Vinyasa Yoga verständlich erklärt: fließende Praxis, Herkunft aus dem Ashtanga und was Arzt und Ashtanga-Lehrer Dr. Ronald Steiner das Original nennt.
„Für mich ist Ashtanga Yoga der klassische Original-Yoga, ich nenne es immer Old School, Original.“ Wenn Dr. Ronald Steiner das sagt, klingt eine klare Rangordnung mit. Der Arzt und Ashtanga-Lehrer aus Ulm hat seinen Stil in Indien gelernt, und für ihn ist das strenge, feste Ashtanga der Ursprung. Vinyasa Yoga ist der jüngere, freiere Verwandte davon. Wer den einen verstehen will, versteht ihn am besten über den anderen.
Das Wort Vinyasa beschreibt die Verbindung von Bewegung und Atem. Eine Einatmung, eine Bewegung. Eine Ausatmung, die nächste. In einer Vinyasa-Stunde werden die Haltungen nicht einzeln abgearbeitet, sondern zu einer durchgehenden Abfolge verbunden. Das ist der Kern, an dem alles andere hängt.
Woher der Fluss kommt
Dieses Prinzip, Bewegung an den Atem zu koppeln, stammt aus dem Ashtanga, das Steiner das Original nennt. Vinyasa hat sich daraus gelöst und die feste Reihenfolge aufgegeben. Was blieb, ist das Fließen. Was ging, ist die Strenge.
Warum dieses Fließen so trägt, erklärt Steiner mit einem schönen Bild aus seiner Ashtanga-Praxis. Eine feste, atemgeführte Abfolge wirke wie ein Musikstück. „Wenn wir ein Musikstück immer wieder spielen, dann können wir quasi gar nicht aufhören“, sagt er, „sondern wir werden weitergezogen durchs Musikstück.“ Genau dieser Sog entsteht auch beim fließenden Üben. Der Atem gibt den Takt, die Bewegung reitet darauf, und der Kopf hört auf zu rechnen.
Wie eine Vinyasa-Stunde abläuft
Anders als das strenge Ashtanga, das immer derselben Serie folgt, stellt die Lehrkraft eine Vinyasa-Stunde meist neu zusammen. Mal steht der Oberkörper im Mittelpunkt, mal die Hüfte, mal das Gleichgewicht. Deshalb fühlen sich zwei Vinyasa-Klassen selten gleich an. Diese Freiheit ist die Stärke des Stils und zugleich seine Fallgrube. Eine gute Anleitung baut eine Stunde mit rotem Faden. Eine schwache reiht Haltungen zu lauter Musik aneinander. Der Stil ist so gut wie die Person, die ihn führt.
Wer die feste Urform kennenlernen will, aus der dieses Fließen stammt, findet sie in der Ashtanga Serie 1. Wer den ruhigeren Einstieg sucht, ist im Hatha Yoga gut aufgehoben.
Für wen sich Vinyasa Yoga eignet
Vinyasa spricht Menschen an, die Bewegung mögen und den Kopf über den Fluss der Abfolge zur Ruhe bringen. Der Preis dieser Abwechslung ist der Verlust der Wiederholung, die im Ashtanga für Tiefe sorgt. Steiner schätzt am Original genau diese Wiederholung. Wer dagegen die Vielfalt liebt, findet hier einen Stil, der selten langweilig wird. Beides ist Yoga. Es sind zwei Temperamente.
Vinyasa Yoga für den Einstieg
Vinyasa Yoga lebt vom Fluss. Eine Haltung geht in die nächste über, jede Bewegung ist an den Atem gebunden, und aus dieser Kette entsteht ein Rhythmus, der trägt. Für Menschen, die sich gerne bewegen und mit langem Stillhalten wenig anfangen können, ist Vinyasa Yoga oft ein leichterer Zugang als eine streng feste Serie. Die Freiheit hat allerdings eine Kehrseite. Weil die Abfolge variabel ist, hängt viel an der Anleitung. Eine gute Lehrerin oder ein guter Lehrer sorgt dafür, dass das Tempo zum Können passt und die Übergänge sauber bleiben, statt dass man sich durch die Stunde hetzt. Steiner würde hier ergänzen, dass auch ein flüssiger Stil erst dann Yoga ist, wenn die Aufmerksamkeit wirklich im Körper bleibt und nicht nur der Ablauf abgespult wird. Einsteiger starten am besten mit einer ruhigen Stunde, in der die Grundhaltungen und ihre Übergänge in Ruhe erklärt werden. Wer die Basis kennt, kann das Tempo später erhöhen. Vinyasa Yoga belohnt Geduld mehr als Ehrgeiz, und der meditative Sog stellt sich genau dann ein, wenn man aufhört, ihn erzwingen zu wollen.
Häufige Fragen
Was ist Vinyasa Yoga?
Vinyasa Yoga ist ein fließender Stil, in dem Haltungen an den Atem gekoppelt und zu einer durchgehenden Abfolge verbunden werden. Es stammt aus dem Ashtanga, das Dr. Ronald Steiner als das Original bezeichnet, hat aber dessen feste Reihenfolge aufgegeben.
Was ist der Unterschied zwischen Vinyasa und Ashtanga Yoga?
Ashtanga folgt immer derselben festen Serie. Vinyasa stellt die Abfolge frei zusammen und wechselt von Stunde zu Stunde. Das Prinzip, Bewegung an den Atem zu koppeln, teilen beide.
Ist Vinyasa Yoga für Anfänger geeignet?
Es geht, hängt aber stark von der Anleitung ab. Ein ruhiger Einstieg gelingt oft leichter im Hatha Yoga, weil dort mehr Zeit pro Haltung bleibt.
Ist Vinyasa Yoga anstrengend?
Es kann fordernd sein, weil die Bewegung durchgehend läuft. Über die Wahl der Klasse lässt sich das Tempo von sanft bis kräftig steuern.
Hinweis
Dieser Beitrag gibt die Sicht und Erfahrung von Dr. Ronald Steiner wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden oder Vorerkrankungen klär den Übungsbeginn vorab mit einer Ärztin oder einem Arzt ab. Wie eine Yoga-Praxis im Einzelfall wirkt, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Zur Episode und weiteren Beiträgen mit Dr. Ronald Steiner im pekuu audiostories Podcast: Dr. Ronald Steiner.
