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Wie funktioniert ein Escape Room: hinter den Kulissen eines Machers

Ein Escape Room ist ein Spiel, bei dem eine Gruppe in einen physischen Raum geht und in begrenzter Zeit, meistens 60 Minuten, durch das Lösen von Rätseln entkommen muss. Die Räume sind thematisch gestaltet. Eine Gruppe von zwei bis sechs Personen geht hinein, ein Spielleiter beobachtet das Geschehen von außen.

Der erste moderne Escape Room entstand 2007 in Tokio. Die Idee verbreitete sich weltweit, heute gibt es zehntausende Escape Rooms in vielen Ländern. In Deutschland sind es einige hundert.

Pascal Kaiser ist Inhaber des Escape Rooms Escape in Time in Friedrichshafen-Ailingen. Er beschreibt, wie sein Raum aufgebaut ist: „Bei uns Escape in Time gibt es aktuell drei Räume. Der erste Raum ist ein Kegelraum und ist auch ganz besonders, weil die Räumlichkeiten sind in einer alten Kegelbahn. Das heißt, es sind ganz viele Dinge, die vorher in der Kegelbahn dort unten verwendet worden sind, also die Kegel und die Einrichtungen und die Pokale und die Dinge, die es dort gab, sind in diesem Raum drin mit verbaut.“

Wie ein Spiel abläuft

Die Spieler bekommen meistens kein vorbereitetes Werkzeug. Bei Escape in Time sind es ein Stück Kreide und ein Walkie-Talkie. Über das Walkie-Talkie können sie Hilfestellungen anfordern. Wenn die Zeit abläuft, ohne dass die Gruppe entkommt, verliert sie. Wenn sie entkommt, gewinnt sie.

Wie ein neuer Raum entsteht: Pascals Beispiel Bunker

Pascal arbeitet aktuell an einem vierten Raum, dem Bunker. Die Story: „Man ist auf einer Wanderung mit Freunden unterwegs am Wochenende und findet eine rostige alte Tür, durch die man eintritt und die Tür fällt hinter einem zu. Und man ist eben in einem alten Bunker, in dem man verschiedene Dinge findet und der Sauerstoff wird… daher sozusagen diese 60 Minuten, die man Zeit hat, um sich da aus diesem Bunker wieder zu befreien.“

Pascal hat sich seine Methode für die Rätsel-Entwicklung von einem Beitrag über Klaus Teuber, den Erfinder von „Die Siedler von Catan“, inspirieren lassen.

„Ich habe mal einen Beitrag gesehen über Klaus Teuber, der die Siedler des Spiels entwickelt hat und das fand ich total interessant zu sehen, wie jemand ein Spiel entwickelt oder Teile davon und die wird in Ordner und Schublade gepackt und dann guckt man die erstmal eine ganze Zeit lang nicht wieder an und holt sie dann erst wieder raus.“

Ideen werden gesammelt, abgelegt, später wieder geprüft. Material kommt oft vom Flohmarkt, eine alte Stadtkarte, ein Stahltelefon vom Bergwerk.

Mikrocontroller in Escape-Rätseln

Pascal hat sich 2018 autodidaktisch in Arduino-Programmierung eingearbeitet, weil seine Schul-Prüfungsordnung das Thema vorgab und sich parallel die Escape-Anfrage ergeben hatte. Mikrocontroller machen komplexere Rätsel möglich als nur Schlösser und Codes.

„Mit einem Prozessor und einem Programm kann man andere Spiele und Rätsel entwickeln.“

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Damit lassen sich LEDs schalten, Türen öffnen, Sound abspielen oder Sensoren auslesen, Rätsel werden interaktiver.

Was ein gutes Rätsel ausmacht

Pascal beschreibt, was er an einem Rätsel wichtig findet: „Gutes Rätsel verbindet verschiedene Dinge miteinander. Es ist ganz wichtig, wenn Leute zusammenarbeiten und sich austauschen, und austauschen müssen auch.“

Konkret heißt das, dass ein Rätsel mehrere Elemente kombinieren sollte. Pascal beschreibt ein Beispiel aus seinem Kegelraum: „Es gibt zum Beispiel ein Rätsel in unserem Kegelraum, wo auf der einen Seite vom Raum was passieren muss und jemand anderes auf der anderen Seite auch was machen muss. Man ist physikalisch getrennt voneinander, aber muss sich trotzdem helfen.“

Die Rolle der Spielleitung

Pascal hat eine klare Vorstellung von guter Spielleitung.

„Es ist unglaublich wichtig, dass die Spielleiter, die bei mir arbeiten, genau zuschauen, wo ist die Gruppe gerade, wo braucht die vielleicht eine Unterstützung oder bisschen Hilfe, damit man vielleicht an einer Stelle weiterkommt, oder nicht so viel unterstützt, weil man sieht, die Gruppe kann das sehr gut, die kommuniziert gut, die zeigt sich toll, was sie gefunden hat oder wie es weitergehen könnte.“

Spielleitung ist also ein aktives Lesen der Gruppendynamik. Mehr Hilfe wenn sie hängt, weniger wenn sie selbst weiterkommt.

Was Pascal als Erfolg misst

Was Pascal als gelungenen Escape-Besuch beschreibt, unterscheidet sich von der landläufigen „geschafft oder nicht geschafft“-Logik.

„Das schönste finde ich, wenn sie sich selber neu kennengelernt haben. Wenn eine Gruppe sich durch das Spiel von dem Raum selber neu kennenlernt und der Raum wie so eine Art Mittel zum Zweck war. Und die rauskommen und sagen, hey cool, wow, dass du das wusstest oder hey, da haben wir gut zusammengearbeitet.“

Der Raum als Mittel zum Zweck, der Zweck ist die Gruppen-Erfahrung, nicht das Entkommen. Wer einen Escape Room als Kindergeburtstag oder Betriebsausflug plant, findet dort die praktische Vorbereitung. Für eine private Variante zuhause: Mystery Box bauen oder ein Adventskalender mit Rätseln.