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Höhlenforscher Ausrüstung: Was Schneider in seine Tasche packt

Wer Höhlenforscher ist, packt nicht in den Rucksack, was schön aussieht. Er packt das, ohne was er nicht zurückkommt.

Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein Laichingen, beschreibt die Kern-Ausrüstung kurz und klar: „Klettergurt beziehungsweise ein Höhlengurt mit Abseilgerät und Steigklemmen zum Wiederaufsteigen. Außerdem braucht man natürlich einen Helm und ein gutes Licht.“

Vier Elemente. Klettergurt, Abseilgerät, Steigklemmen, Helm und Stirnlampe. Plus persönliche Kleidung und Verbrauchsmaterial.

Der Klettergurt

Ein Klettergurt für die Höhlenforschung ist nicht das, was Sportkletterer tragen. Sportkletter-Gurte sind für kurze, hängende Pausen gedacht. Höhlengurte sind dafür gemacht, dass man sich daran längere Zeit abseilt und wieder aufsteigt, möglicherweise mit Pausen dazwischen.

Die wichtigsten Unterschiede: Höhlengurte haben einen festen Brust-Anteil, der den Oberkörper stabilisiert. Sie sind robust gegen Reibung am Fels und resistenter gegen Verschmutzung, weil man in einer Höhle ständig mit Lehm, Wasser und Felssplittern in Berührung kommt. Sie haben mehrere Anschlagspunkte, an denen man Werkzeug und Sicherungsgeräte befestigt.

Wer ernsthaft einsteigt, lässt sich beim Kauf beraten. Im Höhlen- und Heimatverein Laichingen gibt es genug Erfahrung, um die richtige Wahl zu unterstützen.

Das Abseilgerät

Wer in eine Schachthöhle einsteigt, seilt sich ab. Das Abseilgerät ist das Werkzeug, das die Reibung am Seil so dosiert, dass man langsam und kontrolliert nach unten kommt.

Es gibt verschiedene Bauarten. Die wichtigsten sind „Stop-Bremsen“ (selbstblockierend bei Loslassen) und einfache Abseilachter (kein Selbst-Stop, aber sehr robust). Für Höhleneinsätze werden meist Stop-Bremsen verwendet, weil sie zusätzliche Sicherheit geben.

Das Abseilgerät hängt am Klettergurt. Das Seil wird durchgeführt und mit der Hand kontrolliert. Wer gut trainiert ist, kann sich damit auch in mittleren Schächten von 30 bis 50 Meter routiniert nach unten bewegen.

Die Steigklemmen

Wer abgeseilt ist, muss auch wieder hoch. Steigklemmen sind die Lösung. Sie werden am Seil oberhalb des Abseilgeräts befestigt und blockieren das Seil in eine Richtung. Wer sie nach oben schiebt und mit Körpergewicht belastet, klemmt das Seil fest. So kann man Schritt für Schritt nach oben klettern.

Es gibt verschiedene Steigklemmen-Systeme. Das verbreitetste auf der Alb ist die Kombination aus einer Klemme am Brustgurt und einer am Fuß. Wer im Wechsel beide belastet, kommt langsam, aber sicher nach oben. Wer geübt ist, schafft etwa zehn Meter pro Minute auf normaler Kondition.

Das Wiederaufsteigen ist anstrengend. Schneider deutet das nur an, aber wer einmal 50 Meter senkrecht hochgeklettert ist, weiß, dass das die körperlich härteste Phase einer Höhlentour ist.

Helm und Stirnlampe

Der Helm hat zwei Funktionen. Erstens: Kopf-Schutz gegen herabfallendes Material oder gegen Stoß an Felsen. Zweitens: Befestigungspunkt für die Stirnlampe. Höhlen-Helme haben oft besondere Halterungen, an denen man Lampen befestigen kann.

Die Stirnlampe ist heute meist LED. Gute Modelle haben mehrere Helligkeits-Stufen und eine Notfall-Funktion. Wichtig: Die Lampe muss lange laufen. Eine acht-Stunden-Tour mit Spitzen-Helligkeit braucht entsprechende Batterie-Kapazität. Wer mit einer schwachen Lampe in eine längere Tour geht, hat Probleme.

