Wenn ein Kind still zur Welt kommt, gibt es keinen ersten Schrei. Keine Familienfotos am Wochenbett, keinen ersten Blick mit offenen Augen, keinen Moment, den man mit dem Handy festhält, weil er so schön ist. Was es gibt, ist ein Zeitfenster. Kurz, vielleicht ein paar Stunden, in dem alles passieren muss, was für immer bleiben soll. Und wenn jemand in diesem Fenster daran denkt, eine Kamera dazuzuholen, entsteht ein Sternenkind Foto. Das erste Bild und das letzte, zusammen in einem einzigen Moment.
Bestatterin Xenia Krämer aus Sigmaringen legt den Eltern Sternenkindfotografie bei jeder stillen Geburt ans Herz. Wörtlich: „Das lege ich den Eltern immer sehr ans Herz.“ Nicht weil sie muss, nicht weil es eine Vorschrift ist, sondern weil sie weiß, was dieses Bild für die Familie bedeuten wird. Nicht heute, nicht morgen, aber in den Monaten und Jahren danach, wenn die Erinnerung an das Kind verblasst und das einzige, was bleibt, ein Sternenkind Foto ist.
Warum Eltern im Moment nicht daran denken können
In der Regel wird der Sternenkindfotograf vom Kreißsaal organisiert. Es werden Bilder gemacht vom Kind, von den Eltern mit dem Kind, von der ganzen Familie. Xenia findet es wichtig, dass auch Geschwisterkinder auf dem Sternenkind Foto sind. „Weil auch die haben sich auf das Geschwisterchen gefreut.“ Ein Bild, auf dem alle zusammen sind, auch wenn eines der Kinder die Augen geschlossen hat.
Die meisten Eltern sind in diesem Moment nicht in der Lage, an Fotos zu denken. Die Welt ist gerade zusammengebrochen. Deshalb ist es so wichtig, dass jemand anderes daran denkt: die Hebamme, der Arzt, der Bestatter. Ohne Sternenkind Foto gibt es später nichts zu zeigen. Nichts, was den Großeltern beweist, dass dieses Kind echte Hände hatte und echte Füße. Nichts für die Freundin, die nicht weiß, ob sie fragen darf. Nichts für das Geschwisterkind, das in drei Jahren wissen will, wie das Brüderchen aussah.
Erinnerungen schaffen in dem kürzesten Leben
Neben dem Sternenkind Foto nimmt Xenia Fußabdrücke und Fingerabdrücke, aus denen Erinnerungsschmuck entstehen kann. Sie lässt die Eltern den Sarg selbst gestalten, ein Schächtelchen bemalen oder einen kleinen Holzsarg bauen. Manchmal bringt sie das Baby noch einmal nach Hause, damit die Familie es wenigstens einmal dort hat.
„Ihr wollt so viel für euer Kind tun, also macht, was jetzt in dieser Zeit einfach möglich ist.“ Eine Mutter strickte eine Decke, die das Baby mitbekam. Eine andere schrieb ein Lied und sang es an der Beerdigung vor. Das klingt nach wenig, aber es ist alles. Es ist der Unterschied zwischen einem Abschied und einer Abholung.
„Wenn man das Kind bekommt, wenn irgendein Bestatter das Kind abholt und der weiße Sarg am Tag der Beerdigung dasteht und dazwischen nichts mehr stattgefunden hat, dass das eine Frau und ein Mann viel schlechter ertragen können, als wenn sie dazwischen noch verschiedene Dinge für ihr Kind tun konnten.“
Ein guter Abschied beginnt mit einem Bild
„Ich glaube, wenn man einen guten Abschied hat, dann ist es einfach schon deutlich einfacher.“ Und ein guter Abschied beginnt oft mit einem Sternenkind Foto. Mit dem Festhalten eines Moments, der nie wiederkommen wird, in dem ein Kind existiert hat, das die Welt nie kennenlernen durfte.
Sternenkindfotografie ist jemand, der kommt, wenn die Welt gerade zusammenbricht, und etwas festhält, das sonst für immer verloren wäre. Das einzige Foto, das es je von diesem Kind geben wird.
Xenia Krämer erzählt im pekuu audiostories Podcast, wie sie Erinnerungen für Sternenkind-Familien schafft.
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