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pekuu Original · Reportage · Lesezeit 4 Min.

Yoga und Schlaf: was den Rhythmus wirklich trägt

Yoga und Schlaf: Dr. Ronald Steiner erklärt, warum feste Zeiten und morgendliche Bewegung den inneren Rhythmus stützen, besser als jeder Trick.

Bei schlechtem Schlaf beginnt die Suche fast immer mit dem einen Trick. Die richtige Abendübung, der perfekte Tee, das Ritual kurz vor dem Licht aus. Dr. Ronald Steiner, Arzt und Ashtanga-Lehrer aus Ulm, setzt an einer viel unspektakuläreren Stelle an. „Jeden Tag um dieselbe Zeit ins Bett zu gehen, jeden Tag um dieselbe Zeit aufzustehen, dass sich der Rhythmus einspielen kann“, sagt er. Beim Thema Yoga und Schlaf geht es für ihn zuerst um Regelmäßigkeit, nicht um eine Zauberpose vor dem Einschlafen.

Der Grund liegt im inneren Rhythmus des Körpers. Dieser Rhythmus steuert weit mehr als nur Müdigkeit. Er stimmt Hormone, Körpertemperatur und Wachheit über den Tag aufeinander ab. Läuft er gleichmäßig, fällt Einschlafen und Aufwachen leichter. Gerät er durcheinander, hilft auch die schönste Abendübung wenig.

Warum feste Zeiten mehr bringen als Rituale

Steiners Rat ist damit fast langweilig ehrlich. Der stärkste Hebel für guten Schlaf ist ein verlässlicher Tagesrhythmus. Und diesen Rhythmus stößt man nicht nur abends an, sondern vor allem morgens. Bewegung zur festen Zeit in der Früh wirkt wie ein Startsignal für den ganzen Tag, und eine Yoga-Praxis eignet sich dafür nach Steiner besonders gut. Wie das konkret aussieht, mit einer Übungsgruppe um halb sieben, liest du unter Morgen Yoga. Für das Thema Yoga und Schlaf heißt das: Der gute Schlaf beginnt oft schon beim Aufstehen.

Wie fein dieser Rhythmus getaktet ist, zeigt ein Detail, das Steiner erwähnt. Nachts fährt der Körper die Urinproduktion herunter, unter anderem über ein Hormon, damit man durchschlafen kann und nicht ständig zur Toilette muss. Der Körper ist also darauf eingerichtet, nachts wirklich zu ruhen. Ein gleichmäßiger Rhythmus arbeitet mit dieser Einrichtung, ein chaotischer gegen sie.

Was Yoga am Abend beitragen kann

Und die ruhige Übung vor dem Schlafengehen? Sie kann helfen, vom Tag herunterzukommen, den Kopf zu leeren und Anspannung abzulegen. Steiner ist hier nur mit dem Wort vorsichtig. Ruhiges, aufmerksames Bewegen am Abend ist sinnvoll. Reines Dehnen vor dem Fernseher würde er nicht Yoga nennen, wie er im Beitrag zum Abend Yoga erklärt. Für den Schlaf zählt weniger die einzelne Übung als der Rahmen: ruhig werden, Reize herunterfahren, zur gewohnten Zeit ins Bett.

Der ehrliche Rat

Yoga und Schlaf hängen also zusammen, aber anders, als viele hoffen. Nicht eine Wunderpose bringt den Schlaf, sondern ein Leben mit gleichmäßigem Takt, das eine morgendliche Praxis stützt. Wer darauf setzt statt auf den schnellen Trick, gibt seinem Körper das, was er zum Schlafen am meisten braucht: Verlässlichkeit. Bei anhaltenden Schlafproblemen gehört die Ursache allerdings ärztlich abgeklärt, denn dahinter kann mehr stecken als ein unruhiger Rhythmus.

Yoga und Schlaf im Alltag verbinden

Der Zusammenhang von Yoga und Schlaf läuft für Steiner weniger über die eine Abendübung als über den Rhythmus des ganzen Tages. Sein Ansatzpunkt sind feste Zeiten und eine regelmäßige Bewegung am Morgen, die dem inneren Takt hilft, sich einzuspielen. Wer jeden Tag ungefähr zur selben Zeit aufsteht und sich früh bewegt, unterstützt damit einen gleichmäßigen Tagesablauf, der sich am Abend oft in leichterem Müdewerden zeigt. Yoga und Schlaf sind so weniger eine Frage von Tricks als von Gewohnheit. Am Abend hilft eher ein ruhiges Herunterfahren als ein forderndes Programm. Eine stille, atemgeführte Einheit oder eine geführte Entspannung passt besser in die letzte Stunde des Tages als eine anstrengende Praxis. Ein Heilversprechen ist das nicht, und bei anhaltenden Schlafproblemen gehört die Ursache ärztlich abgeklärt. Als alltagstaugliche Grundlage aber ist der Weg über den Rhythmus schlüssig. Wer Yoga und Schlaf zusammenbringen will, beginnt deshalb am besten nicht am Abend, sondern am Morgen, mit einer festen Zeit und einer kleinen, verlässlichen Bewegung.

Häufige Fragen

Hilft Yoga beim Einschlafen?
Ruhige Bewegung am Abend kann beim Herunterkommen helfen. Wichtiger ist für Dr. Ronald Steiner aber ein gleichmäßiger Tagesrhythmus mit festen Zeiten. Effekte sind individuell verschieden.

Was ist der wichtigste Tipp für besseren Schlaf?
Nach Steiner: jeden Tag um dieselbe Zeit ins Bett und aufstehen, damit sich der innere Rhythmus einspielt. Morgendliche Bewegung zur festen Zeit unterstützt das zusätzlich.

Warum betont der Arzt den Morgen, wenn es um Schlaf geht?
Weil Bewegung in der Früh wie ein Startsignal für den Tagesrhythmus wirkt und dieser Rhythmus wiederum den Schlaf trägt. Der gute Schlaf beginnt oft beim Aufstehen.

Wann sollte ich bei Schlafproblemen zum Arzt?
Wenn Schlafstörungen länger anhalten, den Alltag belasten oder mit anderen Beschwerden einhergehen. Dahinter kann mehr stecken als ein unregelmäßiger Rhythmus.

Hinweis

Dieser Beitrag gibt die Sicht und Erfahrung von Dr. Ronald Steiner wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Anhaltende Schlafstörungen gehören ärztlich abgeklärt. Wie eine Yoga-Praxis im Einzelfall wirkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.


Zur Episode und weiteren Beiträgen mit Dr. Ronald Steiner im pekuu audiostories Podcast: Dr. Ronald Steiner.