Wer im Februar einen Tagesausflug in die Laichinger Tiefenhöhle plant, plant umsonst. Wer im November Familienbesuch durch die Höhle führen will, ebenfalls. Die Tiefenhöhle hat eine Saison, und der Grund liegt nicht in der Wirtschaftlichkeit, sondern im Naturschutz.
Die offiziellen Öffnungszeiten
Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen, fasst es knapp zusammen: „Die Tiefenhöhle hat saisonal geöffnet von Palmsonntag bis Ende Herbstferien Baden-Württemberg. Das hängt mit dem Fledermaus-Schutz zusammen. Und dann eben in der Saison täglich von 10 bis 17 Uhr 30.“
Konkret bedeutet das:
– Saison-Beginn: Palmsonntag (variiert je nach Osterdatum, meist Ende März/Anfang April)
– Saison-Ende: Ende der Herbstferien Baden-Württemberg (meist Anfang November)
– Tägliche Öffnungszeit in der Saison: 10:00 bis 17:30 Uhr
– Geschlossen: Anfang November bis Palmsonntag
Wer einen Besuch plant, sollte die genauen Daten beim Höhlen- und Heimatverein Laichingen oder auf deren Website prüfen, denn Palmsonntag und Herbstferien-Ende variieren je nach Kalender.
Warum nicht im Winter
Die intuitive Annahme: Die Höhle ist im Winter zu, weil es zu kalt ist. Stimmt aber nicht. In der Tiefenhöhle herrscht ganzjährig eine ähnliche Temperatur, die Höhle ist gegen die Außenwitterung weitgehend isoliert. Im Winter wäre sie sogar wärmer als die Außenwelt.
Der wahre Grund: Fledermäuse. Schneider erklärt es so: „Fledermäuse suchen Höhlen gerne als Winterquartier auf, denn Fledermäuse halten einen Winterschlaf. Und diese beim Schlafen sozusagen nicht zu stören, nicht ihren Kreislauf anzukurbeln, sind eben die Höhlen in Deutschland von November bis Anfang April gesperrt.“
Eine schlafende Fledermaus fährt ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter. Sie kann die Wintermonate fast nur von ihren Fettreserven leben. Wird sie geweckt, durch Licht, Geräusche oder Erschütterung, fährt ihr Kreislauf hoch. Das verbraucht enorm viel Energie. Mehrmaliges Wecken im Winter kann eine Fledermaus töten, weil ihre Reserven nicht reichen.
Wer da hängt
In der Laichinger Tiefenhöhle und in vielen anderen Alb-Höhlen überwintern verschiedene Fledermausarten. Welche genau in welchem Jahr, hängt von Bestandsfluktuationen ab. Generell sind Höhlen der Alb wichtige Winterquartiere für Mausohren, Mopsfledermäuse und mehrere andere geschützte Arten.
Der Höhlen- und Heimatverein arbeitet hier mit Fledermausschutz-Beauftragten zusammen, die im Winter Bestandserhebungen machen. Das geht nur bei minimaler Störung, ein, zwei vorsichtige Begehungen mit gedämpftem Licht. Eine Schauhöhle mit täglichem Publikumsverkehr ist damit unvereinbar.
Wann die Saison wirklich beginnt und endet
Palmsonntag ist beweglich: Er liegt am Sonntag vor Ostern. In Jahren mit frühem Ostern beginnt die Saison Mitte März, in Jahren mit spätem Ostern Anfang April. Schneider nennt das Datum, weil es einfach zu merken ist, Ostern fällt jedem ein.
Das Saison-Ende richtet sich nach den Schul-Herbstferien Baden-Württemberg. Die enden in der Regel Anfang November. Die Tiefenhöhle ist also bis dahin täglich geöffnet, danach geht sie in den Winterschlaf.
Was im Winter trotzdem stattfindet
Auch wenn die Tiefenhöhle für Besucher geschlossen ist, ruht der Verein nicht. Im Winter laufen Wartungsarbeiten an Beleuchtung, Treppen und Audioguide-System. Außerdem veranstaltet der Verein in den Wintermonaten regelmäßig Vorträge zu Höhlen-, Karst- und Speläologie-Themen, etwa über Forschungsexpeditionen ins Tote Gebirge, die Wintervorträge des Höhlen- und Heimatvereins sind ein eigenes Format. Wer im Winter Interesse an der Höhle hat, kann dort hingehen.
Die täglichen Öffnungszeiten genau
In der Saison ist die Höhle täglich von 10:00 bis 17:30 Uhr geöffnet. Schneider nennt das ohne Pausen oder Ruhetage, die Tiefenhöhle hat keinen Wochen-Ruhetag.
Der letzte Einlass liegt ungefähr eine Stunde vor Schließung, damit alle Besucher die Höhle bis 17:30 wieder verlassen können. Wer um 16:30 ankommt, kommt rein. Wer um 17:00 ankommt, wird wahrscheinlich nicht mehr eingelassen.
Stoßzeiten und ruhige Tage
In der Hochsaison sind Wochenenden und Schulferien voller als Wochentage. Wer Wartezeit vermeiden will, kommt unter der Woche oder gleich um 10:00 Uhr. Die ersten Besucher haben die Höhle dann fast für sich, weil die Audioguide-Kapazität nicht ausgeschöpft ist.
Regnerische Wochenend-Tage ziehen besonders viele Besucher an, weil die Höhle ein Wetter-unabhängiges Programm bietet. An sonnigen Sommer-Sonntagen ist es paradoxerweise oft ruhiger, die Leute machen lieber etwas im Freien.
Was zu beachten ist
Wer von weit her anreist, sollte den Tag der Anreise einplanen, nicht den Vortag. Die Tiefenhöhle ist keine Stunden- sondern Tages-Erfahrung. Wer Mittwoch früh ankommt, hat den ganzen Tag noch zur Verfügung. Wer am späten Freitagnachmittag ankommt, kommt zur Saison-Hauptverkehrszeit und sollte mit höherem Besucheraufkommen rechnen.
Mehr zur Anfahrt, zum Audioguide-Konzept und zur Vereinsarbeit im Podcast-Gespräch mit Alexander Schneider.
