Pascal Kaiser, Lehrer für Kunst und Technik in Friedrichshafen, hat seine Drucktechnik-Kenntnisse an der Pädagogischen Hochschule Weingarten erworben. Im Studium hat er nicht nur eine Technik, sondern mehrere kennengelernt.
„Ich habe an der Kreissäge gearbeitet, Drechseln gelernt, verschiedene Drucktechniker kennengelernt, Fotografie und Siebdruck kennengelernt habe und das fand ich einfach total schön für mich.“
Wer mit Drucken anfangen will, steht vor einer Wahl: Linolschnitt, Holzschnitt, Kupferstich, Siebdruck, Risografie, Holzstich, Kaltnadelradierung. Jede Technik hat ihren Charakter. Diese Übersicht ordnet die wichtigsten Drucktechniken nach den drei großen Familien: Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck.
Hochdruck: Was stehen bleibt, wird gedruckt
Beim Hochdruck wird die Druckfarbe auf erhabene Flächen aufgetragen. Was wegfällt, bleibt weiß. Die einfachsten Hochdruck-Techniken funktionieren mit Material, das man im Alltag findet.
Stempeldruck und Kartoffeldruck. Die einfachste Form. Mit einer halbierten Kartoffel und einem Schneideisen wird ein Motiv gestochen. Funktioniert für Kinder ab vier Jahren. Nachteil: kein dauerhaftes Druckmittel.
Linolschnitt / Linoldruck. Eine Linolplatte wird mit speziellen Schneideisen bearbeitet. Linol ist weich genug für Anfänger. Eine Linolplatte hält Hunderte von Drucken. Die Linoldruck-Anleitung mit verlorener Platte zeigt die Technik im Detail.
Holzschnitt. Eine Holzplatte wird mit Stemmeisen und Schneideisen bearbeitet, entlang der Faser des Holzes. Daraus entstehen die charakteristischen kantigen Linien. Anspruchsvoller als Linolschnitt, weil die Faserung das Schneiden erschwert.
Holzstich. Die feinste Variante des Holzdrucks. Hier wird quer zur Faser gearbeitet (Hirnholz statt Längsholz). Möglich werden extrem feine Linien, Holzstich war im 19. Jahrhundert die Standard-Technik für Buchillustrationen.
Für Hochdruck-Anfänger ist Linoldruck der populärste Einstieg.
Tiefdruck: Was vertieft ist, wird gedruckt
Beim Tiefdruck halten die Vertiefungen die Druckfarbe, die erhabenen Flächen werden abgewischt. Beim Druck wird die Farbe aus den Vertiefungen aufs Papier übertragen.
Kaltnadelradierung. Mit einer scharfen Nadel werden Linien direkt in eine Metallplatte gekratzt. Die entstehenden Grate halten Farbe und erzeugen einen samtigen Strich. Begrenzte Auflage, weil die Grate sich abnutzen.
Kupferstich. Mit einem Grabstichel werden Linien in eine Kupferplatte gestochen. Die historisch wichtigste Tiefdruck-Technik, alle alten Buchstiche, Landkarten und wissenschaftlichen Illustrationen sind so entstanden.
Radierung. Die Kupferplatte wird mit Wachs überzogen, die Linien werden ins Wachs gekratzt, dann wird die Platte in Säure gelegt, die Säure ätzt nur dort, wo das Wachs entfernt wurde.
Tiefdruck ist insgesamt schwieriger als Hochdruck und braucht meist eine eigene Werkstatt mit Druckpresse.
Flachdruck: Druck ohne Höhenunterschied
Beim Flachdruck haben Druck- und Nicht-Druck-Bereiche dieselbe Höhe. Sie sind chemisch unterschiedlich.
Lithografie / Steindruck. Auf einen Kalksteinblock wird mit fetthaltiger Kreide gezeichnet. Wasser haftet auf dem nicht beschriebenen Stein, Druckfarbe haftet nur auf den fetthaltigen Linien. Anspruchsvoll, braucht eigene Druckpresse.
Offsetdruck. Die industrielle Variante des Lithografie-Prinzips, automatisiert. So werden heute Zeitungen, Bücher und Plakate gedruckt.
Sonderform: Siebdruck
Eine eigenständige Familie. Druckfarbe wird durch ein feines Sieb gedrückt, das in Bereichen blockiert ist. Die Farbe geht nur durch die offenen Bereiche aufs Papier oder den Stoff. Wird für T-Shirts, Plakate und Poster eingesetzt.
Pascal hat Siebdruck im Studium kennengelernt, neben Linol- und Holzschnitt eine der Drucktechniken, die er aus der Pädagogischen Hochschule Weingarten mitgenommen hat.
Sonderform: Risographie
Modernes Riso-Druckverfahren mit Siebdruck-ähnlichem Prinzip, aber automatisiert. Erzeugt charakteristische lebendige Farben mit leichtem Versatz. Lebendige Tradition in Indie-Verlagen und Künstler-Studios.
Welche Technik wofür
| Wunsch | Empfehlung |
|—|—|
| Schnell anfangen, wenig Material | Linoldruck |
| Mit Kindern arbeiten | Kartoffeldruck, dann Linoldruck |
| Detailreiche Schwarz-Weiß-Bilder | Kupferstich oder Kaltnadelradierung |
| Plakat, Postkarten in Serie | Siebdruck oder Linoldruck |
| T-Shirt-Druck | Siebdruck |
| Buch-Illustrationen | Linoldruck oder Risographie |
| Kunst-Original, Sammler-Auflage | Holzschnitt, Lithografie, Kupferstich |
Pascals Empfehlung für den Schul-Einstieg
Was Pascal in seinem Kunstunterricht macht, ist Linoldruck. Er kombiniert die Technik mit dem Verfahren der verlorenen Platte für mehrfarbigen Druck. Die Materialien sind günstig, die Werkzeuge zugänglich, die Erfolgserlebnisse kommen schnell.
Wer in Drucktechniken einsteigen will, beginnt am besten mit einer Technik und vertieft sie über mehrere Werkstücke. Vielseitigkeit kommt mit der Zeit. Pascal hat die Bandbreite im Studium kennengelernt, und sich dann auf das spezialisiert, was er in Schul- und Hobby-Kontext einsetzen kann. Wer die Linoldruck-Anleitung mit verlorener Platte ausprobieren will, findet dort die Schritt-für-Schritt-Erklärung. Eine konkrete Anwendung für Kinder zeigt der Artikel zum Schultüte basteln mit Linoldruck.