Wintervorträge an der Laichinger Tiefenhöhle – Forschung trifft Publikum

·

Wenn die Laichinger Tiefenhöhle im November schließt, fangen die Vorträge an. Fünf Monate lang, von November bis April, ist die Höhle selbst für Besucher nicht zugänglich. In dieser Zeit organisiert der Höhlen- und Heimatverein Laichingen ein Vortragsprogramm im Rasthaus, zu dem Forscher aus ganz Süddeutschland anreisen. Das Thema: aktuelle Höhlen- und Karstforschung. Der Eintritt meist frei oder gegen eine kleine Spende.

Warum es Wintervorträge gibt

Die Winterschließung der Laichinger Tiefenhöhle ist, wie bei allen deutschen Schauhöhlen, gesetzlich vorgeschrieben. Zum Schutz überwinternder Fledermäuse darf die Höhle von November bis April nicht befahren werden. Das ist aber nicht das Ende der Vereinsarbeit, sondern ihr Umschaltzeitpunkt.

Die Vorträge finden meist an einem Abend pro Monat statt, in der Regel Freitag oder Samstag ab 19 oder 20 Uhr, im Rasthaus an der Tiefenhöhle.

Das Programm 2026

Die Wintersaison 2025/26 bringt eine bemerkenswerte Zusammenstellung. Drei Referenten aus ganz unterschiedlichen Institutionen sind geladen — Landesamt für Denkmalpflege, eine Höhlenforschergruppe und die Universität Stuttgart.

Yvonne Tafelmaier (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg) spricht über die Brillenhöhle bei Blaubeuren. Die Brillenhöhle ist eine archäologische Fundstätte im Achtal mit wichtigen Funden aus der Altsteinzeit, die noch nicht so bekannt ist wie der benachbarte Hohle Fels. Tafelmaier leitet die aktuellen Ausgrabungen und berichtet über neue Funde, stratigraphische Datierungen und die Bedeutung der Brillenhöhle für die archäologische Gesamtlage im Achtal.

Thomas Kempf und Christian Eckert (HFGOK) berichten über die Brenzhöhle und den Durchbruch ins Neuland. Die Höhlenforschergruppe Ostalb-Kirchheim (HFGOK) hat in den letzten Jahren in mehreren Alb-Höhlen spektakuläre Neuentdeckungen gemacht.

Vivien Langhans, Leon Keim und Holger Class (Universität Stuttgart) bringen den wissenschaftlichen Blick. Das Team vom Institut für Umweltsystemmodellierung der Uni Stuttgart hat über Jahre in der Laichinger Tiefenhöhle selbst CO2- und Radon-Konzentrationen gemessen. Was diese Messungen über den Luftaustausch in einer Schachthöhle aussagen, über die Reaktion auf Besucher, über jahreszeitliche Schwankungen — darum geht es in diesem Vortrag.

Warum diese Vortragsreihe ungewöhnlich ist

In wenigen anderen Vereinen Deutschlands trifft sich diese Bandbreite in einem Raum. Landesamt, Höhlenforschungsgruppe und Universitätsinstitut tragen normalerweise auf Fachtagungen vor, selten im Publikumsformat. An der Laichinger Tiefenhöhle trägt ein Vereinsmitglied gemeinsam mit einer Landesoberbehörde und einem Universitätsprofessor vor demselben Publikum vor.

Der Grund dafür ist der Höhlen- und Heimatverein Laichingen selbst. Er ist mit 500 Mitgliedern und aktiver Forschungsarbeit sowohl in Laichingen als auch in anderen Karstgebieten ein ernst zu nehmender wissenschaftlicher Partner.

Die Brillenhöhle bei Blaubeuren

Die Brillenhöhle ist der Name einer kleinen, aber archäologisch wichtigen Höhle im Achtal, rund 15 Minuten von Blaubeuren entfernt. Sie liegt in der gleichen Kalksteinregion wie der Hohle Fels und wurde bereits im 20. Jahrhundert mehrfach ausgegraben.

In den letzten Jahren wurden unter der Leitung des Landesamts für Denkmalpflege neue Schichten untersucht. Funde aus der Altsteinzeit und dem Mesolithikum werfen Licht auf die Siedlungsgeschichte des Achtals. Die Brillenhöhle ist dabei keine UNESCO-Welterbe-Höhle, aber eine Nachbarhöhle im System, ohne die das Gesamtverständnis der Eiszeitkunst-Region unvollständig bliebe.

Die Brenzhöhle und die HFGOK

Die Höhlenforschergruppe Ostalb-Kirchheim ist eine der aktiveren Höhlenforschergruppen Süddeutschlands. Zu den Höhlen, an denen sie aktiv arbeitet, gehört die Brenzhöhle — eine Höhle bei Königsbronn, die durch umfangreiche Erkundung in den letzten Jahren deutlich größer wurde, als zunächst angenommen.

„Der Durchbruch ins Neuland“ ist ein Standard-Begriff in der Höhlenforschung. Gemeint sind die Momente, in denen Forscher in einer bereits bekannten Höhle einen verschütteten oder verengten Gang aufmachen und plötzlich in unerforschte Bereiche vorstoßen.

Die CO2-Forschung der Uni Stuttgart

Das Team um Vivien Langhans, Leon Keim und Holger Class vom Institut für Umweltsystemmodellierung untersucht seit Jahren das Gasklima der Laichinger Tiefenhöhle. CO2 und Radon sind dabei die beiden Messgrößen. Beide verändern sich mit der Jahreszeit, mit der Besucherfrequenz und mit den Wetterverhältnissen draußen.

Die Forschung hat zwei Ziele. Erstens: besser verstehen, wie Luft in einer Schachthöhle zirkuliert. Zweitens: Empfehlungen entwickeln, wie die Besucherzahl der Laichinger Tiefenhöhle gesteuert werden kann, ohne das empfindliche Klima im Inneren zu belasten.

Die Messungen laufen seit über fünf Jahren und sind eine der längsten kontinuierlichen Studien zum Gasklima in einer Schauhöhle in Deutschland.

Praktische Infos

Das genaue Vortragsprogramm für die Wintersaison wird jeweils im Oktober veröffentlicht. Termine finden sich auf tiefenhoehle.de.

Typischer Ablauf:

  • Beginn meist 19:00 oder 20:00 Uhr
  • Dauer 60 bis 90 Minuten (Vortrag + Fragen)
  • Im Anschluss oft informelles Gespräch im Rasthaus
  • Eintritt meist frei oder gegen Spende
  • Voranmeldung nicht nötig, bei großem Andrang aber empfehlenswert

Für wen die Wintervorträge sind

Für alle mit Interesse an Höhlenforschung, Archäologie, Karstgeologie oder regionaler Wissenschaft. Für Höhlenforscher aus anderen Vereinen, die sich austauschen wollen. Für Studenten aus Stuttgart, Ulm oder Tübingen, die Themen für Abschlussarbeiten suchen. Für alle, die gerne zuhören, wenn Experten unaufgeregt und konkret über ihre Arbeit sprechen.

Kontakt

Höhlen- und Heimatverein Laichingen e.V. Höhleweg 220, 89150 Laichingen Telefon: 07333/5586 E-Mail: info@tiefenhoehle.de Web: tiefenhoehle.de