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Hopfenpflanzerverband Tettnang

Sie kennt jeden einzelnen Betrieb. Jeden einzelnen Betriebsleiter. Das ist ein Satz von Theresa Locher, der nüchterner klingt, als er ist. Rund 120 Familien bewirtschaften das Anbaugebiet, das sich im Radius von ungefähr zwanzig Kilometern um Tettnang erstreckt. Theresa ruft sie alle beim Namen.

Sie führt seit einem Jahr den Hopfenpflanzerverband Tettnang. Mit Achtundzwanzig damals, eine der jüngsten Verbandsgeschäftsführerinnen in der deutschen Landwirtschaft.

Was hinter den 120 Familien steht

Das, was Theresa beschreibt, ist nicht Statistik. Das sind wirklich Familienbetriebe, sagt sie. Großmutter wäre fast die richtige Anrede, Oma, Opa, Mama, Papa, da packe jeder mit an. Im Schnitt hat ein Tettnanger Betrieb gut zwölf Hektar Hopfen. Manche sind kleiner, manche größer. Die meisten haben zusätzlich Obst, weil sich die Arbeitsspitzen ergänzen. Hopfen ist eine Dauerkultur mit langer Vegetation, Obst hat andere Zyklen.

Was sie alle teilen, ist das Anbau-Sortenspektrum. Etwa die Hälfte der Fläche ist mit dem Landtyp Tettnanger belegt, einer hochfeinen Aromasorte, die nur hier wächst. Dazu Hallertauer Mittelfrüher, neuere Aromasorten und Flavor-Hops aus der Züchtung.

Was die Geschäftsführerin macht

Die Aufgaben sind nicht ein Thema, sondern eine Liste, die mit der Saison atmet. Politische Vertretung gegenüber Behörden. Pflanzenschutz. Mindestlohn-Fragen für Saisonarbeitskräfte, die aus Rumänien und Polen kommen. Marketing für die Marke Tettnanger Hopfen, die seit 2010 EU-geschützte geografische Angabe ist. Betreuung der amtierenden Hopfenhoheiten, die alle zwei Jahre neu gewählt werden. Krisenmanagement, wenn das Wetter kippt oder eine neue EU-Verordnung kommt.

Theresa hat sechs Jahre als rechte Hand des damaligen Geschäftsführers mitgelaufen, bevor sie nachgerückt ist. Im ersten Moment, sagt sie, habe sie sich gefragt, ob sie das alles wuppt. Ein Jahr später ist die Frage noch da. Die Antwort aber auch.

Drei Buchstaben, die niemand kennt: HVG

Neben dem Verband gibt es in Tettnang die HVG, die Hopfenverwertungsgenossenschaft. 1975 ist die Tettnanger Vorläufer-Genossenschaft gegründet worden. 2001 ist sie mit Hallertau und Elbe-Saale fusioniert. Sie nimmt den Hopfen vom Pflanzer nach der Ernte ab und verarbeitet ihn weiter zu Pellets.

Theresa arbeitet auch dort. Eine Doppelrolle, die im Anbaugebiet sonst niemand hat. Der Verband ist Interessensvertretung, die HVG ist Handel. Beides liegt aufeinander, und Theresa sitzt an der Naht.

Die größere Karte

Tettnang macht rund dreieinhalb Prozent der weltweiten Hopfenmenge aus. Das klingt klein. Im Aromahopfen-Segment ist es viel. Über vierzig Prozent des global angebauten Hopfens kommen aus Deutschland. Vier Anbaugebiete teilen sich die Fläche: Hallertau, Tettnang, Spalt und Elbe-Saale. Hallertau ist mit Abstand das größte. Tettnang das südlichste. Spalt das traditionellste. Elbe-Saale das jüngste.

Was bei Theresa anders ist

Die meisten Verbandsfunktionäre kommen aus der Verwaltung. Theresa nicht. Ihre Eltern sind einer der 120 Betriebe. Wenn ein Pflanzer anruft mit einem Problem, weiß sie schon im ersten Satz, wie das Problem konkret aussieht. Weil sie es kennt. Weil sie nachmittags selbst draußen ist, mit anpackt, anleitet, schneidet. Sie sehe von A bis Z, sagt sie, was im Anbaugebiet passiert. Vom Anbau über die politische Schiene bis zur Vermarktung.

Die Geduld, die der Job braucht

Verbandsarbeit ist langsam. Theresa sagt es selbst. Manches sei seit Jahren auf der Agenda und werde es vielleicht weitere Jahre bleiben. Wenn man sich nicht mehr Gehör verschaffe, sei das Thema für die Institutionen erledigt. Deswegen dranbleiben, dann wird das schon.

Sie sagt es nicht klagend. Sie sagt es als Beschreibung. Wer die 120 Familien vertritt, kennt die Geschwindigkeit der Politik.


Theresa Locher führt den Hopfenpflanzerverband Tettnang seit 2024. Mehr über die Person im Personen-Artikel zu Theresa Locher und im pekuu-Podcast.