Süßlupinen anbauen: Erfahrungen aus 10 Jahren Ökolandbau

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Süßlupinen anbauen

2013 war es ein Hektar. Ein Zufall, weil der Weizen über den Winter erfroren war und irgendwas auf die Fläche musste. Linda Kelly und ihre Familie hatten von Süßlupinen gelesen, Saatgut besorgt und einfach losgelegt. „Durch Zufall haben wir von den Süßlupinen gelesen und dann habe ich gedacht, ja, die bauen wir an“, erzählt sie. Heute, dreizehn Jahre später, wachsen zehn Hektar Süßlupinen auf dem Biolandhof Kelly in Herdwangen-Schönach am Bodensee. Was sie in dieser Zeit gelernt hat, füllt mehr als eine Ackerfurche.

Warum die Lupine den Boden besser hinterlässt

„Die Lupine ist eine absolute Superkultur“, sagt Linda Kelly. Und das Wort Superkultur ist bei ihr nicht Marketingsprache, sondern Agronomie. Die Süßlupine ist eine Leguminose. An ihren Wurzeln sitzen Knöllchenbakterien, die Luftstickstoff binden und im Boden anreichern. „Sie hat die Fähigkeit, Luftstickstoff über ihre Knöllchenbakterien im Boden anzureichern und den Stickstoff für sich selber zu verwenden und auch für die Folgekultur zu hinterlassen“, erklärt Linda Kelly.

Im Ökolandbau, wo kein synthetischer Stickstoff vom Lohnunternehmen kommt, ist das ein entscheidender Vorteil. Die Lupine düngt quasi den Boden für die nächste Kultur. Weizenfelder nach Lupine bringen in der Regel bessere Erträge als Weizen nach Weizen. Wer die Kultur nutzen will, sollte sie deshalb bewusst in die Fruchtfolge einplanen.

„Fruchtfolgen muss man einhalten, um Unkraut zu unterdrücken, um keine Krankheiten zu verschleppen und um die Bodenfruchtbarkeit zu fördern“, betont Linda Kelly. Süßlupinen auf dem gleichen Acker in Folge sind keine gute Idee. Anbaupausen von mindestens vier Jahren empfehlen sich, um Pilzkrankheiten wie die Anthraknose in Schach zu halten.

Erträge: Was realistisch ist

Die Ertragserwartung hängt von einem Dutzend Faktoren ab. Linda Kelly bleibt nüchtern: „Wenn es gut läuft, können wir mit unserer Sorte so drei Tonnen im Schnitt ernten. Aber wir hatten auch schon Jahre, wo nur eine Tonne pro Hektar geerntet wurde.“

In guten Jahren gehen die Erträge auf dreieinhalb bis vier Tonnen. Aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Die Faktoren, die darüber entscheiden: Saatgutqualität, Witterung zur Aussaat, Witterung zur Blüte, Witterung zur Ernte, Zeitpunkt und Erfolg der mechanischen Unkrautbekämpfung. „Ganz viele Faktoren hängen zusammen, um den Ertrag sicher einzufahren“, sagt Linda Kelly.

Im Ökolandbau kommt der Striegel zum Einsatz, die Maschinenhacke, teilweise Handarbeit. Herbizide gibt es nicht. Wer das Zeitfenster für die Unkrautbearbeitung verpasst, weil es drei Wochen am Stück regnet, hat ein Problem. Und dieses Problem hatte Linda Kelly mehr als einmal.

Wenn das Wetter alles durchkreuzt

Linda Kelly hat in dreizehn Jahren fast alles erlebt, was das Wetter aufbieten kann. 2018 war der Sommer so trocken, dass die Lupinenschoten auf dem Acker aufplatzten. „Die sind einfach aufgesprungen, weil es so trocken war.“ Die Samen fielen auf den Boden, bevor der Mähdrescher kam. Ernteausfall.

Zwei Jahre später das Gegenteil: „Da war alles so lang nass und kalt, dass wir mit dem Traktor auf dem Acker richtig abgesoffen sind.“ Nicht im übertragenen Sinne. Der Traktor stand bis zur Achse im Matsch. Und einmal hat Hagel zugeschlagen. Achtzig Prozent der Lupinenernte vernichtet.

„Wir sind komplett von dem, was da oben kommt, vom Wetter abhängig“, sagt Linda Kelly und zeigt nach oben. Ihre Strategie: die Felder auf verschiedene Standorte verteilen. Wenn eine Hagelschneise durchzieht, soll nicht die gesamte Ernte betroffen sein. Garantieren kann man nichts. Aber die Wahrscheinlichkeit eines Totalausfalls sinkt.

Sorte und Praxistipps

Linda Kelly baut die Blaue Süßlupine an. Der Name irritiert, denn die Blüten sind weiß und die Samen auch. Sie kommt mit dem Klima im Bodenseehinterland gut zurecht und zeigt dort keine Krankheitsanfälligkeit. Die Aussaat erfolgt im Frühjahr als Sommerung, die Ernte im August mit dem Mähdrescher.

Für Landwirte, die den Anbau zum ersten Mal in Erwägung ziehen, empfiehlt sich der Kontakt zu Betrieben, die schon Erfahrung haben. Die Sortenwahl ist standortabhängig. Was am Bodensee funktioniert, kann in Brandenburg anders aussehen.

Anbau allein reicht nicht

Zehn Hektar Süßlupinen bringen bei drei Tonnen Ertrag dreißig Tonnen Rohware. Linda Kelly verarbeitet einen Teil selbst zu Kaffee, Mehl, Flocken und Würze unter der Marke Lupinello. Den Rest verkauft sie als Rohware an andere Verarbeiter.

„Da muss man schon relativ resilient sein, dass man von Jahr zu Jahr weitermacht“, sagt sie. Der Anbau ist kein Selbstläufer. Aber für Betriebe, die eine Nische suchen und bereit sind, die Lernkurve mitzugehen, kann die Süßlupine ein Betriebszweig mit Zukunft sein. Linda Kelly hat das bewiesen. Von der Bratpfanne bis zum Sortiment mit über einem Dutzend Produkten.

Linda Kellys Geschichte hören im pekuu audiostories Podcast.

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