Wer ein Pferd hält, hält es nicht in der Box. Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten leben 140 Islandpferde in der Herde, auf großen Koppeln und im Offenstall. Bernhard Podlech, Pferdewirtschaftsmeister in dritter Generation, weiß, was Pferde brauchen. Pferde Stall, Weide, Paddock, alles was zur Haltung gehört, im Überblick.
Wer Pferde Stall sucht, sucht eigentlich mehr als nur ein Gebäude. Pferde brauchen Bewegung, Herde, Frischluft, Sozialkontakt, geeignetes Futter, Hufpflege, Schutz vor Wetter, Möglichkeiten zur Selbstpflege. Stallhaltung im engen Sinn, mit Pferden in einzelnen Boxen ohne Auslauf, ist überholt. Heute geht es um Haltungsformen, die das Tier als Lauftier und Herdentier ernst nehmen.
Was Pferde wirklich brauchen
Pferde sind Steppenbewohner. In freier Wildbahn legen sie täglich 16 bis 30 Kilometer zurück, fressen 16 Stunden am Tag, leben in Herden mit klaren Strukturen. Diese Bedürfnisse haben sich durch Domestizierung nicht geändert.
Bernhard Podlech beschreibt das Verhalten der Pferde am Hof Hohenstein so: „Pferde sind einfach sehr sensible Tiere, die auch den Menschen eigentlich schnell spiegeln.“ Sensible Tiere brauchen ein Umfeld, in dem sie sich entspannen können. Das bedeutet weniger Zwang, mehr Auslauf.
Haltungsformen
Boxenhaltung. Das Pferd lebt in einer einzelnen Box, oft 12 bis 16 Quadratmeter groß. Auslauf nur stundenweise. Diese Haltungsform ist heute kritisch zu sehen, vor allem wenn der Auslauf gering ist. Pferde entwickeln Verhaltensauffälligkeiten, wenn sie über lange Zeit eingesperrt sind.
Offenstall. Das Pferd hat einen überdachten Bereich zum Schutz und einen Auslauf, den es jederzeit nutzen kann. Mehrere Pferde teilen sich den Stall, leben in der Gruppe. Das ist die Haltungsform, die auf dem Hof Hohenstein praktiziert wird. Bernhard sagt: „Im Sommer haben wir sie am Stall, am großen Offenstall.“
Aktivstall. Eine Weiterentwicklung des Offenstalls. Die Pferde müssen sich zwischen verschiedenen Funktionsbereichen bewegen, etwa Liegehalle, Fressplatz, Tränke. So wird Bewegung in den Tagesablauf eingebaut.
Weidehaltung. Die natürlichste Form. Die Pferde leben rund um die Uhr im Freien, in der Herde, mit Witterungsschutz. Auf dem Hof Hohenstein wechseln die Tiere zwischen Weide und Offenstall je nach Jahreszeit. „Jetzt gehen sie dann Anfang Mai auf die Weide raus und wahrscheinlich Mitte Oktober wieder rein in den Stall.“
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Die Weide
Eine gute Weide ist mehr als ein Stück Grünland. Sie sollte ausreichend groß sein, mehrere Pferde gleichzeitig versorgen, eine Mischung aus Gräsern und Kräutern bieten, Schattenplätze haben, Wasser liefern, eingezäunt sein.
Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein liegen die Weiden auf einer Hochebene oberhalb von Meidelstetten. Bernhard Podlech: „Wir liegen hier auf der Schwäbischen Alb auf einer sehr schönen Hochebene.“ Hier können die Pferde sich frei bewegen, Witterung mit Auf- und Abstieg kompensieren, im Sommer Schatten suchen, im Winter Wind und Schnee aushalten.
Die Bewirtschaftung der Weide muss durchdacht sein. Überweidung führt zu Trittschäden, Wurmbelastung und schlechter Futterqualität. Wechselweide oder Portionsweide sind die Lösung. Mehr unter Pferde Weide.
