Wer in die Höhlenforschung einsteigen will, braucht nicht das, was die meisten denken. Kein Klettergurt, kein Hochleistungs-Helmlampe, keine teure Ausrüstung. Wenigstens nicht zu Beginn.
Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen, beschreibt den Anfangs-Standard so: „Vorkenntnisse braucht man eigentlich keine. Man kann da ohne Ausrüstung und ohne alles kommen. Einfache Höhlen kann man zum Beispiel auch ohne Seil erkunden. Dann braucht man eigentlich bloß einen Helm, damit man sich der Kopf nicht anstößt und eine Taschenlampe. Und dann kann man schon ganz viele kleinere Höhlen auf der Alp erkunden.“
Helm und Taschenlampe. Das ist der Einstieg. Mehr braucht es nicht.
Der Weg über die Jugendgruppe
Wer noch jung ist (oder ein Kind hat, das Interesse zeigt), kann den klassischen Weg gehen: über die Jugendgruppe. Schneider beschreibt sie konkret: „Wenn man Interesse an Höhleforschung hat, dann kann man zum Beispiel, wenn man noch jugendlicher ist oder ein Kind ist, zu uns in die Jugendgruppe kommen. Die findet so circa alle zwei Wochen, Freitagabend statt. Da sind wir im Sommerhalbjahr in unterschiedlichsten Höhlen rund Laichingen auf der Schwäbischen Alb unterwegs.“
Alle zwei Wochen Freitagabend. Im Sommerhalbjahr in echten Höhlen unterwegs. Das ist keine theoretische Einführung. Das ist Praxis-Training.
Was in der Jugendgruppe gelernt wird, ist die Grundausbildung: „Da lernt man dann gerade den Umgang, Klettern am Seil und alles, was man so braucht, eine Höhle sicher befahren zu können.“ Klettertechnik am Seil, Sicherungsmethoden, Bewegung in engen Passagen, Umgang mit der Stirnlampe.
Wer mit zwölf einsteigt, hat mit fünfzehn die Grundlagen drauf. Mit achtzehn kann er bei normalen Forschungstouren mitkommen. Mit fünfundzwanzig hat er genug Erfahrung für anspruchsvollere Touren. Das ist eine lange, langsame Ausbildung, aber sie funktioniert.
Der Weg für Erwachsene
Wer als Erwachsener einsteigen will, hat es etwas weniger strukturiert. Es gibt keine Erwachsenen-Gruppe, die alle zwei Wochen tagt. Aber es gibt mehrere Wege.
Erstens: einfache Höhlen ohne Seil. Schneider sagt explizit, dass man mit Helm und Taschenlampe schon „ganz viele kleinere Höhlen auf der Alp erkunden“ kann. Die Schwäbische Alb hat zahlreiche flache, ungefährliche Höhlen, in denen man kriechen, schauen und ein Gefühl für die Umgebung bekommen kann.
Zweitens: Kontakt zum Verein. Wer ernsthaft einsteigen will, schreibt den Höhlen- und Heimatverein Laichingen an. Bei der nächsten Tagestour kann man oft mitkommen, wenn die Voraussetzungen passen. So lernt man die anderen Mitglieder kennen und kann selber prüfen, ob die Sache zu einem passt.
Drittens: Lehrgänge. Es gibt regelmäßig Einführungs-Lehrgänge in Höhlenforschungs-Techniken. Das Klettern am Seil, das Sicherungs-System mit Abseilgerät und Steigklemmen, das Verhalten in der Höhle. Mehr zur kompletten Ausrüstung im Artikel zur Höhlenforscher-Ausrüstung.
Was am Anfang schwer fällt
Es gibt drei Dinge, die Einsteigern oft schwer fallen.
Erstens: die Enge. Manche Passagen sind so eng, dass nur eine Person hindurchkommt, und auch die nur, wenn sie sich klein macht. Wer Klaustrophobie hat, merkt das hier. Wer keine hat, lernt schnell, mit beengten Räumen umzugehen.
