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pekuu Original · Reportage · Lesezeit 4 Min.

Abend Yoga: warum ein Arzt hier skeptisch ist

Abend Yoga: Dr. Ronald Steiner erklärt, warum abendliches Stretching vor dem Fernseher für ihn kein Yoga ist und warum sein Fokus auf dem Morgen liegt.

Einen Satz hört Dr. Ronald Steiner immer wieder: „Ich mache Yoga immer abends, wenn ich die Tagesschau anschaue.“ Und immer wieder widerspricht er. „Das ist nicht Yoga, das ist Stretching.“ Wer nach Abend Yoga sucht, bekommt von diesem Arzt und Ashtanga-Lehrer aus Ulm also erst einmal Gegenwind. Nicht, weil er etwas gegen Dehnen am Abend hätte, sondern weil ihm ein Wort wichtig ist.

Steiner stört sich nicht am Stretchen vor dem Fernseher. „Ich habe nichts dagegen, dass man sich … stretcht“, sagt er, aber etwas dagegen habe er, „es dann Yoga zu nennen.“ Für ihn ist Yoga meditative Selbstwahrnehmung, präsentes Ankommen bei sich. Ein laufender Fernseher steht dem entgegen. Man dehnt dann einen Körper, während die Aufmerksamkeit woanders ist. Das ist ein gutes Stretching. Es ist nur eben kein Yoga.

Warum das Wort für Steiner zählt

Man könnte das für Wortklauberei halten, doch dahinter steckt Steiners ganzes Verständnis. Wenn Yoga zum reinen Dehnprogramm schrumpft, geht das Eigentliche verloren, das Sammeln, das Bei-sich-Sein. Deshalb wehrt er sich gegen die verbreitete Gleichung Yoga gleich Abendstretching, wie er sich auch gegen den Satz wehrt, man mache Yoga und zum Ausgleich Pilates. Die genaue Logik dieser Abgrenzung liest du im Unterschied zwischen Yoga und Pilates. Es geht ihm nicht darum, Menschen das Dehnen zu verbieten. Es geht darum, nicht jede Bewegung Yoga zu nennen.

Sein Fokus liegt woanders

Wer Steiner fragt, wann er selbst übt, bekommt eine klare Antwort, und sie zeigt nicht auf den Abend. Sein Herz hängt am Morgen. Der Körper hat einen inneren Rhythmus, und der lässt sich am besten anstoßen, indem man in der Früh zur festen Zeit übt. Auch das Intensitätslevel von Yoga passe ideal in den Morgen. Wie das bei ihm aussieht, mit einer Übungsgruppe um halb sieben, liest du unter Morgen Yoga. Der Abend ist für Steiner nicht die Hauptbühne des Übens.

Was am Abend trotzdem sinnvoll ist

Damit ist Abend Yoga nicht wertlos, es ist nur ehrlicher zu benennen. Wer abends zur Ruhe kommen will, kann sanfte, ruhige Bewegung nutzen, um vom Tag abzuschalten. Ohne Fernseher, mit etwas Aufmerksamkeit auf den Atem, wird daraus mehr als bloßes Dehnen. Und wer den inneren Rhythmus über den Schlaf unterstützen will, findet die Zusammenhänge unter Schlafen und Yoga.

Die ehrliche Bilanz nach Steiner lautet also: Abendliches Stretching ist in Ordnung, tut vielen gut und darf sein. Nur der Name Yoga verlangt etwas mehr, nämlich die Präsenz, die vor dem Fernseher schwer zu haben ist. Wer das weiß, macht abends nichts falsch. Er nennt es nur richtig.

Abend Yoga richtig verstehen

Beim Abend Yoga lohnt sich ein genauer Blick, denn genau hier sitzt ein verbreitetes Missverständnis. Wer sich vor dem Fernseher dehnt, macht nach Steiner eben kein Yoga, sondern Stretching. Der laufende Bildschirm steht dem entgegen, worum es im Yoga geht, dem präsenten Ankommen bei sich. Das heißt nicht, dass am Abend keine Praxis möglich wäre. Wer abends übt, hält die Einheit am besten ruhig und meditativ, mit dem Atem als Anker und ohne Ablenkung, statt sie nebenbei laufen zu lassen. Steiner selbst bevorzugt den Morgen, weil sich der Tagesrhythmus so besser einspielt. Für viele ist der Abend aber die einzige verlässliche Zeit, und das ist in Ordnung, solange die Praxis wirklich eine Praxis bleibt. Abend Yoga funktioniert dann, wenn man ihm die volle Aufmerksamkeit gibt und nicht erwartet, dass ein paar Dehnübungen vor dem Einschlafen schon Yoga seien. Der Unterschied klingt klein, macht aber genau den Kern aus, auf den es Steiner ankommt, den Unterschied zwischen bewusster Selbstwahrnehmung und beiläufigem Dehnen.

Häufige Fragen

Ist Abend Yoga sinnvoll?
Ruhige, bewusste Bewegung am Abend kann beim Abschalten helfen. Dr. Ronald Steiner betont aber, dass reines Dehnen vor dem Fernseher für ihn kein Yoga ist, weil die Präsenz fehlt. Sein Fokus liegt auf dem Morgen.

Warum sagt Steiner, Abend-Yoga sei oft nur Stretching?
Weil Yoga für ihn meditative Selbstwahrnehmung bedeutet und ein laufender Fernseher dem widerspricht. Gegen das Dehnen hat er nichts, nur dagegen, es Yoga zu nennen.

Ist es besser, morgens oder abends Yoga zu machen?
Steiner bevorzugt klar den Morgen, weil eine feste Übungszeit den inneren Rhythmus stützt. Der beste Zeitpunkt ist am Ende der, an dem du wirklich regelmäßig übst.

Kann Yoga am Abend beim Einschlafen helfen?
Ruhige Bewegung kann beim Herunterkommen helfen. Für den Schlaf ist nach Steiner vor allem ein gleichmäßiger Rhythmus wichtig. Effekte sind individuell verschieden.

Hinweis

Dieser Beitrag gibt die Sicht und Erfahrung von Dr. Ronald Steiner wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Vorerkrankungen klär den Übungsbeginn vorab mit einer Ärztin oder einem Arzt ab. Wie eine Yoga-Praxis im Einzelfall wirkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.


Zur Episode und weiteren Beiträgen mit Dr. Ronald Steiner im pekuu audiostories Podcast: Dr. Ronald Steiner.