Von der Terrasse aus sieht es friedlich aus. Wanderer sitzen in der Sonne, essen Ziegenkräuterquark auf Brot, trinken ein Bier von der regionalen Bio-Brauerei. Ein paar Meter weiter grasen Ziegen mit Hörnern auf der Weide. Dahinter Streuobstbäume, der Wanderweg Richtung Buchenegger Wasserfälle, Abendsonne. Die Alpe Sonnhalde bei Oberstaufen sieht aus wie aus einem Bilderbuch. Was die Gäste nicht sehen: Andrea Maucher hat seit fünf Uhr morgens gearbeitet.
Kein Hotelbetrieb, kein großes Team
Die Sonnhalde ist keine Almhütte mit zehn Angestellten und Übernachtungsbetrieb. Andrea und ihr Mann machen das zu zweit. In der Saison 2026 haben sie zum ersten Mal zwei Aushilfen. Übernachten kann man nicht. „Das wäre uns zu viel“, sagt Andrea. Denn die Gastronomie ist nur ein Teil der Arbeit.
Die Familie bewirtschaftet 31 Hektar Weidefläche. Die Flächen ziehen sich 200 Höhenmeter nach oben. Rund 100 Tiere leben dort im Sommer, Hühner mitgezählt. Zäune müssen gemacht werden, Tiere versorgt, Milch verarbeitet. „Es läuft ganz viel im Hintergrund“, sagt Andrea. „Oder auch die Milchverarbeitung ist natürlich zeitintensiv, wenn man Käse macht.“
Was auf der Speisekarte steht
Die Karte ist kurz. Eigener Ziegenkräuterquark, eigener Ziegenschnittkäse als Brotzeit, wenn er verfügbar ist. Landjäger und Ziegenpfefferbeißer von Landwirten, die Andrea und ihr Mann persönlich kennen. „Wir waren in den Ställen, haben gesehen, wo die Tiere leben“, sagt sie. Auf der Speisekarte steht, aus welchem Ort und Betrieb jedes Produkt kommt.
Dazu Tagesgerichte nach Saison: Ziegenkäseapfelsalat, Wurstsalat aus eigenem Ziegenleberkäse. Hausgemachte Kuchen, bei denen Andrea die eigenen Produkte einsetzt. Käsekuchen nur mit eigenem Ziegenquark. Molkekuchen statt Buttermilchkuchen, weil bei der Quarkherstellung ohnehin Molke anfällt. Wenn im Herbst eigene Äpfel da sind, gibt es Apfelkuchen. Wenn Beeren im Garten reif werden, kommen die rein.
Für Gruppen gibt es auf Anfrage Ziegenkäsequiche. Das Rezept wurde sogar in einem Allgäu-Kochbuch veröffentlicht.
Getränke: Bier von einer regionalen Bio-Brauerei, frische Ziegenmilch, Ziegenmolke, ein paar Spirituosen und alkoholfreie Getränke.
Wie man hinkommt
Die Sonnhalde liegt nicht oben auf dem Berg, sondern eingebettet im Mittelbachtal auf 900 Metern. Von verschiedenen Richtungen erreichbar:
Vom Hündle aus – dem bekannten Familienberg bei Oberstaufen mit Bergbahn. Von der Hochgratbahn aus – über den eher abgeschiedenen Höhenzug von Denneberg und Brodel. Von Steibis – dem Ortsteil, den man von der Hütte aus sehen kann. Oder von Talkirchdorf bei Immenstadt, wo es einen kleinen Parkplatz gibt.
Mehrere E-Bike-Touren, die von der Gemeinde Oberstaufen beworben werden, führen direkt an der Hütte vorbei. Wegbeschreibungen gibt es auf der Homepage der Alpe Sonnhalde.
Regentage
Wenn es regnet, hat Andrea trotzdem offen. Es gibt eine Gaststube, Gäste können drinnen sitzen. Aber es kommen weniger. „Ich habe nie ganz frei, weil ich ja immer abrufbar bin, falls Gäste kommen“, sagt Andrea.
Nach einer langen Schönwetterphase genießt die Familie die Ruhe. Andrea liest den Kindern vor oder spielt mit ihnen. Aber wenn es mehrere Tage regnet, wird es schwierig. Die Kinder sind Bewegung draußen gewohnt. Manchmal müssen sie in den Stall zum Spielen, um sich auszutoben. Und im Hinterkopf ist dann auch der Umsatz. „Zwei Wochen Regen ist für das Geschäft auch schwierig.“
Warum Leute sagen, der Ort ist schön
Andrea hat oft darüber nachgedacht. Die Sonnhalde ist im Tal eingebettet, aber der Blick geht offen hinaus. Man sieht nach Steibis rüber, die Hügel in der Ferne. „Man fühlt sich trotzdem sehr frei und offen“, sagt sie. Die Hütte zeigt nach Westen. Abends werfen die Streuobstbäume lange Schatten. Die Sonnenuntergänge sind laut Andrea das Beste an der Wetterseite.
Wer es ruhiger mag, kann 200 Höhenmeter weiter nach oben auf die Weideflächen wandern. Da oben sieht man nur noch Natur. Fichtenwald im Rücken, Wacholderbüsche auf der Weide, Blumen im Sommer. Keine Ortschaft, keine Lichter. „Da bist du einfach irgendwie in einer eigenen Welt.“
[INTERNER LINK: Alpe Sonnhalde – Demeter-Ziegenhof mit Gastronomie]
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Andrea Maucher erzählt im Podcast pekuu audiostories ausführlich von ihrem Alltag auf der Sonnhalde.
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