Wildkräuter bestimmen mit Buch und App

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Katharina Güls nutzt zwei Werkzeuge, um Wildkräuter zu bestimmen. Ein Bestimmungsbuch vom Kosmos Verlag zu Hause und die PlantNet App auf dem Handy für unterwegs. Beides zusammen, nie nur eines allein. „Ich verlasse mich nicht auf die App allein“, sagt die Kräuterpädagogin aus Weingarten, Oberschwaben. Wenn sie draußen eine Pflanze fotografiert und die App ein Ergebnis liefert, geht sie zu Hause her und schlägt es auch noch mal im Buch nach. So funktioniert Wildkräuter bestimmen bei ihr seit Jahren, seit sie die Ausbildung an der Gundermann-Schule in Bad Tölz gemacht hat.

In dieser Ausbildung hat sie gelernt, Pflanzen sicher zu erkennen. Über ein ganzes Jahr, zwölf Wochenenden, alle Jahreszeiten. Aber auch nach dieser Ausbildung sagt Katharina Güls: Bei Unsicherheit stehen lassen. Immer. Ohne Ausnahme. „Sachen, wo man sich unsicher ist oder wo es eine Verwechslungsgefahr gibt, das soll man bitte auch stehen lassen, weil das ist es dann auch nicht wert.“

Wildkräuter bestimmen mit dem Bestimmungsbuch

Das Buch, mit dem Katharina Güls arbeitet, ist ein Klassiker vom Kosmos Verlag. Es gibt verschiedene Ausführungen, umfangreicher und weniger umfangreich. Das System sortiert Pflanzen nach Blütenfarbe und Blütenform, was den Einstieg für Anfänger erleichtert. Wer unterwegs eine Pflanze findet und Wildkräuter bestimmen will, kann nach Farbe und Form schnell eingrenzen, was es sein könnte, und dann die Details vergleichen.

Bei einer Führung am Kreuzberg in Weingarten hatte Katharina Güls einmal eine Teilnehmerin, die ganz hinten ging. Die Frau hatte ihr eigenes Bestimmungsbuch dabei. Von jeder gezeigten Pflanze pflückte sie etwas und legte es in ihr Buch ein, zwischen die Seiten, als Beleg. Nach der Führung ging die Frau die ganze Strecke alleine nochmal ab, um alles nachzuvollziehen und zu überprüfen, ob sie die Pflanzen auch ohne Hilfe wiedererkennt. Katharina Güls fand das schön. Weil es zeigte, dass jemand es ernst meint. Dass jemand Wildkräuter bestimmen wirklich lernen will und nicht nur zuhören.

Das Bestimmungsbuch hat einen Vorteil, den keine App hat: Es zeigt Pflanzen in ihrem Kontext, mit Zeichnungen oder Fotos aus verschiedenen Perspektiven, mit Hinweisen zu Verwechslungsmöglichkeiten. Wer sich sicher orientieren will, profitiert davon, weil die Verwechslungsgefahr genau die Stelle ist, an der man als Anfänger leicht Fehler macht. Scharbockskraut sieht einem bestimmten anderen Pflänzchen ähnlich. Bärlauch wird mit Maiglöckchen verwechselt. Solche Hinweise stehen im Buch. Im Kopf der App nicht immer.

Wildkräuter bestimmen per App

Die PlantNet App funktioniert über Bilderkennung. Pflanze fotografieren, die App gleicht das Foto mit einer Datenbank ab und liefert Vorschläge mit Wahrscheinlichkeiten. Schnell und praktisch für unterwegs. Aber nicht als einzige Quelle, betont Katharina Güls. Apps können irren. Gerade bei ähnlich aussehenden Pflanzen reicht ein Foto manchmal nicht aus, um sicher zu sein. Und bei Wildkräutern, die man essen will, kann ein Fehler ernste Folgen haben.

Deshalb die Kombination: App als ersten Hinweis, Bestimmungsbuch als Bestätigung, eigene Erfahrung als Grundlage. Katharina Güls nutzt dieses System seit Jahren. Es gibt ihr Sicherheit. Und es gibt ihr die Möglichkeit, bei ihren Führungen am Kreuzberg glaubwürdig zu sagen, schaut genau hin, verlasst euch nicht auf nur eine Quelle. Wer bei Wildkräutern sicher sein will, muss beide Wege gehen.

Von Pilzen lässt sie ganz die Finger. Nach eigener Aussage hat sie für sich beschlossen, dass diese Herausforderung nicht sein muss. „Also bei Pilzen kenne ich mich überhaupt gar nicht aus. Also da gibt es jetzt halt auch zu viel Giftige. Also von Pilzen lasse ich die Finger weg.“ Wildkräuter bestimmen ist ihr Ding. Pilze nicht.

Wie man anfängt, Wildkräuter zu bestimmen

Was Katharina Güls am meisten hilft, ist weder Buch noch App, sondern Erfahrung. „Manchmal denke ich mir, ich gehe durch den Wald wie so ein kleines Kind auch.“ Sie bleibt stehen, schaut genau hin, merkt sich Stellen für später. „Ich scanne immer so die Gegend ab. Was gibt es denn jetzt gerade? Ah, okay, das war letzte Woche noch nicht da.“ Im Kopf läuft ein Film. Immer. Auch beim Spazierengehen mit den Kindern.

Man fängt mit ein paar sicheren Pflanzen an. Giersch erkennt man am Petersilien-Möhren-Geschmack und an den dreiteiligen Blättern. Löwenzahn kennt jeder. Spitzwegerich hat seine markanten Längsrippen. Dann arbeitet man sich langsam vor. Knoblauchsrauke, Schaumkraut, Holunder, Gundermann. Was man nicht kennt, lässt man stehen. „Es gibt bei uns eben schon auch giftige Pflanzen. Es sind jetzt nicht wahnsinnig viele, aber es gibt sie und es gibt ja auch extrem giftige.“

Die Jahreszeiten helfen dabei. Im Frühling kommen die ersten Frühlingsboten, Scharbockskraut mit glänzenden Blättern, Bärlauch, Giersch. Im Sommer die Blüten, am Holunder zuerst. Im Herbst die Beeren und das Mädesüß, das manchmal nochmal blüht. Wer die Pflanzen lernt, lernt gleichzeitig den Rhythmus der Natur mit. Das eine geht ohne das andere nicht.

Wer den Einstieg sucht, kann eine Kräuterführung bei Katharina Güls am Kreuzberg in Weingarten besuchen. Dort lernt man mindestens sieben Pflanzen sicher bestimmen und kennen. Danach ein gutes Bestimmungsbuch zulegen. Eine App als Ergänzung nutzen. In dieser Reihenfolge. Wildkräuter bestimmen ist kein Sprint und kein Wochenendkurs. Es ist ein Weg, der mit dem ersten Giersch beginnt und mit dem Geruch von Gundermann beim Rasenmähen noch lange nicht aufhört.


Katharina Güls gibt Führungen in Weingarten. Im pekuu-Podcast erzählt sie mehr. Zur Episode