Zweitens: die Kälte. Höhlen sind ganzjährig kühl. Auf der Alb sind es zwischen sieben und neun Grad, in höhergelegenen Höhlen wie dem Toten Gebirge sind es nach Schneider „ca. 2 Grad. Da ist dann doch ein bisschen frischer.“ Wer auf normalen Wanderschuhen und in Hemd und Hose hineingeht, friert nach einer Stunde. Wer richtig vorbereitet ist mit Overall, warmer Unterkleidung und passenden Schuhen, ist viele Stunden gut unterwegs.
Drittens: die Dunkelheit. Eine echte Höhle ohne Beleuchtung ist absolut dunkel. Anders als eine dunkle Nacht draußen, wo das Auge sich nach wenigen Minuten anpasst, gibt es in der Höhle nichts, woran sich das Auge orientieren könnte. Wer eine Stirnlampe trägt, sieht das, was sie beleuchtet. Sonst nichts.
Was schon nach kurzer Zeit Spaß macht
Wer eine Weile dabei ist, fängt an, die Sache anders zu sehen. Eine Höhlentour wird zur Mischung aus Sport, Forschung und Naturerlebnis. Man hat ein Ziel (eine bestimmte Stelle erreichen, einen bestimmten Bereich vermessen), eine Methode (Klettertechnik plus Werkzeug) und ein konkretes Erleben (eine Umgebung, die niemand sonst sieht).
Schneider beschreibt seinen eigenen Reiz so: „Für mich ist der Reiz im Erforschen von etwas Neuem ein bisschen größer als im Analysieren.“ Wer das nachvollziehen kann, also wer den Erkundungsprozess wichtiger findet als die Auswertung, ist hier richtig.
Was es kostet
Die Anfangsausrüstung ist günstig. Ein einfacher Helm kostet zwischen 30 und 80 Euro. Eine gute Stirnlampe gibt es ab 40 Euro, eine sehr gute bei 150 bis 200 Euro. Wer in normaler Kleidung und mit alten Schuhen hineingeht, kommt mit weniger als 100 Euro in die ersten Höhlen.
Wer ernsthaft einsteigt, kauft sich nach und nach mehr Ausrüstung: einen Overall, gute Schuhe für Höhlen, eventuell einen Klettergurt und das Zubehör. Der Vereinsbeitrag des Höhlen- und Heimatvereins Laichingen ist deutlich niedriger als die Mitgliedschaft in einem Alpenverein und gibt Zugang zu Touren, Lehrgängen und Wintervorträgen.
Die ersten Höhlen, die man besucht
Wer noch nicht Mitglied ist und einen ersten Eindruck haben will, kann das in zwei Schritten machen.
Schritt eins: eine ausgebaute Schauhöhle wie die Laichinger Tiefenhöhle, die Nebelhöhle oder die Bärenhöhle. Das ist keine Forschung, aber ein erster Eindruck, wie eine Höhle innen aussieht und wie sich die Atmosphäre anfühlt.
Schritt zwei: eine kleine, unausgebaute Höhle, idealerweise in Begleitung von jemand Erfahrenem. Hier merkt man, ob einem die Sache liegt. Wer hier Spaß hat, kann sich weiter engagieren. Wer hier merkt, dass es nichts für ihn ist, hat keinen großen Aufwand betrieben.
Was nach Jahren wartet
Wer fünf, zehn oder zwanzig Jahre in die Höhlenforschung investiert, kann an größeren Projekten teilnehmen. Forschungsexpeditionen in tiefere Schachthöhlen, Vermessungen in unkartierten Bereichen, Beteiligung an wissenschaftlichen Studien zu Karst-Geologie oder Höhlenfauna.
Manche Mitglieder des Vereins forschen im Ausland, etwa im Toten Gebirge in Österreich. Mehr dazu im Artikel über die Forschung im Toten Gebirge.
Andere bleiben bei kleineren Touren auf der Schwäbischen Alb und entdecken über die Jahre, was es hier alles gibt. Beide Wege sind richtig. Höhlenforschung ist kein Wettkampf.
Mehr zur Vereinsarbeit, zur Tiefenhöhle und zur Schwäbisch-Alb-Höhlenforschung im Podcast mit Alexander Schneider.
