Ein Ort, der einen „Höhlen- und Heimatverein“ als zentralen Verein trägt, sagt etwas über sich. Laichingen hat keinen Volkskunde-Verein, keinen Heimatmuseum-Förderverein, keinen abstrakten Geschichts-Klub. Laichingen hat einen Höhlen- und Heimatverein. Höhle und Heimat in einem Namen, das ist die DNA dieser Schwäbisch-Alb-Stadt.
Was Laichingen ist
Laichingen liegt auf der mittleren Schwäbischen Alb, im Alb-Donau-Kreis, südwestlich von Ulm. Etwa elftausend Einwohner. Lange war der Ort für die Weberei bekannt, Bett- und Tischwäsche aus Laichingen war ein eigener Markenbegriff. Heute steht der Ort aus einem anderen Grund auf jeder Schwäbisch-Alb-Karte: weil hier die Laichinger Tiefenhöhle liegt, die tiefste Schauhöhle Deutschlands.
Die Höhle als zentrale Sehenswürdigkeit
Wer Laichingen besucht, kommt fast immer wegen der Tiefenhöhle. Alexander Schneider, Vorstand im Höhlen- und Heimatverein, beziffert das Aufkommen: „Wir haben pro Jahr ca. 30.000 Besucher. Mal mehr, mal ein bisschen weniger, aber so die 30.000.“ Bei elftausend Einwohnern ist das das knapp Dreifache der Stadt.
Die Tiefenhöhle ist nicht in einem Hinterland-Tal versteckt, sondern wirklich am Ortsrand. Schneider: „Die Laichinger Tiefenhöhle ist sozusagen am Ortsrand von Laichingen. Man fährt vom Ortsschild Laichingen nur so circa 400 Meter. Dann kommt man zu einem großen Parkplatz und Busparkplatz.“ Wer den Ort vom Ortsschild aus betritt, sieht in 400 Meter Entfernung schon das Rasthaus. Die Höhle und der Ort sind nicht zwei Dinge, sondern eines.
Was direkt neben der Höhle liegt
Neben dem Höhleneingang liegt ein Areal, das mehr ist als ein Parkplatz. Schneider beschreibt es: „Nebenan hat es einen großen Spielplatz, große Spielwiese und auch der Kletterwald Laichingen ist direkt nebendran, sodass man die beiden Sachen zum Beispiel gut kombinieren kann, Kletterwald und Tiefenhöhle.“ Für Familien ist das die unbeabsichtigte Tageskombination: vormittags Höhle, nachmittags Kletterwald. Dazwischen Picknick auf der Wiese.
Diese räumliche Konstellation ist nicht geplant entstanden. Spielplatz, Wiese und Kletterwald sind zu unterschiedlichen Zeiten dazugekommen, und jeder hat seine eigene Trägerschaft. Aber sie ergänzen sich auf eine Weise, die für Wochenend-Besucher den Unterschied macht zwischen einem Stopp und einem Tag.
Der Verein, der den Ort prägt
Vierhundert Mitglieder hat der Höhlen- und Heimatverein. Davon sind sechzig bis siebzig wirklich aktiv. Schneider beschreibt die Zusammensetzung: „Der Laichinger Höhlenverein hat ca. 400 Mitglieder, einige aus Laichingen, wobei auch viele Mitglieder außerhalb von Laichingen oder vom Großraum Ulm wohnen. Aktive Mitglieder, die tatsächlich in und an der Höhle arbeiten und aktiv am Vereinsleben teilnehmen, sind ca. 60 bis 70 Leute.“
In einem Ort mit elftausend Einwohnern ist ein Verein mit 400 Mitgliedern relevant. Ein Verein mit 60 bis 70 wirklich Aktiven trägt die wichtigste touristische Infrastruktur der Stadt. Ohne den Verein wäre die Höhle ein nicht zugängliches Loch im Boden. Mit dem Verein ist sie Sehenswürdigkeit, Ausflugsziel und Arbeitsplatz in einem.
Das Stadtzentrum
Wer Zeit für mehr als die Höhle hat, kann durch das Stadtzentrum spazieren. Laichingen hat ein gut erhaltenes Ortskern-Bild mit Fachwerkhäusern und der evangelischen Albanskirche, deren Turm den Ort weithin sichtbar macht. Das Webereimuseum am Kirchplatz erzählt die andere Laichinger Geschichte, die der Textilindustrie, die den Ort über zwei Jahrhunderte ernährt hat.
Das Geißbergle, ein Aussichtshügel oberhalb der Stadt, gibt einen Überblick über das Plateau der Alb. Bei klarem Wetter sieht man von dort bis zur Schwäbischen Alb-Hochfläche und an manchen Tagen Richtung Zugspitze.
Wandern und Natur
Laichingen liegt mitten im Geopark Schwäbische Alb, einem UNESCO Global Geopark. Wer wandert, findet in unmittelbarer Umgebung verschiedene Albsteig-Etappen, Karstwege und Tropfsteinhöhlen, etwa die Sontheimer Höhle oder die Schertelshöhle bei Westerheim, die Schneider selbst empfiehlt, wenn jemand „richtige“ Tropfsteine sehen will.
Was kein Reiseführer schreibt
Laichingen hat keinen großen Bahnhof, keine Hotelmeile und keine Fußgängerzone, die mit anderen Schwäbischen Städten konkurriert. Was Laichingen hat, ist die Mischung aus einem ruhigen Alb-Ort und einem Erbe, das senkrecht in die Tiefe geht. Die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt liegen entweder im Stadtkern oder im Untergrund. Beides erreicht man zu Fuß.
Wer einen Wochenend-Trip plant, sollte mindestens einen halben Tag für die Höhle einplanen, Schneider gibt die Tour-Dauer mit 25 bis 45 Minuten an, plus Anreise, Pause, Kuchen im Rasthaus und Spielplatz. Wer den ganzen Tag plant, kombiniert mit Kletterwald oder einer Wanderung Richtung Schertelshöhle.
Mehr über die Tiefenhöhle Laichingen, den Höhlen- und Heimatverein und die Welt unter Laichingen im Podcast-Gespräch mit Alexander Schneider.
