Olgahöhle Lichtenstein – Deutschlands größte Kalktuffhöhle

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Die Olgahöhle in Lichtenstein-Honau ist die vielleicht merkwürdigste Schauhöhle der Schwäbischen Alb. Sie ist nicht durch Kalklösung entstanden, sondern durch Kalkablagerung. Sie ist geologisch nicht Millionen Jahre alt, sondern rund 10.000. Und sie war 1884 die erste elektrisch beleuchtete Schauhöhle Deutschlands. Hinter diesen drei Sonderstellungen steht eine Geschichte aus Zufall, einem Drohmanöver und einer württembergischen Königin.

Wie die Olgahöhle 1874 entdeckt wurde

Am 24. Oktober 1874 arbeitete Johann Ziegler als Steinbrucharbeiter in Honau, im Echaztal am Nordrand der Schwäbischen Alb. Der Tuffstein, den er dort abbaute, war damals ein lukratives Baumaterial. Er wurde für Häuser verwendet, für Schloss Lichtenstein selbst und später sogar für das Olympiastadion in Berlin. Ganz Honau steht auf einer 18 Hektar großen Kalktuffbarre, die die Echaz vor 7.000 bis 10.000 Jahren abgelagert hatte.

Beim Abbau stieß Ziegler auf einen Hohlraum. Er erkannte die Besonderheit sofort. Sein Stiefvater, der den Steinbruch betrieb, wollte die Höhle abbauen lassen. Ziegler drohte daraufhin, sich zwölf Jahre zum Militärdienst zu verpflichten — eine damals extreme Reaktion, die den Stiefvater umstimmte. Die Höhle blieb erhalten.

Ziegler räumte monatelang den mit Tuffsand gefüllten Höhlengang von Hand aus. Zu Pfingsten 1875, nur sieben Monate nach der Entdeckung, konnte er die ersten Besucher durch die Höhle führen.

Warum die Olgahöhle keine Karsthöhle ist

Alle anderen Schauhöhlen der Schwäbischen Alb sind Karsthöhlen: Sie sind durch Kalklösung entstanden, also aus dem Gestein gefressen. Die Olgahöhle ist eine Primärhöhle. Sie ist entstanden, während das umgebende Gestein sich gebildet hat.

Der Vorgang geht so: Die Echaz transportierte in der Nacheiszeit kalkgesättigtes Wasser. An einer Steilstufe fiel Kalk aus dem Wasser aus und lagerte sich um Pflanzen, Moose und Algen ab. Das Kalktuff-Gestein wuchs Schicht um Schicht. An manchen Stellen aber schloss sich das Gestein nicht komplett, sondern ließ Hohlräume zurück — das Innere der späteren Olgahöhle.

Das Gestein, aus dem die Höhlenwände bestehen, heißt Kalktuff. Nicht zu verwechseln mit vulkanischem Tuff. Es hat eine gelb-beige Farbe, ist porös, zeigt knollige Strukturen. Die berühmten „Blumenkohlsinter“ der Höhle sind Kalotten aus Blaualgentuff.

Deutschlands erste elektrische Schauhöhle

1884, nur zehn Jahre nach der Entdeckung, bekam die Olgahöhle elektrische Beleuchtung. Der Strom wurde mit dem Wasserrad einer benachbarten Ölmühle erzeugt, ein Siemens-Dynamo wurde angeschlossen, und die Höhle strahlte. Damit war sie Deutschlands erste elektrisch beleuchtete Schauhöhle.

Der Effekt war erheblich. Besucher kamen in Scharen. 1891 musste ein zweiter Ein- und Ausgang gebaut werden, weil der ursprüngliche den Andrang nicht mehr bewältigte. 1892 nahm die Echaztalbahn von Reutlingen nach Honau den Betrieb auf.

Die Jahre der Stille

Nach Zieglers Tod verlor die Olgahöhle an Bedeutung. Im Zweiten Weltkrieg diente sie als Luftschutzraum. Nach dem Krieg war die Höhle lange geschlossen. Die Erben waren weggezogen, niemand wollte den Betrieb weiterführen. Die evangelisch-methodistische Kirche erwarb das ehemalige Hotel oberhalb der Höhle und das Grundstück. Heute steht dort das Seniorenzentrum Haus Olgahöhle.

Erst 1969 taten sich Interessenten zusammen. Die Ortsgruppe Honau des Schwäbischen Albvereins und die Höhlenforschungsgruppe Pfullingen übernahmen den Betrieb. 1972 wurde die Höhle wieder eröffnet. Seitdem führen ehrenamtliche Mitglieder durch die 170 Meter lange Höhle, von denen 120 Meter begehbar sind.

Was Besucher sehen

Die Olgahöhle wirkt anders als alle anderen Schauhöhlen der Alb. Die Wände sind nicht grau oder braun, sondern beige-gelblich. Die Oberflächen haben knollige, rundliche Formen. Klassische Stalaktiten und Stalagmiten fehlen. Stattdessen gibt es die charakteristischen Tuffkalotten, die „Blumenkohlsinter“, die wie Schwämme an den Wänden sitzen.

Dazu kommen die historischen Details: die alten Kerzenhalter der ersten Beleuchtung, die Stützmauern aus Nachkriegsumbauten, der zweite Ein- und Ausgang von 1891.

Die Führung dauert etwa 40 Minuten. Die Temperatur in der Höhle liegt bei rund 8 Grad.

Öffnungszeiten und Preise

Die Olgahöhle ist nur begrenzt geöffnet, was viele Besucher unterschätzen: Von April bis Oktober jeweils am ersten Sonntag des Monats sowie an Ostersonntag, Fronleichnam (Olgahöhlenfest) und am Tag des offenen Denkmals, jeweils von 11 bis 17 Uhr.

  • Erwachsene: 3,50 €
  • Kinder ab 6 Jahren: 2,00 €

Für Gruppen sind Sonderführungen möglich. Anfrage über olgahoehle.de oder telefonisch 07129/60160.

Anfahrt

Olgahöhle Olgastraße 31, 72805 Lichtenstein Ortsteil Honau, direkt unter Schloss Lichtenstein

Von Reutlingen über die B312 nach Lichtenstein-Honau, rund 15 Minuten. Ausreichend Parkplätze im Ort. Die Olgahöhle liegt mitten in Honau an der Durchgangsstraße.

Die Kombination mit Schloss Lichtenstein

Direkt oberhalb der Olgahöhle thront Schloss Lichtenstein. Zwei Attraktionen in Fußentfernung — das macht Honau zum idealen Ausflugsziel für einen halben bis ganzen Tag. Schloss Lichtenstein ist das einzige Schloss weltweit, das nach einem Roman erbaut wurde (Wilhelm Hauffs „Lichtenstein“). Die Kombination aus unterirdischer Kalktuffhöhle und neugotischem Märchenschloss ist auf der Schwäbischen Alb einzigartig.

Warum die Olgahöhle einen Besuch wert ist

Wer die klassischen Tropfsteinhöhlen der Alb schon kennt, sollte die Olgahöhle besuchen, weil sie das Gegenmodell ist. Keine Stalaktiten, keine Karstlösung, keine Millionenjahre. Stattdessen eine geologische Rarität, die in ein paar tausend Jahren entstanden ist, und eine Schauhöhlengeschichte, die 1884 das modernste ihrer Zeit war. Für Liebhaber ungewöhnlicher Geologie die interessanteste Schauhöhle Deutschlands überhaupt.