Getreidekaffee war gestern: Was Lupinenkaffee anders macht

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Getreidekaffee

Getreidekaffee hat in Deutschland eine lange Tradition. Gerste, Roggen, Malz, manchmal Zichorie. In Kriegszeiten getrunken, weil es nichts anderes gab. Heute gekauft, weil er kein Koffein hat. Aber Hand aufs Herz: Getreidekaffee schmeckt nach Getreide. Nicht nach Kaffee. Genau das wollte Linda Kelly ändern.

Als sie 2013 zum ersten Mal Süßlupinen in einer Bratpfanne röstete, war der Moment des Probierens entscheidend. „Da war dieser Wow-Effekt: Oh, Blümchenkaffee schmeckt.“ Blümchenkaffee, so nannte ihre Generation den Ersatzkaffee der Großmütter. Aber dieser hier war anders. Dichter. Nussiger. Näher am Bohnenkaffee als jeder Getreidekaffee, den sie kannte.

Was den Unterschied macht

Getreidekaffee basiert auf Stärke. Getreide enthält hauptsächlich Kohlenhydrate, die beim Rösten karamellisieren. Daraus entstehen malzige, leicht süße Aromen. Aber die Komplexität fehlt. Die Tiefe, die Bohnenkaffee durch Fette, Säuren und hunderte flüchtige Aromastoffe bekommt, kann Getreide nicht liefern.

Die Süßlupine bringt etwas anderes mit. Einen hohen Eiweißanteil und Fette, die beim Rösten ganz andere Reaktionen auslösen als reine Stärke. Die Maillard-Reaktion zwischen Aminosäuren und Zucker erzeugt Aromen, die dem Bohnenkaffee ähneln. Deshalb schmeckt Lupinenkaffee kaffeeähnlicher als Getreidekaffee, obwohl beides kein Kaffee ist.

Linda Kelly bringt es auf den Punkt: „Wenn man Lupinenkaffee und normalen Kaffee nebeneinander stellen würde, ich glaube nicht, dass jemand drauf kommen würde, dass es Lupinen sind.“ Das kann Getreidekaffee nicht von sich behaupten.

Kein Koffein, keine Säure, basisch

Was Lupinenkaffee mit Getreidekaffee teilt: kein Koffein. Wer gezielt nach koffeinfreiem Kaffee sucht, hat mit der Lupine die beste Option. Was den Lupinenkaffee zusätzlich unterscheidet: Er ist basisch, hat keine Kaffeesäuren und ist reizstoffarm. Für Menschen mit empfindlichem Magen, die magenfreundlichen Kaffee suchen, kann das entscheidend sein.

„Durch den Lebenswandel, den wir haben, viel Stress, vielleicht nicht ganz die richtige Ernährung, sind wir oft übersäuert“, sagt Linda Kelly. Ein Kaffee, der nicht säuert, ist da kein schlechter Start in den Tag. Getreidekaffee ist zwar auch koffeinfrei, wirkt im Körper aber nicht basisch. Die Lupine schon.

Die Geschichte in der Tasse

Linda Kelly erzählt gerne, wie alles anfing. Ihre Mutter Johanna fragte die älteren Damen im Ort Oberndorf, wie man rösten könnte, wenn man keinen Trommelröster hat. „Die haben gesagt: Probiert es einfach mal in der Pfanne.“ Das taten sie. Die Küche stand voller Rauch, aber die gerösteten Lupinensamen ergaben einen Kaffee, der überzeugte. Das war 2013. Heute ist Lupinello eine Marke mit über einem Dutzend Produkten, und der Lupinenkaffee ist das Flaggschiff.

Bei Getreidekaffee kauft man ein Industrieprodukt aus anonymer Herstellung. Bei Lupinello kauft man ein Produkt, dessen Rohstoff auf einem konkreten Feld am Bodensee gewachsen ist, von einer konkreten Person geröstet und verpackt wurde. Der Unterschied ist nicht nur geschmacklich.

Wo der Lupinenkaffee herkommt

Getreidekaffee gibt es im Supermarkt von verschiedenen Herstellern. Die Rohstoffe stammen oft aus anonymen Lieferketten. Bei Linda Kelly ist das anders. Die Süßlupinen wachsen auf dem eigenen Biolandhof in Herdwangen-Schönach am Bodensee. Bioland-zertifiziert. Zehn Hektar. Die Röstung passiert auf dem Hof, der Versand auch.

„Alles, was hier regional vor der Haustüre wächst, das ist einfach die bessere Wahl“, sagt sie. Kein Import, keine Zwischenhändler. Vom Acker in die Tüte, von der Tüte in die Tasse. Dreißig Kilometer statt zehntausend.

Für wen sich der Wechsel lohnt

Wer Getreidekaffee trinkt und zufrieden ist, muss nichts ändern. Aber wer sich mehr Kaffeearoma wünscht, ohne zu Bohnenkaffee zurückzukehren, sollte Lupinenkaffee probieren. Der Geschmack überrascht fast immer.

Linda Kellys Tipp für den Umstieg: mit einer Mischung anfangen. Getreidekaffee und Lupinenkaffee zusammen. Oder Lupinenkaffee und Bohnenkaffee halb und halb. Dann langsam den Lupinenanteil erhöhen. Kein harter Bruch, sondern ein sanfter Übergang.

Die Bratpfanne von 2013 steht längst im Regal. Die Küche raucht nicht mehr. Aber der Kaffee, der damals daraus wurde, schmeckt immer noch.

Wie Linda Kelly den Lupinenkaffee entdeckte, erzählt sie im pekuu audiostories Podcast.

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