascal sagt weiter über die Langeweile: „Diese Langeweile, wahrscheinlich hat die Langeweile mich auch zu dem gemacht und zu dem wie ich jetzt bin.“
In Phasen ohne Bildschirm entstanden Ideen, wurden Hobbys gesucht, wurde gespielt. Diese Räume schließen sich, wenn jede freie Minute mit Bildschirm-Inhalten gefüllt wird.
Pascals Empfehlung an Eltern
Daraus leitet Pascal eine Empfehlung an Eltern ab, formuliert nicht als pädagogische Theorie, sondern als alltagspraktischer Satz.
„Macht was mit euren Händen und macht was zusammen. Ich glaube dieses Handy in der Hosentasche, das ist so oft schnell in der Hand und ist eigentlich eine Barriere und eine Mauer, gemeinsam Dinge zu machen.“
Und an anderer Stelle: „Ich glaube, es ist ganz, ganz arg wichtig für die heutige Zeit, dass man sich mit sich selbst und mit Familie oder mit Freunden in echt trifft und Dinge gemeinsam erlebt und gemeinsam macht.“
Was Pascal hier zweimal sagt, ist im Kern dasselbe. In echt treffen statt virtuell. Gemeinsam erleben statt parallel scrollen.
Auch für schlechtes Wetter
Pascal hat dieselbe Idee auch konkret für Familienzeit formuliert: „Ich glaube, rausgehen und zusammen was machen, und wenn schlecht Wetter ist, dann so einen Escape-Raum zu machen, das ist ein guter Tipp.“
Das gleiche Prinzip im Alltag: nicht das Tablet zur Beschäftigung in regnerischen Stunden, sondern eine gemeinsame Aktivität.
Wie Pascals Position einzuordnen ist
Pascal nennt KI eine „unglaubliche Hilfe“ und nutzt sie selbst. Seine Aussagen über die 90er sind also nicht Technik-Kritik, sondern eine Beobachtung über das, was die Langeweile in seiner Generation ermöglicht hat, die Eigeninitiative, sich Beschäftigung zu suchen. Sein Eltern-Rat fasst zusammen, was er daraus mitnimmt. Pascals praktische Antwort darauf, autodidaktisches Lernen, und seine pestalozzianische Schul-Praxis zeigen, wie das im Alltag aussehen kann.
