Süßlupinen Nährwerte
Linda Kelly zählt die Vorzüge ihrer Süßlupine auf wie jemand, der diesen Vortrag schon hundertmal gehalten hat und trotzdem jedes Mal begeistert ist. „Sehr viel Eiweißanteil, wenig Kohlenhydrate. Sie ist basisch, sie hat alle essentiellen Aminosäuren, wenig Purin, was bei Gicht interessant ist, sie lässt den Blutzuckerspiegel langsam ansteigen.“ Sechs Punkte in einem Atemzug. Die Bio-Landwirtin aus Herdwangen-Schönach am Bodensee baut seit 2013 Süßlupinen an und macht daraus Lebensmittel. Sie kennt die Süßlupinen Nährwerte nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus der eigenen Ernte, der eigenen Küche und den Rückmeldungen ihrer Kunden.
Aber was steckt hinter den Zahlen? Und für wen sind diese Nährwerte wirklich relevant?
Eiweiß, das alles mitbringt
Die Süßlupine gehört zu den eiweißreichsten Hülsenfrüchten. Linda Kelly betont immer wieder den Punkt, der die Lupine von vielen anderen pflanzlichen Quellen abhebt: „Sie hat alle essentiellen Aminosäuren.“ Das sind die Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann und über die Nahrung aufnehmen muss.
Bei pflanzlichen Eiweißquellen ist das keine Selbstverständlichkeit. Reis hat zu wenig Lysin, Weizen zu wenig Lysin und Threonin, selbst Erbsenprotein hat Lücken. Die Süßlupine deckt alle ab. Für Vegetarier und Veganer ist das besonders relevant, weil man nicht zwingend verschiedene Quellen kombinieren muss, um ein vollständiges Aminosäureprofil zu bekommen.
Wenig Kohlenhydrate, viel Sättigung
Im Vergleich zu Kichererbsen, Linsen oder Bohnen hat die Süßlupine deutlich weniger Kohlenhydrate. Das macht sie für Low-Carb-Ernährung geeignet. Linda Kelly nutzt Lupinenmehl zum Backen und ersetzt damit zwanzig Prozent des herkömmlichen Mehls. „Schon hat man mehr Eiweiß, einen elastischeren Teig“, erklärt sie. Das Ergebnis: weniger Kohlenhydrate im Brot, mehr Protein, und der Teig wird sogar besser.
Die Sättigung hält länger an als bei kohlenhydratlastigen Mahlzeiten. Das liegt am Zusammenspiel von Eiweiß und Ballaststoffen. Wer morgens Lupinenflocken ins Müsli gibt, kommt besser durch den Vormittag als mit reinen Haferflocken.
Basisch in einer sauren Welt
Ein Wort taucht in Linda Kellys Gesprächen immer wieder auf: basisch. Die Süßlupine wirkt im Körper basisch, im Gegensatz zu vielen anderen eiweißreichen Lebensmitteln. Fleisch, Käse, Getreide, Kaffee, alles sauer. Die Lupine ist die Ausnahme.
„Durch den Lebenswandel, den wir haben, viel Stress, vielleicht nicht ganz die richtige Ernährung, sind wir oft übersäuert“, sagt Linda Kelly. Der Lupinenkaffee zum Beispiel ist basisch und hat keine Kaffeesäure. Wer normalen Kaffee durch Lupinenkaffee ersetzt oder die beiden mischt, reduziert die Säurebelastung im Alltag.
Purin und Blutzucker: Zwei Werte, die man kennen sollte
Zwei Werte sind weniger bekannt, die weniger bekannt sind, aber für bestimmte Gruppen einen echten Unterschied machen.
Erstens: der niedrige Puringehalt. Purin wird im Körper zu Harnsäure abgebaut. Zu viel Harnsäure kann Gichtanfälle auslösen. Viele eiweißreiche Lebensmittel, vor allem Fleisch und Innereien, aber auch manche Hülsenfrüchte, haben hohe Purinwerte. Die Süßlupine nicht. Linda Kelly erwähnt das gezielt: „Wenig Purin, was bei Gicht interessant ist.“
Zweitens: der langsame Blutzuckeranstieg. „Sie lässt den Blutzuckerspiegel langsam ansteigen“, sagt Linda Kelly. Für Menschen mit Diabetes oder Insulinresistenz bedeutet das weniger Blutzuckerspitzen nach dem Essen. Statt eines schnellen Hoch und Runter gibt es einen sanften, lang anhaltenden Energieverlauf. Das macht die Lupine auch für Sportler interessant, die stabile Energie brauchen.
Nicht verwechseln
Ein Hinweis, den Linda Kelly bei jedem Vortrag gibt: Süßlupine ist nicht gleich Lupine. Die Pflanzen im Garten, die bunten Stauden mit den imposanten Blütenkerzen, sind giftig. „Die haben Bitterstoffe, die sogenannten Alkaloide“, erklärt sie. „Das haben unsere gezüchteten Süßlupinen nicht.“
Die Süßlupine wurde über Jahrzehnte so gezüchtet, dass diese Bitterstoffe fehlen. Erst dadurch wurde sie für den menschlichen und tierischen Verzehr geeignet. Wer Süßlupinen kauft, sollte auf die Kennzeichnung achten und bei zertifizierten Herstellern bestellen.
Nicht roh essen
Trotz der starken Werte gilt: nicht roh verzehren. „Roh schmeckt die Lupine bohnig und erbsig“, sagt Linda Kelly. Manche vertragen die rohen Samen nicht gut, weil antinutritive Stoffe die Verdauung stören können. Durch Erhitzen, also Kochen, Backen oder Rösten, bauen sich diese Stoffe ab. Erst dann entfaltet sich der nussige Geschmack, den man auf dem Teller haben will.
Die Nährwerte bleiben durch das Erhitzen weitgehend erhalten. Das Eiweiß denaturiert zwar, wird aber dadurch sogar besser verdaulich. Wer die Lupine in die Küche bringt, und dafür plädiert Linda Kelly bei jeder Gelegenheit, der bekommt mit wenig Aufwand eine der besten pflanzlichen Eiweißquellen, die in Deutschland auf dem Acker wächst.
Und da ist noch ein Punkt, den Linda Kelly bei Hofführungen gerne erwähnt. Die Lupine braucht keinen Stickstoffdünger, weil sie ihn selbst produziert. Als Leguminose bindet sie Luftstickstoff über Knöllchenbakterien an den Wurzeln. Der Boden wird besser, nicht schlechter. „Die Lupine ist eine absolute Superkultur“, sagt sie. Ein Lebensmittel, das nicht nur den Teller, sondern auch den Acker nährt.
Mehr über Linda Kelly und ihre Süßlupinen im pekuu audiostories Podcast.
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