Von der Hochgratbahn zur Alpe Sonnhalde: Eine Wanderung, die kaum jemand kennt

·

Die Hochgratbahn bei Oberstaufen bringt im Sommer tausende Wanderer auf den Hausberg. Die meisten laufen oben die bekannten Wege. Was wenige wissen: Vom Parkplatz der Hochgratbahn aus führt ein Weg über den Höhenzug von Denneberg und Brodel zur Alpe Sonnhalde – und der ist „recht unbekannt“, wie Andrea Maucher sagt. Andrea betreibt die Sonnhalde mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern. Sie kennt die Gegend aus jeder Himmelsrichtung.

Der stille Höhenzug

Denneberg und Brodel gehören für Andrea zu den schöneren, ruhigeren Punkten in der Umgebung. Wer auf der Sonnhalde nach einer Wanderempfehlung abseits der Hotspots fragt, bekommt diesen Weg genannt. „Das ist eine eher abgeschiedene Seite“, sagt sie.

Im Vergleich zum Hündle, dem bekannten Familienberg auf der anderen Seite der Sonnhalde, ist hier deutlich weniger los. Kein Berggasthof alle paar hundert Meter, kein Instagram-Spot. Dafür Natur, die man für sich hat. Zumindest meistens.

Was am Ende des Weges wartet

Die Alpe Sonnhalde liegt im Mittelbachtal auf 900 Metern, eingebettet zwischen Wald und Weideflächen. Von der Terrasse aus sieht man Streuobstbäume, den Gemüsegarten und den Wanderweg Richtung Buchenegger Wasserfälle. Die Hütte zeigt nach Westen. Abends gibt es Sonnenuntergänge, die den Umweg wert sind.

Auf der Karte: eigener Ziegenkräuterquark, Ziegenschnittkäse als Brotzeit, Landjäger und Ziegenpfefferbeißer von regionalen Landwirten, hausgemachte Kuchen. Dazu frische Ziegenmilch und Bier von einer regionalen Bio-Brauerei. Andrea kocht saisonal und nach Verfügbarkeit. Auf der Speisekarte steht, woher jedes Produkt kommt.

Die Sonnhalde ist ein Demeter-Ziegenhof. Die Ziegen und Rinder tragen alle ihre Hörner, sind Tag und Nacht draußen. Die Milch wird von Hand gemolken. Wer auf der Terrasse sitzt, sieht die Tiere auf der Weide. Kein inszeniertes Alpe-Erlebnis, sondern ein Betrieb, der läuft.

Andere Richtungen zur Sonnhalde

Wer nicht von der Hochgratbahn aus starten will, hat Alternativen. Von Steibis ist die Sonnhalde direkt erreichbar. Vom Hündle mit Bergbahn ebenfalls. Und von Talkirchdorf bei Immenstadt gibt es einen kleinen Parkplatz, von dem aus man hochwandern kann.

Mehrere E-Bike-Touren, die von der Gemeinde Oberstaufen gepflegt werden, führen an der Hütte vorbei. Die Wege sind gut ausgebaut. Übernachten kann man auf der Sonnhalde nicht, aber darum geht es auch nicht. Es geht um eine Pause an einem Ort, der sich nicht verstellt.

Oben auf den Flächen

Wer nach der Einkehr noch weiter will, kann auf die Weideflächen der Sonnhalde wandern. Die gehen 200 Höhenmeter über die Hütte hinaus. Andrea beschreibt es so: Fichtenwald im Rücken, die Weideflächen fallen wie ein langer Streifen ab, umsäumt von Wald. Vereinzelt Wacholderbüsche, im Sommer viele Blumenarten. Von da oben sieht man keine Ortschaft mehr. Nur Berghügel in der Ferne und Himmel darüber.

„Da bist du einfach in einer eigenen Welt“, sagt Andrea. Abends keine Lichter, nachts Stille. Eine andere Atmosphäre als unten an der Hütte, wo man rüber nach Steibis sehen kann. Hier oben ist nur Natur.

Der Weg von der Hochgratbahn über Denneberg und Brodel zur Sonnhalde und hinauf auf die Flächen – das ist die Art Wanderung, bei der man vergisst, dass man in einem der meistbesuchten Feriengebiete Deutschlands unterwegs ist.

Andrea Maucher erzählt im Podcast pekuu audiostories von ihrem Alltag auf der Alpe Sonnhalde.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert