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Höhlen- und Heimatverein Laichingen: 400 Mitglieder, 30.000 Besucher

Vierhundert Mitglieder. Sechzig bis siebzig wirklich Aktive. Eine Schauhöhle, die dadurch täglich offen ist. So sieht der Höhlen- und Heimatverein Laichingen in Zahlen aus.

Alexander Schneider ist Vorstand. Er beschreibt seine eigene Rolle ohne Pose: „Die Laichinger Tiefenhöhle wird durch den Höhlen- und Heimatverein Laichingen betrieben. Wir organisieren den ganzen Wirtschaftsdienst und Höhlendienst, haben auch festangestellte Leute unter der Woche arbeiten, aber sonst wird alles ehrenamtlich gemacht. Ich bin Vorstand im Höhlen- und Heimatverein und mache eben auch Höhlendienst, Wirtschaftsdienst und alles drum, was sonst noch so anfällt.“

Ein Vorstand, der hinter dem Tresen steht. Das ist die Vereinsstruktur, die man verstehen muss, wenn man die Laichinger Tiefenhöhle verstehen will.

Wer im Verein ist

Schneider fasst die Mitgliederstruktur zusammen: „Der Laichinger Höhlenverein hat ca. 400 Mitglieder, einige aus Laichingen, wobei auch viele Mitglieder außerhalb von Laichingen oder vom Großraum Ulm wohnen. Aktive Mitglieder, die tatsächlich in und an der Höhle arbeiten und aktiv am Vereinsleben teilnehmen, sind ca. 60 bis 70 Leute.“

Diese Zahlen sind typisch für einen mittelgroßen Spezialverein. Die meisten Mitglieder zahlen Beitrag und sind in irgendeiner Form interessiert, aber nicht alle bringen sich aktiv ein. Die aktive Kerngruppe ist deutlich kleiner. Im Fall des Laichinger Vereins sind die 60 bis 70 Aktiven die Säulen, auf denen der ganze Höhlenbetrieb steht.

Die Mitglieder sind nicht nur Laichinger. Viele kommen aus dem Großraum Ulm, ein paar aus Stuttgart und der weiteren Region. Was sie verbindet, ist das Interesse an Höhlen, an Karst-Geologie und an der Vereinsarbeit.

Was der Verein konkret tut

Der Verein hat drei große Aufgabenbereiche, die parallel laufen.

Erstens: den Schauhöhlen-Betrieb. Wer am Wochenende Eintritt verkauft, das Audio-System ausgibt, im Rasthaus Kuchen verkauft und die Toiletten in Ordnung hält, sind Vereinsmitglieder im Wirtschaftsdienst. Das ist nicht romantisch, sondern Arbeit, die jeden Tag in der Saison gemacht werden muss.

Zweitens: die Höhleninstandhaltung. Schneider beschreibt sie so: „Die Höhle so weit instand zu halten, dass sie für Besucher zugänglich ist, ist natürlich schon ein Aufwand. Man muss die Wege pflegen, putzen und gegebenenfalls reparieren, ein bisschen instand halten. Die Beleuchtung ist ein wichtiges Thema, die muss man instand halten, weil ohne Licht haben die Besucher auch kein so cooles Erlebnis.“

Treppen, Geländer, Lampen, Stromleitungen, Belüftung. Alles muss regelmäßig geprüft und gewartet werden. Im Winter, wenn die Höhle für Besucher geschlossen ist, läuft die meiste Wartungsarbeit. Mehr zu den Öffnungszeiten und der Wintersaison.

Drittens: die Höhlenforschung. Anders als reine Schauhöhlen-Betriebe ist der Laichinger Verein auch in der Forschung aktiv. Mitglieder befahren auch die unausgebauten Bereiche der Tiefenhöhle bis auf etwa 100 Meter Tiefe. Außerdem hat der Verein ein Forschungsgebiet im Toten Gebirge in Österreich. Mehr dazu im Artikel zur Höhlenforschung der Schwäbischen Alb.

