Drei Obstbäume mussten weg. Ein Firmenbesitzer bei Ravensburg brauchte Platz für seine Lagerhalle. Also fragte er Mirko Siakkou-Flodin, ob er aus den Stämmen eine Skulptur im Garten machen könnte. Mirko ließ die Stümpfe stehen und setzte an jede Schnittfläche ein Gesicht aus Schrottmaterial. Van Gogh. Mona Lisa. Roboter. Seine Tochter. Verschiedene Epochen, verschiedene Materialien. So wurde aus einem Verlust eine Skulptur im Garten, die Kunstgeschichte erzählt.
Was eine Skulptur im Garten können kann
Eine Skulptur im Garten aus einem Katalog steht da. Eine von Mirko kann sich drehen, klingen oder brennen. In Horgenzell dreht sich sein Windspiel im Kreisverkehr mit dem Wind. Am Bodenseeradweg in Eriskirch hat er einen ganzen Spielplatz als begehbare Skulptur gestaltet. In Bettenreute steht ein Skulpturenweg, den das ganze Dorf mitgebaut hat.
Einmal hat er eine Skulptur in Stroh und Schilf eingepackt und von oben angezündet. Sie hat sich freigebrannt. Das war das Konzept. Eine Feuerskulptur, die ihren eigenen Moment hat und danach anders aussieht als vorher. Dazu Tänzer mit Fackeln. Klangperformance mit einem Klavier, das er nicht nur spielt, sondern auch mit Glasscheiben, Schraubenziehern und gezogenen Saiten bearbeitet. Schon mit 14 nannte er das seine Maschinensymphonie.
„Mit Metall kann man zaubern“, sagt er. Und meint: Eine Skulptur im Garten kann mehr als dekorieren.
Wie groß darf eine Skulptur im Garten sein?
Größer als man denkt. Mirkos Skulptur Panta Rhai in Ravensburg misst elf Meter. Die Alexa am Berliner Alexanderplatz neun Meter. Beides hat er alleine gebaut und transportiert. Das geht, weil er mit Rohren statt Vollmaterial arbeitet. „Von außen kann man nicht sehen, ist das Vollmaterial oder ein Rohr.“
Für eine Skulptur im Garten von zwei oder drei Metern Höhe braucht man deshalb kein Betonfundament für zehn Tonnen. Die Biegemaschine hat Mirko selbst gebaut. Rohre biegen, schmieden, platt machen, drehen. Dazu der Plasmaschneider, der aus einer Stahlplatte jede Form heraustrennt.
Material vom Schrottplatz, Kunst im Museum
80 Prozent Upcycling-Quote seit 1996. 100 Prozent Ökostrom seit 2000. Das steht nirgends als Werbung. Es ist einfach so. Mirkos Hauptquelle für eine Skulptur im Garten ist der Schrottplatz. Nicht aus Sparsamkeit, sondern aus Überzeugung. „Das ist keine Idee, die ich mir erarbeitet habe als Konzeption, sondern sie kommt aus mir heraus.“
Dass diese Arbeit internationales Niveau hat, zeigt die permanente Sammlung des Metal Museum in Memphis, USA, in der seine Werke vertreten sind. Zwei Bücher dokumentieren seine Arbeit: „Metalldesign International“ und „Pillars of Freedom“. Trotzdem geht er immer noch auf den Schrottplatz, wenn ein neuer Auftrag kommt. „Man findet Sachen, wo man sagt, daran hätte ich nicht gedacht und das ist sogar die Lösung.“
Sein aktuelles Projekt: Mühlsteine, die wie Siloballen aussehen. Oben ein Turm, von dem aus man Mühle spielt. Gegen einen echten Bauern. „Es darf noch nicht komplett fertig ausgedacht sein.“ Weil die besten Ideen erst kommen, wenn man schon angefangen hat.
Mehr über Mirko Siakkou-Flodin bei pekuu audiostories.
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