Kräuterwanderung am Kreuzberg in Weingarten

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Katharina Güls wird oft gefragt, wo sie am liebsten ist. Die Antwort ist immer gleich: am Kreuzberg in Weingarten, Oberschwaben. Dort gibt die Kräuterpädagogin ihre Führungen. Dort hat sie alles gefunden, was sie für eine gute Kräuterwanderung braucht. Einen kleinen Waldanteil, einen See mit Büschen drumherum, eine offene Wiese und versteckte Bänke, die manchmal ein bisschen zugewachsen sind. „Das ist dort einfach total schön“, sagt sie. Und dann fügt sie hinzu, dass da so eine ganz tolle Ruhe herrscht, die man in der Nähe einer Stadt nicht erwartet.

Der Kreuzberg ist kein Berg im klassischen Sinn. Eine Erhebung am Rand von Weingarten mit verschiedenen Lebensräumen auf kleinstem Raum. Im bewaldeten Stück wachsen andere Pflanzen als auf der offenen Wiese. Am See finden sich Sträucher und Büsche mit ihren eigenen Kräutern. Dazwischen Bänke, versteckt zwischen den Büschen. Ein Rundgang am Kreuzberg dauert anderthalb Stunden. Alle aktuellen Termine und Preise stehen direkt auf der Website.

Kräuterwanderung für jede Jahreszeit

Katharina Güls gibt ihre Führungen nicht nur im Sommer, wenn alles grünt und blüht. Sie findet gerade die Zeiten spannend, in denen niemand rausgehen will. Im Januar plante sie eine Tour, bei der die Kinder mit Schaufeln den Schnee wegschaufeln und schauen sollten, was darunter noch wächst. Leider gab es keinen Schnee in dem Jahr. Aber einen Löwenzahn haben sie trotzdem gefunden, mitten im Januar, und ein Mädchen, das zu Weihnachten ein Bestimmungsbuch bekommen hatte, war glücklich.

Im Frühling geht es um die ersten Frühlingsboten. Scharbockskraut mit seinen glänzenden, nierenförmigen Blättern. Bärlauch, auf den die ganze Familie wartet. Die ersten Gierschtriebe, die aus dem Boden kommen. Im Sommer um Blüten und ihre Bestimmungsmerkmale. Im Herbst darum, was man noch ernten kann, Holunderbeeren zum Beispiel. „Die Natur geht ja nach ihrem eigenen Rhythmus vor“, sagt Katharina Güls. Eine Kräuterwanderung funktioniert zu jeder Zeit, man muss nur wissen, wo man hinschaut.

„Kinder würden ja zu jeder Jahreszeit rausgehen. Die kennen ja kein schlechtes Wetter, aber es sind ja dann die Eltern, die sagen, heute ist es so kalt und heute ist es so nass.“ Deshalb legt Katharina Güls die Familienführungen am Kreuzberg bewusst in den Januar und in den späten Herbst. Sie heißen „Lass uns nach draußen gehen“ und drehen sich nicht nur um Kräuter, sondern auch um Tierfährten, Naturzusammenhänge und die Frage, warum auch im Winter etwas wächst. „Auch jetzt kann man was entdecken, auch jetzt ist es draußen schön.“

Was man von einer Kräuterwanderung mitnimmt

Katharina Güls holt die Leute dort ab, wo sie gerade sind. Wer nichts probieren will, muss nicht probieren. Wer nur riechen will, riecht. Wer eine Geschichte mitnehmen will, mit der man zu Hause erzählen kann, hat schon genug mitgenommen. „Alles, was sie an mehr Wissen mit heimnehmen, das ist total super.“ Das ist ihre Philosophie. Kein Druck, kein Zwang, kein Programm, das man durchziehen muss.

Bei einer Führung am Kreuzberg hatte sie einmal eine Teilnehmerin, die ganz hinten ging. Die Frau hatte ein eigenes Bestimmungsbuch dabei und pflückte von jeder gezeigten Pflanze etwas, legte es zwischen die Seiten. Nach dem Rundgang ging sie die ganze Strecke alleine nochmal ab, um alles ohne Hilfe nachzuvollziehen. Solche Momente zeigen Katharina Güls, dass es funktioniert. Dass Menschen anfangen, genauer hinzuschauen. Dass eine Kräuterwanderung nicht mit dem Verabschieden am Parkplatz endet, sondern erst dann wirklich beginnt.

Die reguläre Führung am Kreuzberg umfasst mindestens sieben Pflanzen, die man hinterher sicher bestimmen kann. Dazu kommen Geschichten, Anekdoten und Hintergründe. Warum der Gundermann beim Rasenmähen so markant riecht. Warum man Scharbockskraut nicht mehr essen darf, wenn es blüht. Warum die Brennnessel für Raupen wichtig ist. Praktisches Wissen, das man am nächsten Tag im eigenen Garten anwenden kann.

Der Kreuzberg als Lieblingsort

„Dann sind noch zwischendurch so Bänke, wo man sich dann auch hinsetzen kann, die aber auch manchmal so ein bisschen versteckt sind.“ So beschreibt Katharina Güls ihren Lieblingsort. Nicht perfekt inszeniert, sondern gewachsen. Die Bänke sind nicht immer leicht zu finden. Das Unterholz wächst, wo es will. Der See hat keine Promenade, sondern Büsche drumherum. Gerade das macht den Kreuzberg für eine Führung so ergiebig. Je weniger gepflegt, desto mehr Wildkräuter.

Im Sommer bleibt Katharina Güls gern im bewaldeten Stück. Schatten, kühle Luft, anderes Pflanzenleben. Im Frühling geht sie lieber auf die Wiese. Sonne, erste Blüten, Löwenzahn. Die Mischung macht den Kreuzberg aus. Eine Runde führt nicht immer denselben Weg. Es kommt darauf an, was gerade blüht, was gerade treibt, was gerade sichtbar ist.

Der Treffpunkt für jede Kräuterwanderung ist die Infotafel in der Reutebühlstraße, 88250 Weingarten. Von dort geht es in wenigen Minuten zum Kreuzberg. Alle Termine, Preise und die Anmeldung stehen auf kraeuter-erfahren.de. Im Frühling auf der Wiese stehen und die Sonne genießen. Im Sommer im Schatten der Bäume verschwinden. Im Winter staunen, dass unter dem Schnee etwas wächst. Der Kreuzberg hat das alles. Und Katharina Güls zeigt es gern.


Katharina Güls erzählt im pekuu-Podcast, warum der Kreuzberg ihr Lieblingsort ist. Zur Episode