Die Jugendgruppe

Ein Verein, der nur aus Älteren besteht, hat ein Generationen-Problem. Der Höhlen- und Heimatverein Laichingen hat dem mit einer eigenen Jugendgruppe vorgebeugt. Schneider beschreibt sie: „Wenn man Interesse an Höhleforschung hat, dann kann man zum Beispiel, wenn man noch jugendlicher ist oder ein Kind ist, zu uns in die Jugendgruppe kommen. Die findet so circa alle zwei Wochen, Freitagabend statt. Da sind wir im Sommerhalbjahr in unterschiedlichsten Höhlen rund Laichingen auf der Schwäbischen Alb unterwegs.“

Die Jugendgruppe lernt grundlegende Techniken: Klettern am Seil, sichere Bewegung in einer Höhle, Umgang mit der Ausrüstung. Schneider weiter: „Da lernt man dann gerade den Umgang, Klettern am Seil und alles was man so braucht eine Höhle sicher befahren zu können.“

Das ist langfristige Vereinsarbeit. Wer mit zwölf in die Jugendgruppe kommt, kann mit zwanzig aktives Vereinsmitglied sein, mit dreißig Vorstandsarbeit übernehmen und mit fünfzig den Verein durchs nächste Jahrzehnt führen. So entstehen die 60 bis 70 Aktiven, die heute den Betrieb tragen.

Wirtschaftsdienst und Wirtschaftsmodell

Ein Schauhöhlen-Verein muss wirtschaftlich tragfähig sein. Die Eintrittsgelder, die Einnahmen aus dem Rasthaus und gelegentliche Spenden finanzieren die Wartung, die festangestellten Mitarbeiter und die Anschaffungen. Wer am Wochenende ein Stück Kuchen kauft, finanziert mit, was Vereinsmitglieder am nächsten Wochenende reparieren, schleifen oder ersetzen.

Schneider erwähnt im Interview, dass es auch festangestellte Mitarbeiter gibt, vor allem für die Wochentage. Die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder konzentrieren sich auf Wochenenden, Ferien und besondere Aktionen. Diese Mischung aus bezahlter und ehrenamtlicher Arbeit ist typisch für Vereine in dieser Größenordnung.

Was Mitglied-Sein bedeutet

Wer im Höhlen- und Heimatverein Laichingen Mitglied wird, zahlt einen Vereinsbeitrag und bekommt im Gegenzug regelmäßige Information zu Vereinsaktivitäten. Aktiv mitarbeiten ist nicht Pflicht, aber willkommen. Wer Schichten im Wirtschaftsdienst übernimmt, wer in Höhlenforschungs-Touren mitfährt, wer bei Aktionen mit anpackt, ist sofort im Kreis der 60 bis 70 Aktiven.

Das ist eine niedrige Schwelle für Engagement. Anders als bei Sportvereinen, in denen oft besondere Fähigkeiten Voraussetzung sind, kann hier jeder einsteigen. Vom Eintrittskasse-Dienst über Wartungsarbeiten bis zum Kuchenbacken gibt es genug Aufgaben für verschiedene Stärken.

Wintervorträge und Vereinsleben

Auch außerhalb der Schauhöhlen-Saison ist der Verein aktiv. Im Winter, wenn die Tiefenhöhle für Besucher geschlossen ist, finden regelmäßige Vereinsabende mit Vorträgen statt. Themen reichen von Karst-Geologie bis Forschungsexpeditionen. Mehr zu den Wintervorträgen des Vereins.

Diese Vorträge sind nicht nur für Mitglieder. Sie sind oft öffentlich und ziehen auch Interessierte aus Stuttgart, Ulm und der weiteren Region an.

Was den Verein besonders macht

Es gibt in Deutschland mehrere Höhlenvereine. Was den Laichinger Verein besonders macht, ist die Kombination: ein eigenes Schauhöhlen-Betreibens, eigene Forschungsaktivitäten, eine Jugendgruppe und eine Geschichte, die bis 1892 zurückgeht.

Wer in diesen Kontext eintritt, tritt nicht in einen Verein, sondern in eine Lebens-Logik ein. Das Gewicht der Mack-Familiengeschichte, die jahrzehntelange Beziehung zur Höhle, das fortlaufende Lernen über Karst-Geologie. Das ist nicht ein Hobby unter mehreren. Es ist eine eigene Form von kontinuierlicher Beschäftigung.


Mehr zur Tiefenhöhle, ihrer Entdeckung 1892 und zur Arbeit des Vereins im Podcast mit Alexander Schneider.