Koffeinfreier Kaffee
Die meisten Menschen, die nach koffeinfreiem Kaffee suchen, kennen zwei Optionen. Entkoffeinierten Bohnenkaffee, der durch ein chemisches Verfahren sein Koffein verliert. Oder Getreidekaffee, der nach allem schmeckt, nur nicht nach Kaffee. Linda Kelly hat eine dritte Option geschaffen, die in keine dieser Schubladen passt.
Auf ihrem Biolandhof in Herdwangen-Schönach am Bodensee röstet sie Süßlupinen zu einem Kaffee, der von Natur aus kein Koffein enthält. Kein chemischer Entzug. Kein Kompromiss. Die Süßlupine hat schlicht kein Koffein. „Natürlich sagt der eine oder andere, ich brauche mein Koffein. Davon will ich ihn gar nicht abbringen“, sagt sie. „Aber vielleicht gibt es ja auch eine Mischung.“
Wie die Lupine zum Kaffee wurde
2013 röstete Linda Kelly zum ersten Mal Lupinensamen in einer Bratpfanne. Ein Experiment, geboren aus einem Zufall. Der Weizen auf einem Hektar Acker war über den Winter erfroren, und irgendwas musste auf die Fläche. Linda Kelly und ihre Mutter Johanna hatten von Süßlupinen gelesen und einfach losgelegt. Ältere Damen in ihrem Dorf hatten den Tipp gegeben: einfach in der Pfanne rösten. „Dann war die ganze Küche unter Rauch gesetzt und wir hatten aber schöne geröstete Lupinensamen.“ Die Bohnen wurden gemahlen, durch einen Papierfilter aufgebrüht. Und schmeckten. „Da war dieser Wow-Effekt: Oh, Blümchenkaffee schmeckt.“
Seitdem hat sich aus dem Experiment ein Produkt entwickelt, das Linda Kelly unter der Marke Lupinello deutschlandweit verkauft. Die Lupinen wachsen auf den eigenen Feldern, zehn Kilometer Luftlinie zum Bodensee. Ernte, Röstung, Verpackung, alles auf dem Hof. Der koffeinfreie Kaffee ist eines ihrer beiden Lieblingsprodukte.
Geschmack: Näher am Original als erwartet
Koffeinfreier Kaffee hat ein Imageproblem. Viele denken an wässrige Aufgüsse, an Malzgeschmack, an Enttäuschung. An Getreidekaffee, der nach allem schmeckt, nur nicht nach Kaffee. Der Lupinenkaffee schmeckt anders. „Wenn man Lupinenkaffee und normalen Kaffee nebeneinander stellen würde, wird der eine oder andere sagen: Oh ja, das ist ein angenehmer Kaffee, ein milder Kaffee“, erzählt Linda Kelly. Nussig, rund, ohne die Schärfe mancher Bohnenkaffees. „Ich glaube nicht, dass jemand drauf kommen würde, dass es Lupinen sind.“
Der entscheidende Unterschied zu entkoffeiniertem Bohnenkaffee: Bei der Lupine wurde nichts entfernt. Es war nie etwas drin. Kein Extraktionsverfahren, kein Lösungsmittel, kein Wasserentzug. Die Bohne kommt so vom Feld, wie sie in die Tasse kommt. Nur geröstet und gemahlen.
Mischen statt umsteigen
Linda Kelly empfiehlt Einsteigern eine pragmatische Variante. Normalen Bohnenkaffee und Lupinenkaffee mischen. „Dann schmeckt er ein bisschen angenehmer, milder und hat nicht mehr so die starken Kaffeesäuren.“ Halb und halb ist ein guter Start. Wer abends noch eine Tasse trinken will, nimmt reinen Lupinenkaffee. Morgens vielleicht die Mischung.
Das Ritual bleibt. Der Geschmack bleibt. Nur das Koffein fällt weg. Für Menschen, die abends nicht wach liegen wollen, für Schwangere, für alle mit empfindlichem Magen. Koffeinfreier Kaffee, der nach Kaffee schmeckt und nicht nach Verzicht.
Die Zubereitung funktioniert mit jeder Methode: Papierfilter, French Press, Espressokocher, Vollautomat. Im Filter wird der Lupinenkaffee klar und leicht, in der French Press voller und runder. Manche Kunden trinken ihn abends als warmes Getränk zum Runterkommen, weil er nicht aufdreht und trotzdem nach Kaffee schmeckt.
Warum keine Kaffeesäure
Was den Lupinenkaffee zusätzlich verträglich macht: Er hat keine Kaffeesäuren. Bohnenkaffee enthält Chlorogensäure, die bei vielen Menschen Sodbrennen oder Magenbrennen auslöst. Die Süßlupine hat diese Säure nicht. Wer magenfreundlichen Kaffee sucht, findet hier eine Option, die gleich zwei Probleme löst: kein Koffein und keine Säure.
Linda Kelly fasst es so zusammen: „Der Lupinenkaffee ist reizstoffarm und hat diese Kaffeesäuren nicht. Dann ist er natürlich auch interessant für die basische Ernährung.“ Nicht als Medizin. Aber als tägliche Gewohnheit, die den Körper nicht zusätzlich belastet.
Regional statt geröstet in Übersee
„Jeder, der eine Tasse Lupinenkaffee trinkt, anstatt importierten Bohnenkaffee, der setzt natürlich auch einen guten CO2-Fußabdruck.“ Die Lupinen wachsen in Herdwangen-Schönach. Dreißig Kilometer vom Feld bis in die Tasse. Eine Tasse Bohnenkaffee aus Brasilien hat zehntausend auf dem Buckel.
Koffeinfreier Kaffee aus der Region. Das klingt nach einer kleinen Sache. Aber für Linda Kelly ist es das Ergebnis von dreizehn Jahren Arbeit, einer verrauchten Küche und der Überzeugung, dass die Süßlupine mehr kann als hübsch blühen.
Die ganze Geschichte im pekuu audiostories Podcast.
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