Anweiden
Ein wichtiger Schritt im Frühjahr ist das Anweiden. Pferde, die monatelang Heu bekommen haben, dürfen nicht plötzlich auf üppige Weide. Das frische Frühjahrsgras ist energiereich, der Magen-Darm-Trakt nicht darauf eingestellt. Die Folge können Hufrehe und Koliken sein.
Beim Anweiden wird das Pferd langsam an Weide gewöhnt. Erst 15 Minuten, dann 30, dann eine Stunde, über mehrere Wochen aufgebaut. Mehr im Detail unter Pferde Anweiden.
Paddock
Ein Paddock ist ein befestigter Auslauf, oft als Sandfläche, manchmal als Mischung aus Sand und Steinen. Im Gegensatz zur Weide hat der Paddock keinen Bewuchs. Er dient als Bewegungsfläche zu Zeiten, in denen die Weide nicht nutzbar ist, etwa bei nassem Boden oder im Winter. Mehr unter Pferde Paddock.
Im Winter auf die Weide
Pferde sind im Winter robuster, als viele meinen. Sie schwitzen bei niedrigen Temperaturen weniger, das Winterfell hält sie warm, Bewegung erzeugt zusätzliche Wärme. Bernhard Podlech beschreibt das Islandpferd: „Es hat relativ viel Winterfell und kann dadurch auch problemlos bei ganz eisigen und kalten Temperaturen draußen sein.“
Auf dem Hof Hohenstein bleiben die Tiere im Winter nicht ständig auf der Weide, sondern wechseln zwischen Weide und Offenstall. Diese Mischung gibt Schutz und gleichzeitig Auslauf. Mehr unter Pferde im Winter auf die Weide.
Sozialkontakt
Pferde sind Herdentiere. Einzelhaltung ist Tierquälerei, auch wenn das Pferd noch so gut versorgt wird. Es braucht den Kontakt zu Artgenossen, das gegenseitige Putzen, das Spiel, die soziale Hierarchie. Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein leben die Pferde in der Herde. Auch Jungpferde wachsen in der Gruppe auf. Bernhard Podlech beschreibt diesen Aufbau: „Diese ganze Arbeit von Anfang an bis zu einem Reitpferd, sodass man das Jungpferd, das immer wieder quasi ein bisschen gearbeitet wird und dann aber auch wieder einfach im Herdenverband frei leben darf auf den großen Koppeln hier.“
Fütterung
Pferde sind Dauerfresser. In freier Wildbahn fressen sie 16 Stunden am Tag, in kleinen Mengen, mit kurzen Pausen. Im Stall sollte das so weit wie möglich nachgebildet werden. Heu ad libitum oder in mehreren Mahlzeiten am Tag, frisches Wasser, eventuell Mineralfutter, bei höherer Belastung Kraftfutter.
Bei Islandpferden ist Vorsicht geboten. Sie sind genetisch auf karge Bedingungen eingestellt und werden bei zu energiereichem Futter krank. Wenig Kraftfutter, gutes Heu, viel Bewegung, das ist die Faustregel.
Hufpflege und Tierarzt
Auch der beste Pferde Stall ersetzt nicht regelmäßige Hufpflege und tierärztliche Versorgung. Hufschmied alle sechs bis acht Wochen, Tierarztbesuche zur Impfung, Wurmkur, Zahnbehandlung. Diese Termine sind Pflicht, nicht Kür. Mehr unter Pferde Hufe.
Was den richtigen Pferde Stall ausmacht
Wenn man alle Punkte zusammenfasst, sind es nicht einzelne Maßnahmen, sondern das Gesamtbild. Genug Auslauf, Herde, Weide oder Paddock, Witterungsschutz, gutes Futter, regelmäßige Pflege, sensible Beobachtung des Tieres. Bernhard Podlech: „Wir sind fast zehn Leute. Ohne ein gutes Team kann man so einen großen Hof nicht führen.“ Was bei einem Hof mit 140 Pferden gilt, gilt im kleinen genauso. Der richtige Pferde Stall ist Aufmerksamkeit über Wochen, Monate und Jahre.
Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
