Pferde leben länger als die meisten denken. Auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten hat Bernhard Podlech 140 Tiere in allen Lebensphasen, vom Fohlen bis zum Senior. Was Pferde Alter heißt, welche Lebensphasen es gibt und warum Islandpferde oft länger leben als andere Rassen.
Lebensphasen im Überblick
Fohlen (0 bis 6 Monate). Das Fohlen lebt bei der Mutter, trinkt Milch, beginnt parallel Gras zu fressen. Es entwickelt seinen Bewegungsapparat, lernt soziale Strukturen, knüpft Beziehungen zur Herde.
Absatzfohlen oder Jährling (6 Monate bis 1 Jahr). Das Fohlen wird allmählich von der Mutter abgesetzt, lebt in der Jugendherde. Es wächst, baut Knochen und Muskeln auf.
Jungpferd (1 bis 3 Jahre). Das Pferd reift körperlich. Mit etwa drei Jahren ist es geschlechtsreif. Bei Hengsten wird in dieser Phase oft entschieden, ob sie kastriert werden. Bei Stuten beginnt manchmal die Zucht.
Anreitepferd (3 bis 4 Jahre). Beim Islandpferd wird mit etwa vier Jahren angeritten. „Bis ein Pferd dann ein wirklich ein Reitpferd ist, dauert es etwa vier Jahre, also nicht früher als drei“, erklärt Bernhard Podlech.
Reitpferd in der Hauptphase (5 bis 18 Jahre). Die Hauptphase, in der das Pferd ausgebildet wird, im Sport antritt, Erfahrung sammelt. Hier verbringen die meisten Pferde den größten Teil ihres Lebens.
Älteres Reitpferd (18 bis 25 Jahre). Das Pferd wird langsamer, braucht mehr Pflege, kann oft noch lange geritten werden. Bei robusten Rassen wie Islandpferden ist diese Phase deutlich länger.
Senior (ab 25 Jahre). Das Pferd ist im hohen Alter, oft pensioniert. Manche Tiere können noch leichte Arbeit verrichten, andere genießen den Lebensabend auf der Weide.
Wie alt Pferde werden
Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Pferdes liegt bei 25 bis 30 Jahren. Manche Rassen werden älter, andere jünger. Vollblüter haben eine kürzere Lebenserwartung von etwa 22 bis 25 Jahren, was unter anderem mit der intensiven Sportbelastung zusammenhängt. Robuste Rassen werden oft 30 bis 35 Jahre alt, in Einzelfällen bis 40.
Beim Islandpferd ist die Lebenserwartung besonders hoch. Bernhard Podlech: „Sie werden in den letzten Jahren auf jeden Fall sehr alt. Also Pferde mit über 40 Jahren sind heutzutage keine Seltenheit. Es gab in jüngster Vergangenheit auch sogar mal ein Islandpferd, das ist 53 Jahre alt geworden.“
Mehr unter Wie alt werden Islandpferde und Pferde Lebenserwartung.
Was das Alter beeinflusst
Wie lange ein Pferd lebt, hängt von vielen Faktoren ab.
Rasse. Robuste Rassen leben länger als Hochleistungspferde.
Haltung. Pferde aus artgerechter Haltung mit Auslauf und Sozialkontakt leben länger als Stallpferde.
Fütterung. Angemessene, nicht überreichliche Fütterung schützt vor Stoffwechselerkrankungen.
Bewegung. Mäßige, regelmäßige Bewegung erhält Gelenke, Kreislauf, Muskulatur.
Genetik. Manche Linien werden überdurchschnittlich alt, andere nicht.
Glück. Auch das gehört dazu. Krankheiten, Unfälle, Komplikationen können jeden treffen.
Bernhard Podlech kennt die Realität aus erster Hand: „Wir haben schon Pferde verloren, leider, das ist immer wieder mal so. Manchmal frühzeitig oder altersbedingt.“ Bei aller guter Pflege bleibt Verlust eine Möglichkeit.
Pferde Alter und Reitbarkeit
Wann ist ein Pferd zu alt zum Reiten? Pauschal nicht zu beantworten. Ein gesundes Islandpferd kann mit 25 Jahren noch hervorragend geritten werden, ein junges Pferd mit 12 Jahren bereits Schäden haben. Was zählt, ist die individuelle Verfassung des Tieres.
Tierarzt und Hufschmied sind die wichtigsten Berater. Wer regelmäßig prüfen lässt, weiß, wie es um sein Pferd steht. Manchmal ist eine Pause nötig, manchmal eine Reduktion der Belastung, manchmal das Aussetzen vom Sport. Aber das Pferd ganz zu pensionieren, ist meist nicht nötig.
Senioren-Pferde
Pferde im hohen Alter brauchen besondere Pflege.
Futter. Ältere Tiere bekommen weiches Futter, oft eingeweichtes Heu, weil die Zähne abnutzen. Bernhard Podlech: „Im Alter ist vor allem auch ihr Gebiss, sind die Zähne ein bisschen das Problem, weil das ja kontinuierlich abgenutzt wird.“
Bewegung. Tägliche moderate Bewegung erhält Gelenkigkeit. Ein Senior-Pferd, das nur in der Box steht, baut schneller ab.
Sozialkontakt. Auch Senioren brauchen die Herde. Wer ein altes Pferd allein hält, schadet ihm.
Tierarzt regelmäßig. Halbjährliche Checks, Zahnkontrollen, Wurmkur, Impfung. Das ist Pflicht, nicht Kür.
Pferde Alter, kurz zusammengefasst
Pferde durchlaufen verschiedene Lebensphasen, vom Fohlen bis zum Senior. Durchschnittlich werden sie 25 bis 30 Jahre alt, robuste Rassen wie Islandpferde oft deutlich älter. Was die Lebenserwartung beeinflusst, ist Rasse, Haltung, Fütterung, Bewegung, Genetik und Glück. Ältere Pferde brauchen besondere Pflege, können aber oft lange aktiv bleiben.
Mehr unter Pferde Lebenserwartung und Wie alt werden Islandpferde.
Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