Schneider weist darauf hin, dass „gutes Licht“ zur Grundausrüstung gehört. Was „gut“ bedeutet, ist erfahrungsabhängig. Anfangs reicht eine 200-Lumen-Stirnlampe. Wer in Schachthöhlen geht, will eher 500 bis 1000 Lumen, mit Reservequellen.

Plus eine Reserve-Lampe oder zumindest Ersatz-Batterien.

Persönliche Ausrüstung

Schneider beschreibt die Kleidung getrennt von der Sicherungstechnik: „Persönliche Ausrüstung. Also einen Schlatz, einen Overall, der ein bisschen robuster ist. Dann natürlich Kleidung zum drunterziehen. Im Gebirge haben die Höhlen ca. 2 Grad. Da ist dann doch ein bisschen frischer.“

Der Overall ist Standard. Robuste Kunstfaser, möglichst wasser-resistent, mit guter Bewegungsfreiheit. Darunter trägt man dem Klima entsprechend warm. Auf der Alb sind sieben bis neun Grad typisch, im Gebirge zwei Grad.

Schuhe: Robust, mit guter Profilsohle, möglichst wasser-resistent. Bergsteig-Schuhe gehen, spezielle Höhlen-Schuhe sind besser. Sneaker oder normale Wanderschuhe sind nicht geeignet.

Handschuhe sind oft hilfreich. Sie schützen die Hände vor scharfen Felskanten und gegen die Kälte. In sehr engen Passagen sind sie hinderlich, deshalb gehören sie oft in die Tasche und werden je nach Bedarf an- und ausgezogen.

Was nicht in der Liste steht, aber dazu gehört

Notruf-Equipment ist nicht standardmäßig dabei, weil in den meisten Höhlen kein Funk-Empfang ist. Aber: Eine kleine Pfeife am Klettergurt kostet wenig, kann aber im Notfall den entscheidenden Unterschied machen, wenn man Hilfe rufen muss.

Wasser und ein Snack. Höhlentouren dauern oft mehrere Stunden. Wer nichts trinkt und nichts isst, ist nach drei Stunden geschwächt.

Erste-Hilfe-Material in einer kleinen Tasche. Pflaster, eine Wunddesinfektion, Verbandmaterial.

Ein kleines Notiz-Werkzeug. Wer Höhlen-Forschung betreibt, dokumentiert. Bleistift, wasserfestes Papier, eventuell ein GPS-Gerät für die Standort-Markierung am Eingang.

Was eine erste Ausrüstung kostet

Für einen kompletten Höhlen-Einsteiger-Satz muss man mit etwa 800 bis 1500 Euro rechnen. Das hängt davon ab, ob man im günstigen Bereich oder bei Marken-Ausrüstern einkauft.

Wer nur kleinere, flache Höhlen besucht, kommt mit deutlich weniger aus. Mehr dazu im Artikel zum Höhlenforscher-Werden. Helm plus Stirnlampe für unter 200 Euro reicht für die ersten Schritte.

Wer ernsthaft Schachthöhlen befahren will, kommt um Klettergurt, Abseilgerät und Steigklemmen nicht herum.

Was die Ausrüstung erlaubt

Mit kompletter Standard-Ausrüstung kann man auf der Schwäbischen Alb fast alle bekannten unausgebauten Höhlen befahren. Auch tiefere Schachthöhlen wie die unausgebauten Bereiche der Tiefenhöhle, die bis auf etwa 100 Meter führen.

Für Spezialaufgaben (Tauchen in wassergefüllten Höhlen, sehr tiefe Schächte mit hunderten Metern Abstieg, Vermessungs-Projekte) gibt es Zusatz-Ausrüstung. Aber das ist für Spezialist:innen, nicht für den normalen Vereinsbetrieb.


Mehr zum Höhlenforscher-werden, zur Schwäbisch-Alb-Höhlenforschung und zur Tiefenhöhle im Podcast mit Alexander Schneider.