Am 3. Mai 2025 wechselten an den Ortseingängen von Tettnang die Schilder. Wo vorher nur Tettnang stand, steht jetzt Hopfenstadt Tettnang. Eine kleine Geste, ein kurzer Moment, ein paar geschraubte…
Am 3. Mai 2025 wechselten an den Ortseingängen von Tettnang die Schilder. Wo vorher nur Tettnang stand, steht jetzt Hopfenstadt Tettnang. Eine kleine Geste, ein kurzer Moment, ein paar geschraubte Tafeln. Was dahinter steht, ist ein Antragsprozess, der mehrere Jahre gedauert hat.
Theresa Locher, Geschäftsführerin des Hopfenpflanzerverbands Tettnang, erinnert sich. Im Dezember habe Tettnang offiziell die Zusatzbezeichnung Hopfenstadt bekommen, sagt sie. Dezember 2024 war der Bescheid des Regierungspräsidiums. Mai 2025 war die Übergabe der neuen Schilder.
Wie der Titel zustande kam
Zusatzbezeichnungen wie Hopfenstadt werden in Deutschland nicht von der Stadt selbst entschieden. Sie werden beim Regierungspräsidium beantragt und dort geprüft. Theresa beschreibt den Aufwand. Es sei ein sehr langwieriger Prozess gewesen, mehrere Jahre habe es gedauert. Das sei nicht einfach was, die Stadt entscheide, sondern das gehe bis zum Regierungspräsidium hoch.
Geprüft werden bei einer solchen Bezeichnung zwei Fragen. Hat die Stadt tatsächlich eine besondere Verbindung zum Begriff? Und ist die Bezeichnung nicht missverständlich oder werblich überzogen? Bei Tettnang war beides klar zu beantworten. Über 180 Jahre Hopfenbau, das größte Anbaugebiet Baden-Württembergs, eine seit 2010 EU-weit geschützte Marke. Die Verbindung zur Stadt ist nicht nur kulturell, sondern existenziell. Wer hier lebt, lebt im weitesten Sinne mit Hopfen.
Was die Bezeichnung praktisch heißt
Tettnang heißt jetzt offiziell Hopfenstadt Tettnang. Auf den Ortsschildern an allen Einfallstraßen, in offiziellen Schreiben der Stadtverwaltung, im Briefkopf, in der Außenkommunikation. Vergleichbar mit Bezeichnungen wie Universitätsstadt, Hansestadt oder Kurstadt.
Die Bezeichnung ist symbolisch und gleichzeitig praktisch. Für eine Stadt mit etwa 19.000 Einwohnern, deren Identität seit fast zwei Jahrhunderten mit einer einzigen Pflanze verknüpft ist, ist das ein Statement. Theresa sagt es kurz. Das sei eine Wertschätzung von der Stadt. Die Stadt zeige damit, dass der Tettnanger Hopfen für sie ein Statussymbol sei.
Drei Jahre warten, drei Stunden Übergabe
Was diesen Vorgang interessant macht, ist das Verhältnis von Wartezeit und Ereignis. Mehrere Jahre Antragsprozess, Prüfung, Verhandlung, Bescheide. Und dann ein Vormittag im Mai mit dem Schraubenzieher am Ortsschild. Theresa und der Verband waren bei der offiziellen Übergabe am 3. Mai 2025 mit dabei. Wir seien natürlich auch mit dabei gewesen, sagt sie. Vertreter der Stadt, des Regierungspräsidiums und der Politik kamen zur kleinen Feier. Anschließend wurden die alten Schilder ersetzt.
Seitdem fährt jeder, der nach Tettnang kommt, an einem Schild vorbei, auf dem unter dem Stadtnamen die Zusatzbezeichnung steht. Wer es nicht weiß, übersieht es. Wer es weiß, weiß, was die Stadt zu sagen hat.
Was die Stadt mit dem Titel vorhat
Die Stadt Tettnang plant, die Verbindung zum Hopfen stärker im Stadtbild und im Marketing zu betonen. Möglich sind Maßnahmen wie Hopfenrebenpflanzungen in der Innenstadt (eine erste Aktion gab es bereits 2024), Festivals rund um den Hopfen oder eine engere Verzahnung mit dem Tettnanger Hopfenmuseum in Siggenweiler. Wie viel davon konkret umgesetzt wird, hängt von Budgets und politischen Prioritäten ab.
Theresa und der Verband begrüßen die Entwicklung. Wer den Tettnanger Hopfen vermarkten will, profitiert davon, wenn die Stadt sich offen zur Sorte bekennt. Bekanntheit ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben für die nächsten Jahre. Die Hopfenstadt-Bezeichnung ist dafür ein Werkzeug.
Andere Hopfenstädte
Tettnang ist nicht die einzige Stadt mit Hopfen-Bezug. In Spalt führt die Stadt ähnliche Marketing-Maßnahmen durch. In Wolnzach in der Hallertau gibt es das Deutsche Hopfenmuseum, und die Stadt bewirbt ihre Hopfen-Identität aktiv.
Was Tettnang dabei einzigartig macht, ist die Sorte Tettnanger, die hier seit 1844 angebaut wird und weltweit nur hier wächst. Eine Stadt mit ihrer eigenen Hopfensorte ist eine seltene Konstellation. Wolnzach und Spalt haben ihre eigenen Traditionen. Aber eine eigene, geschützte Sorte zu pflegen ist eine andere Stufe.
Was am Ende ein Schild verändert
Symbolisch ist die Bezeichnung viel. Praktisch ist sie ein Anfangspunkt. Theresa nennt sie eine Wertschätzung. Was die Stadt und der Verband daraus machen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.
Eine Sache ist seit Mai 2025 in Tettnang anders. Wer in die Stadt einfährt, sieht direkt, was hier wächst. Ohne Frage. Ohne „sind das Bohnen?“.
Mehr über die Person hinter dem Tettnanger Hopfenanbau im Personen-Artikel zu Theresa Locher und im pekuu audiostories Podcast.
