Löwenzahnsirup selber machen mit Kindern

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Katharina Güls und ihre Kinder haben letztes Frühjahr Löwenzahnsirup selber gemacht. Sie sammelten Blüten im Garten, zupften die gelben Blütenblätter ab und kochten daraus mit Wasser und Zucker einen goldgelben Sirup. Löwenzahnsirup selber machen ist bei ihnen ein Familienritual geworden. Am nächsten Tag hat die Nachbarin bei sich den Löwenzahn ausgestochen. Katharinas Sohn, sechs Jahre alt, hat das beobachtet: „Mama, ich glaube, du musst da mal rübergehen und ihr sagen, was man alles Tolles aus Löwenzahn machen kann.“

Katharina Güls ist Kräuterpädagogin in Weingarten, Oberschwaben. Löwenzahnsirup selber machen gehört in ihrer Familie zu den festen Ritualen im Frühling. Die Kinder fragen schon Wochen vorher nach. „Können wir denn jetzt endlich?“ Sie muss erklären, dass der Löwenzahn erst blühen muss. „Und dann ist es aber schon so ein Ereignis, auf das man so ein bisschen hinarbeitet.“

Löwenzahnsirup selber machen: So geht es

Das Prinzip ist einfach. Man sammelt Löwenzahnblüten, am besten an einem sonnigen Tag, wenn die Blüten voll geöffnet sind. Dann zupft man die gelben Blütenblätter ab und trennt sie von den grünen Kelchblättern. Die Blütenblätter werden mit Wasser aufgekocht, über Nacht ziehen gelassen, dann abgeseiht. Der Sud wird mit Zucker eingekocht, bis er die Konsistenz von Sirup hat. Das Ergebnis ist ein goldgelber, honigähnlicher Sirup.

Katharina Güls zeigt solche Rezepte auch in ihren Kochworkshops am Kreuzberg in Weingarten. Ihr Ansatz ist immer derselbe: rausgehen, sammeln, verarbeiten. „Für mich ist der richtige Weg zu sagen, schau mal, das wächst jetzt gerade, und daraus machen wir was.“ Nichts Kompliziertes, nichts, was man zu Hause nicht nachmachen kann. „Alles, was man selber macht, schmeckt ja auch besonders gut.“

Was man sonst aus Löwenzahn machen kann

Neben dem Sirup hat Katharina Güls ein Rezept entwickelt, das ihre Kinder besonders lieben: Löwenzahneis. Bananen in kleine Scheiben schneiden, einfrieren. Löwenzahnblüten sammeln, nur die gelben Blütenblätter zupfen. Alles mit Naturjoghurt und der gefrorenen Banane pürieren. Fertig. „Die Blüten vom Löwenzahn haben schon so ein bisschen was Bitteres, Herbes, aber durch die Banane dann auch gleichzeitig süß.“ Das Eis ist schnell, gesund und geht bei ihren Kindern immer.

Man kann Löwenzahn aber auch einfach in den Salat schneiden. Die jungen Blätter als Wildgemüse verwenden. Die Blüten über Gerichte streuen. „Und sei es nur so ein paar Blüten, die man abends übers Essen drüber streut, damit es schöner ausschaut.“ Der Löwenzahn ist eine der vielseitigsten Wildpflanzen und er wächst überall. Man muss nur aufhören, ihn auszustechen.

Warum Kinder die besseren Sammler sind

Was Katharina Güls bei ihren Familienführungen am Kreuzberg beobachtet: Kinder haben eine natürliche Neugier für Pflanzen. Ihre eigenen Kinder unterscheiden zwischen „Essblumen“ und „Nicht-Essblumen“. Wenn die Mama sagt, man darf es essen, wird es gegessen. Die Familienregel ist einfach und klar.

Bei einer Familienführung im Januar war eine kleine Gruppe dabei. Ein Junge wollte so gut Marmelade kochen wie Katharina. Ein Mädchen hatte ein Bestimmungsbuch zu Weihnachten bekommen und wollte im Januar einen Löwenzahn finden. Sie haben einen gefunden. Zwischendurch dachte Katharina Güls, die Kinder hören gar nicht zu. Hinterher riefen die Mütter an: „Meine Kinder haben sich alles gemerkt.“

Kinder wollen zu jeder Jahreszeit raus, sagt Katharina Güls. „Die kennen ja kein schlechtes Wetter, aber es sind ja dann die Eltern, die sagen, heute ist es so kalt und heute ist es so nass.“ Deswegen legt sie Familienführungen bewusst in unattraktive Zeiten. „Auch jetzt kann man was entdecken, auch jetzt ist es draußen schön.“

Löwenzahnsirup selber machen ist nicht nur ein Rezept. Es ist eine Gelegenheit, mit Kindern nach draußen zu gehen, ihnen zu zeigen, was vor der Haustüre wächst, und gemeinsam etwas herzustellen. Katharinas Tochter bringt mittlerweile auch Kiefernadeln aus dem Kindergarten mit: „Mama, da kannst du dir deinen Tee draus kochen.“ Für die Vierjährige ist das normal. Für Katharina Güls sind das die Momente, in denen ihr das Herz aufgeht.

Löwenzahnsirup selber machen ist auch eine Frage des Timings. Die Blüten sind am besten, wenn sie voll geöffnet sind, an einem trockenen, sonnigen Tag. Katharina Güls sammelt am liebsten am Nachmittag, wenn die Blüten den ganzen Tag Sonne hatten. Morgens sind sie oft noch geschlossen. Und man braucht nicht viel. Eine große Handvoll Blüten reicht für ein kleines Glas Sirup. Die Kinder helfen beim Sammeln und beim Zupfen der Blütenblätter, und am Ende haben sie etwas, das sie auf Brot, in Tee oder übers Joghurt löffeln können.

Wer den Löwenzahn im Garten stehen lässt statt auszustechen, hat im Frühling auch gleich die Zutaten parat. „Wir haben hier ganz tolle Sachen, man muss nicht alles im Supermarkt holen“, sagt Katharina Güls. Und wenn die Nachbarin den Löwenzahn aussticht, weiß man wenigstens, dass der eigene Sechsjährige schon eine Meinung dazu hat.

Nächstes Frühjahr werden sie wieder sammeln. Die Kinder haben das schon angekündigt. Der Sirup vom letzten Jahr ist längst aufgebraucht. Und der Löwenzahn wird wieder blühen, ob die Nachbarin will oder nicht.


Katharina Güls gibt Kräuterführungen über kraeuter-erfahren.de. Im pekuu-Podcast erzählt sie mehr. Zur Episode

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