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Linoldruck Anleitung: Mehrfarbig drucken mit der verlorenen Platte

Pascal Kaiser unterrichtet Kunst, Mathematik und Technik an der Gemeinschaftsschule Schreienesch in Friedrichshafen. In seinen Acht- und Neuntklässler-Klassen macht er Linoldruck, eine Drucktechnik, die er an der Pädagogischen Hochschule Weingarten in seinem Lehramts-Studium kennengelernt hat.

„Ich habe jetzt gerade zum Beispiel mit meinen Neuntklässlern mache ich Linoldruck. Ich mache mit meiner achten Klasse aktuell auch Linoldruck. Die haben verschiedene Motive und schneidet die und die werden anschließend gedruckt, auch mehrfarbiger Druck mit der sogenannten verlorenen Platte, dass man dann immer weitere Sachen wegschneidet.“

Linoldruck ist eine der zugänglichsten Drucktechniken. Sie braucht wenig Material, lässt sich auch zu Hause ohne Werkstatt umsetzen, und liefert Ergebnisse, die handgemacht aussehen, weil sie es sind. Diese Anleitung erklärt die Grundlagen.

Material

Werkzeug:

  • Linolplatte, 15×20 oder 20×30 cm (Marken z.B. Adigraf, Speedball)
  • Linol-Schneideisen-Set (Einsteiger-Set mit 5-8 Klingen, ca. 15-25 Euro)
  • Linol-Walze aus Gummi (10-15 cm breit)
  • Glasplatte zum Auswalzen der Farbe
  • Druckpapier (festes Tonpapier oder Künstler-Druckpapier)

Farbe:

  • Linol-Druckfarbe wasserbasiert für Einsteiger
  • Reinigung mit Wasser und Lappen

Sicherheit: Linol-Schneideisen sind scharf. Grundregel: immer von dir weg schneiden, nie zur Hand hin. Die zweite Hand bleibt hinter dem Schneideisen, nie vor der Klinge.

Schritt 1: Motiv entwickeln

Das Motiv wird auf der Linolplatte gespiegelt erscheinen. Wer Buchstaben oder Zahlen druckt, muss spiegelverkehrt zeichnen.

Für den Anfang ein klares Motiv mit hohem Kontrast, ein Tier, ein Symbol, eine Pflanze. Feine Details funktionieren auf der Linolplatte schlecht. Erst auf Papier skizzieren, dann übertragen.

Schritt 2: Motiv auf die Platte übertragen

Zwei Wege. Schnell: direkt mit Bleistift auf die Linolplatte zeichnen. Genauer: auf Transparentpapier zeichnen, das Papier umdrehen, mit Bleistift die Rückseite nachzeichnen, dann das Papier auf die Linolplatte legen und mit Bleistift die Linien auf der Vorderseite nachfahren, das Motiv überträgt sich gespiegelt.

Mit Edding die Linien dann verstärken.

Schritt 3: Schneiden

Was stehen bleibt, nimmt die Farbe an und wird dunkel. Was weggeschnitten ist, bleibt weiß.

Für Anfänger: Zuerst die Außenkonturen des Motivs nachschneiden. Dann die Innenflächen wegschneiden. Verschiedene Schneideisen-Größen ausprobieren, schmale Klingen für feine Linien, breite Klingen für Flächen.

Grundsatz: lieber zu wenig wegschneiden als zu viel. Nachträglich mehr wegschneiden ist möglich, zurückbringen nicht.

Schritt 4: Auswalzen

Eine kleine Menge Druckfarbe auf die Glasplatte geben, erbsengroß für eine kleine Platte. Mit der Walze hin und her, bis sie rundum gleichmäßig eingefärbt ist.

Tipp: lieber zu wenig Farbe als zu viel. Mit zu viel Farbe verschmieren die Details.

Schritt 5: Drucken

Die Linolplatte mit dem Motiv nach oben legen. Mit der eingefärbten Walze über die Linolplatte rollen, gleichmäßig, in mehreren Richtungen.

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Druckpapier vorsichtig auflegen. Mit Hand oder Löffelrücken den Rücken des Papiers reiben. Vorsichtig abheben.

Mehrfarbig drucken: die verlorene Platte

Pascals Schul-Variante für mehrfarbigen Druck verwendet eine einzige Platte, von der zwischen den Druck-Durchgängen mehr weggeschnitten wird.

Ablauf:

1. Das fertige Motiv schneiden, alle Bereiche weglassen, die nicht eingefärbt werden sollen.

2. Mit der hellsten Farbe (z.B. Gelb) drucken. Mehrere Drucke machen, damit Reserve da ist.

3. Mehr aus der Linolplatte wegschneiden, die Bereiche, die in der hellsten Farbe bleiben sollen.

4. Mit der zweiten Farbe (z.B. Rot oder Orange) auf denselben Druckbogen erneut drucken.

5. Wieder mehr wegschneiden, dritte Farbe darauf drucken.

Der Name „verlorene Platte“ kommt daher: Am Ende ist von der ursprünglichen Platte fast nichts mehr da. Eine Wiederholung des Drucks ist nicht möglich, das macht die Auflage zur Einmaligkeit.

Häufige Fehler

Farbe zu dünn: Druck-Ergebnis blass. Lösung: Mehr Farbe, gleichmäßiger auswalzen.

Farbe zu dick: Details verschmieren. Lösung: Walze mit Lappen abwischen, weniger Farbe.

Druck ungleichmäßig: Platte nicht satt eingewalzt. Walze in mehreren Richtungen ansetzen.

Papier verrutscht: Mit einer Hand am Rand fixieren, mit der anderen reiben.

Linol zerbricht beim Schneiden: Die Platte ist zu kalt. Vor dem Schneiden auf der Heizung erwärmen.

Eine konkrete Anwendung der Technik ist die Schultüte mit Linoldruck-Motiv. Wer Hand-Arbeit mit Kindern systematischer aufbauen will, findet im Artikel zur Werkbank für Kinder eine Übersicht über Werkzeug und Setup.