Pferde leben oft länger, als ihre Besitzer rechnen. Bernhard Podlech, der auf dem Islandpferdegestüt Hohenstein bei Meidelstetten 140 Islandpferde stehen hat, kennt Tiere mit 30, mit 40, in Einzelfällen mit über 50 Jahren. Pferde Lebenserwartung im Überblick, mit dem Schwerpunkt auf den robusten Rassen.
Die durchschnittliche Lebenserwartung
Pauschal sagt man: Pferde werden 25 bis 30 Jahre alt. Das ist eine grobe Faustregel und stimmt für viele Rassen unter normalen Bedingungen.
Im Detail liegen die Zahlen aber unterschiedlich.
Vollblüter: 22 bis 25 Jahre. Die intensive Sportbelastung im Galoppsport verkürzt die Lebenserwartung.
Warmblüter (Hannoveraner, Holsteiner, Trakehner): 25 bis 28 Jahre. Mäßige Belastung, gute Pflege, durchschnittliche Lebenserwartung.
Quarter Horses: 25 bis 30 Jahre. Westernpferde leben oft länger als Sportpferde.
Friesen: 16 bis 20 Jahre. Eine Rasse mit überdurchschnittlich kurzer Lebenserwartung. Die genauen Gründe sind nicht völlig geklärt, vermutet werden genetische Faktoren.
Haflinger: 30 bis 35 Jahre. Robuste, gut angepasste Pferderasse aus den Bergen.
Islandpferde: 30 bis 40 Jahre, in Einzelfällen darüber. Eine der langlebigsten Pferderassen.
Kleinpferde und Ponys: 30 bis 40 Jahre. Klein und genügsam.
Esel: 35 bis 50 Jahre. Noch länger als Pferde.
Islandpferde leben besonders lange
Das Islandpferd ist eine besonders langlebige Rasse. Bernhard Podlech beschreibt das so: „Sie werden in den letzten Jahren auf jeden Fall sehr alt. Also Pferde mit über 40 Jahren sind heutzutage keine Seltenheit. Es gab in jüngster Vergangenheit auch sogar mal ein Islandpferd, das ist 53 Jahre alt geworden.“
Was Islandpferde so robust macht, ist die Geschichte. Auf der Insel Island lebten die Pferde jahrhundertelang unter rauen Bedingungen, mit kargem Futter und ohne intensive Hochleistungszucht. Wer überlebte, gab seine Gene weiter. Was übrig blieb, ist eine Rasse, die mit wenig auskommt und lange lebt.
Was die Lebenserwartung beeinflusst
Rasse und Genetik. Wie oben gezeigt, gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Rassen. Innerhalb einer Rasse spielen Linien eine Rolle. Manche Familien werden überdurchschnittlich alt.
Haltung. Pferde, die in artgerechter Haltung leben, mit Auslauf, Herde, gutem Futter, leben länger. Boxenpferde mit kurzen Auslaufzeiten sterben oft früher.
Fütterung. Übergewicht ist einer der größten Killer beim Pferd. Hufrehe, EMS, Cushing, Stoffwechselstörungen, all das hängt mit Überfütterung zusammen. Wer mager füttert, lebt länger.
Bewegung. Tägliche moderate Bewegung erhält das Gewebe. Pferde, die viel stehen, bauen schneller ab.
Pflege. Regelmäßiger Hufschmied, Tierarzt, Wurmkur, Zahnbehandlung. Wer das vernachlässigt, riskiert Schäden, die nicht mehr reversibel sind.
Stress. Gestresste Pferde leben kürzer. Häufige Besitzerwechsel, schlechte Reiter, ungeeignete Stallgemeinschaft, all das schadet. Bernhard Podlech: „Pferde sind einfach sehr sensible Tiere, die auch den Menschen eigentlich schnell spiegeln.“
Glück. Auch das gehört dazu. Krankheiten, Verletzungen, Komplikationen können jeden treffen. „Wir haben schon Pferde verloren, leider, das ist immer wieder mal so. Manchmal frühzeitig oder altersbedingt.“
Wann das Alter sichtbar wird
Mit etwa 18 bis 20 Jahren beginnen die ersten Anzeichen des Alters. Mähne wird grauer, Bewegung etwas steifer, Erholung dauert länger. Mit 25 Jahren ist das Pferd Senior, mit 30 in der letzten Lebensphase.
Bernhard Podlech beschreibt das Hauptproblem alter Pferde: „Im Alter ist vor allem auch ihr Gebiss, sind die Zähne ein bisschen das Problem, weil das ja kontinuierlich abgenutzt wird.“ Wenn die Zähne nicht mehr richtig kauen, wird das Futter nicht mehr richtig verdaut. Das Pferd magert ab. Hier kommt aber heutzutage gute Versorgung ins Spiel. Eingeweichte Pellets, weiches Heu, spezielle Senioren-Mischungen ermöglichen es, auch zahnlose Pferde gut zu ernähren.
Wie man die Lebenserwartung positiv beeinflusst
Artgerechte Haltung. Offenstall oder Weide, Herde, Bewegungsfreiheit. Mehr unter Pferdehaltung.
Mageres Futter. Heu, wenig Kraftfutter, kein Zucker. Übergewicht vermeiden.
Tägliche Bewegung. Reiten, Spazieren, Bodenarbeit. Das Pferd nicht stehen lassen.
Regelmäßige Tierarzt-Termine. Zahnkontrolle, Impfung, Wurmkur, Stoffwechseluntersuchung.
Sozialkontakt. Pferde brauchen Pferde. Einzelhaltung verkürzt das Leben.
Stressfreie Umgebung. Ruhiger Stall, kompetente Reiter, klare Strukturen.
Pferde Lebenserwartung, kurz zusammengefasst
Im Schnitt 25 bis 30 Jahre, bei robusten Rassen wie Islandpferden oft deutlich länger. Bis zu 40 oder mehr ist möglich, in Einzelfällen sogar über 50. Was die Lebenserwartung verlängert, sind artgerechte Haltung, mageres Futter, tägliche Bewegung und gute Pflege. Wer diese Punkte beherzigt, schafft die Voraussetzungen für ein langes Pferdeleben.
Mehr unter Pferde Alter und Wie alt werden Islandpferde.
Bernhard Podlech betreibt das Islandpferdegestüt Hohenstein auf der Schwäbischen Alb. Das ganze Gespräch mit Bernhard Podlech gibt es bei pekuu audiostories.
