„Das ist ein unglaublicher Flow, der entsteht. Das ist dann manchmal auch wie so ein Tunnel.“
So beschreibt Pascal Kaiser, was passiert, wenn er an einer neuen Idee für seinen Escape Room arbeitet. Pascal ist Lehrer in Friedrichshafen, Theaterpädagoge und Inhaber des Escape Rooms Escape in Time in Ailingen. Wenn er sich an seinen Werktisch setzt, um Rätsel zu entwickeln, neue Mechaniken zu testen oder den neuen Bunker-Raum aufzubauen, beschreibt er den Tunnel-Zustand.
Csikszentmihalyis Flow-Konzept
Der ungarisch-amerikanische Psychologe Mihály Csíkszentmihályi prägte den Begriff Flow in den 1970er Jahren. Sein Forschungs-Ergebnis: Es gibt einen Bewusstseinszustand, in dem Menschen ihre Tätigkeit so intensiv erleben, dass sie die Zeit vergessen, das Drumherum ausblenden und sich vollständig in die Aufgabe versenken. Voraussetzungen dafür sind klare Ziele, sofortiges Feedback und eine Aufgabe auf dem persönlichen Können-Level, nicht zu leicht, nicht zu schwer.
Pascals Beschreibung passt zu dieser Definition. Was er als Tunnel erlebt, ist Flow im Sinne Csíkszentmihályis.
„Weil dann ganz neue Dinge und ganz neue Wege sich eröffnen. Dann kommen wieder neue Ideen mit dazu.“
Pascals Glücks-Definition
Eine bemerkenswerte Aussage Pascals zu seiner Arbeit ist seine Definition von Glück.
„Das meiste Glück kommt, glaube ich, während ich was erstelle oder was baue.“
Das ist eine andere Vorstellung als die landläufige, in der Glück die Belohnung am Ende einer Anstrengung ist. Pascals Glück liegt während des Bauens, nicht am fertigen Raum. Csíkszentmihályi hatte aus tausenden Interviews dasselbe Muster destilliert: Glücksmomente kommen aus dem Prozess, nicht aus dem Ergebnis.
Die kleine Berg-Metapher
Pascal beschreibt das Erleben einer Herausforderung mit einem Bild aus dem Wandern.
„Ein kleiner Berg auch so einen Hügel zu haben, zu sagen, okay, wie komme ich da weiter? Wie komme ich da durch? Klappt es so? Es fühlt sich irgendwie noch nicht so gut an. Wie wird es? Und dann dieser Moment, dem das dann funktioniert oder zusammen geht und klappt und dann wieder neue Energie für eine neue Herausforderung.“
Jeder kleine Berg ist ein Flow-Auslöser. Klare Aufgabe, der Berg. Sofortiges Feedback, fühlt sich richtig an oder nicht. Können auf Höhe, er weiß genug um anzufangen, aber nicht genug um es im Schlaf zu machen. Genau das, was Csíkszentmihályis Forschung als Flow-Voraussetzungen beschreibt.
Die Unruhe vor dem Test
Bevor Pascal eines seiner Rätsel oder Mechaniken testet, beschreibt er einen anderen Zustand, eine Art Vor-Flow-Anspannung.
„Ich bin so aufgeregt, wenn ich nur Dinge, die ich für den Bunker gebaut habe, wenn ich die teste lasse und jemand das ausprobiert, ist innerlich schon so eine Unruhe. Klingt immer so negativ, es ist tatsächlich so eine Unruhe. Funktioniert das so, wie ich mir das überlegt habe?“
Diese Unruhe ist nicht Panik. Sie ist die Spannung vor der Überprüfung, ob das, was im Tunnel entstanden ist, in der Praxis hält. Csíkszentmihályi würde sagen: Das ist der Moment, in dem Flow-Arbeit an die Welt zurückgegeben wird. Der Moment der Validierung.
Was sich aus Pascals Praxis ableiten lässt
Aus Pascals Beschreibungen lassen sich einige Beobachtungen zum Flow-Zustand ableiten. Es braucht einen Bereich, in dem das eigene Können auf der Schwelle ist, nicht überfordert, nicht gelangweilt. Bei Pascal ist das der Bunker-Bau: er kennt die Werkstoffe, aber jedes neue Rätsel ist Neuland. Es braucht einen Werktisch, an dem keine ständige Unterbrechung passiert. Und es braucht ein klares Ziel, ein konkretes Werkstück oder eine konkrete Mechanik.
Pascal beschreibt nicht ausführlich, welche Bedingungen für ihn den Flow ermöglichen. Aus seinen Aussagen über das Bauen und Entwickeln im Ecape Room und über die „Berg-Metapher“ lässt sich ableiten, dass Flow für ihn an konkrete Werkstücke gebunden ist, nicht an abstraktes Nachdenken. Wie er sich autodidaktisch in seine Werkbereiche eingearbeitet hat, passt zu dieser Beobachtung. Seine Scanner-Persönlichkeit ermöglicht es, in mehreren Bereichen parallel solche Tunnel zu erleben.