Erlebnis Bauernhof Bayern: Andrea Maucher will Schulklassen zeigen, woher Essen kommt

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Andrea Maucher hat im Winter eine Fortbildung beim Amt für Landwirtschaft gemacht. Wenn ihr Antrag durchgeht, darf sie beim Programm Erlebnis Bauernhof mitmachen. Dann kommen Schulklassen auf die Alpe Sonnhalde bei Oberstaufen, um zu sehen, wie Lebensmittel hergestellt werden. Für Andrea ist das nicht einfach ein Zusatzangebot. Es ist der logische nächste Schritt.

Denn Andrea hat Erziehungswissenschaft studiert. Und sie hat zwei eigene Kinder, die auf der Alpe aufwachsen. Die beiden wissen, dass die Kitze im Stall nicht alle bleiben werden. „Die Wurst war mal ein Tier“, sagt Andrea. „Das Tier muss geschlachtet werden, um zur Wurst zu werden. Und das erklären wir ihnen von Anfang an.“

Was ist das Programm Erlebnis Bauernhof?

Das Programm Erlebnis Bauernhof ist eine Initiative des Freistaats Bayern. Die Idee: Jede Schulklasse soll mindestens einmal einen Bauernhof besucht haben. Lehrer können auf einer Seite des Amts für Landwirtschaft ihre Postleitzahl eingeben und Höfe in der Umgebung finden. Die teilnehmenden Betriebe bieten Programme an, die zum Lehrplan passen. Finanziert wird das Ganze von der bayerischen Regierung.

Für Andrea ist das Programm eine Chance, das weiterzugeben, was sie auf der Sonnhalde jeden Tag lebt: den Kreislauf von Tier, Milch und Lebensmittel. Ziegen melken, Quark machen, verstehen, warum die Weidewirtschaft in den Bergen keine Folklore ist, sondern Notwendigkeit.

Warum Tierhaltung im Allgäu Sinn ergibt

Andrea erklärt es sachlich. „Im Allgäu ist Tierhaltung die sinnvollste und effektivste Art, Landwirtschaft zu betreiben, weil man auf den Flächen da oben nichts anderes anbauen könnte im großen Stil.“ Die steilen Wiesen auf 900 bis 1.100 Metern Höhe eignen sich nicht für Ackerbau. Was dort wächst, ist Gras. Und Gras können Menschen nicht verdauen. Ziegen und Rinder schon. So wird aus Gras Milch, aus Milch Käse, aus Tieren Fleisch.

Das klingt selbstverständlich. Ist es für viele Kinder und Jugendliche aber nicht mehr. Andrea hat Jugendliche kennengelernt, die ihre Freunde nur noch online treffen und gar nicht mehr draußen sind. Und sie hat Gäste erlebt, die nicht wussten, dass Kühe von Natur aus Hörner tragen. Einer sagte beim Blick auf die Rinder: „Die haben alle Hörner, das sind lauter Stiere.“ Es waren nur Kühe.

Was Kinder auf der Sonnhalde lernen würden

Die Alpe Sonnhalde ist ein Demeter-Betrieb mit Ziegen, Rindern und Hühnern. Alle Tiere tragen ihre Hörner, alle sind Tag und Nacht draußen. Die Milch wird von Hand gemolken, der Quark in einem Tuch aufgehängt, der Käse im Keller gepflegt. Nichts davon passiert hinter verschlossenen Türen.

Andrea könnte Schulklassen zeigen, wie aus Milch innerhalb von 24 Stunden Quark wird. Wie Lab die Milch eindickt. Wie die Molke abtropft und trinkbar ist. Wie ein Käse gewendet werden muss, erst alle fünf Minuten, dann immer seltener. Und warum der Käse auf der Sonnhalde jedes Mal ein bisschen anders schmeckt, weil die Hütte nicht gedämmt ist und die Temperatur schwankt.

Dazu die Weideflächen: 31 Hektar, extensiv bewirtschaftet, voller Blumenarten. „Die Weidewirtschaft in den Alpen ist auch Kulturlandschaftspflege“, sagt Andrea. Die Kinder würden sehen, dass Landwirtschaft nicht nur Produktion ist, sondern auch Landschaft erhält.

Die eigenen Kinder als Beweis

Andreas Tochter ist sechs, das Pflegekind drei. Beide wachsen auf der Alpe auf. „Die brauchen nicht viel“, sagt Andrea. „Die spielen mit Kieselsteinen, mit Tannenzapfen, mit Holzstöcken und haben da die tollsten Ideen.“ Die Tochter war anfangs skeptisch gegenüber Tieren, nach einer schlechten Erfahrung mit einem Hund. Inzwischen hat sie Vertrauen gewonnen. Das Pflegekind lernt im Umgang mit den Tieren, ruhiger zu werden.

Die Familie geht manchmal mit zwei zahmen Ziegenböcken wandern. Flaschenaufgezogen, sie laufen Andreas Mann hinterher wie Hunde. „Da fällt gar nicht auf, dass man wandert“, sagt Andrea. Für die Kinder ein Highlight.

Das Programm Erlebnis Bauernhof könnte ähnliche Erlebnisse für Schulklassen ermöglichen. Nicht als Event, sondern als Einblick in einen Alltag, den die meisten Kinder nicht kennen.

Wie Lehrer einen Erlebnis-Bauernhof finden

Auf der Website des bayerischen Amts für Landwirtschaft gibt es eine Suchfunktion. Lehrer geben ihre Postleitzahl ein und sehen Betriebe in der Nähe, die am Programm teilnehmen. Jeder Hof bietet Programme an, die zum Lehrplan passen. Die Kosten übernimmt der Freistaat Bayern. Es gibt also keine finanzielle Hürde.

Sobald Andreas Antrag genehmigt ist, wird auch die Alpe Sonnhalde dort gelistet sein. Ein Demeter-Ziegenhof auf 900 Metern, auf dem Kinder sehen können, was zwischen Weide und Teller passiert.

[INTERNER LINK: Andrea Maucher – Ziegenkäse, Demeter und Familienleben auf der Alpe Sonnhalde]

Andrea Maucher erzählt im Podcast pekuu audiostories ausführlich über ihr Leben auf der Alpe Sonnhalde.

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