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pekuu Original · Reportage · Lesezeit 3 Min.

Tettnang · Oberschwaben

Cascade Hopfen: Der Klassiker, der Craft Beer geprägt hat

In den 1970er-Jahren war die amerikanische Bierlandschaft eintönig. Wenige Großbrauereien dominierten den Markt mit standardisierten Lagern. Dann veröffentlichte die Hopfenforschungsanstalt in…

In den 1970er-Jahren war die amerikanische Bierlandschaft eintönig. Wenige Großbrauereien dominierten den Markt mit standardisierten Lagern. Dann veröffentlichte die Hopfenforschungsanstalt in Corvallis, Oregon, eine neue Sorte. Cascade. Eine Aromahopfen-Sorte mit einer ungewöhnlichen Grapefruit-Note.

Cascade wurde zum Geburtshelfer des amerikanischen Craft Beers.

Was Cascade Hopfen ist

Cascade ist eine US-amerikanische Aromahopfen-Sorte, freigegeben 1972. Die Eltern sind eine Kreuzung aus dem englischen Fuggle, einer russischen Wildform und einem Hallertauer Mittelfrüher. Aus dieser Mischung entstand eine Sorte, die ein für die damalige Zeit neuartiges Aromaprofil hatte: deutlich nach Grapefruit, frisch, blumig, mit klarer Zitrus-Note.

Die Alphasäure-Werte liegen bei vier bis sieben Prozent, also im Bereich klassischer Aromahopfen wie dem Tettnanger oder Saazer. Was Cascade unterscheidet, ist nicht die Bittere, sondern das Aroma. Theresa Locher beschreibt das Prinzip moderner Aromasorten allgemein. Da seien Zitrusfrüchte rauszuschmecken, sagt sie, als sie Mandarina Bavaria als Beispiel anführt. Bei Cascade ist genau das der Punkt.

Wie Cascade Sierra Nevada möglich gemacht hat

1980 gründete Ken Grossman in Chico, Kalifornien, eine kleine Brauerei. Sierra Nevada Brewing Company. Sein Pale Ale war ungewöhnlich. Er nutzte Cascade als Aromahopfen und brachte eine Bitterkeit und ein Grapefruit-Aroma ins Bier, das es im amerikanischen Massenmarkt nicht gab. Das Bier wurde langsam zum Hit. Sierra Nevada Pale Ale ist heute weltweit eines der bekanntesten Craft-Biere und prägt bis heute den Stil American Pale Ale.

Ohne Cascade hätte es Sierra Nevada Pale Ale so nicht gegeben. Ohne Sierra Nevada hätte es die nachfolgende Craft-Beer-Welle vermutlich nicht in dieser Form gegeben. Cascade ist also nicht nur eine Sorte. Cascade ist eine Wendemarke.

Cascade und seine Nachfolger

Mit dem Erfolg von Cascade kam die Frage nach weiteren Aromasorten. In den 1980ern und 1990ern züchteten amerikanische Hopfenforscher eine Reihe von Sorten, die das Profil von Cascade weiterentwickelten. Centennial gilt als amerikanisches Cascade Plus. Chinook bringt mehr Pinien-Note. Amarillo, Citra und Mosaic, alle in den 2000er-Jahren freigegeben, bauten auf der Cascade-Genetik auf oder erweiterten sie.

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Heute ist Citra die populärste Aromasorte unter den US-Hopfen, und der oft genannte Maßstab für IPAs. Cascade bleibt aber die Sorte, die alles möglich gemacht hat.

Cascade in Deutschland

Cascade wird mittlerweile auch in deutschen Anbaugebieten in kleinerem Umfang angebaut, etwa in der Hallertau. Der Anbau dort heißt Hallertauer Cascade und ist eine deutsche Variante des amerikanischen Klassikers. Das Aromaprofil verschiebt sich klimatisch leicht. Etwas weniger Grapefruit, etwas mehr Würze.

Insgesamt sind die Mengen klein. Im Sortiment einer Brauerei landet Cascade meist als Import-Hopfen aus den USA. Deutsche Brauer setzen Cascade vor allem in IPAs und Pale Ales ein.

Was Cascade und Tettnanger verbindet

Auf den ersten Blick: nichts. Cascade ist amerikanisch, Grapefruit, modern. Tettnanger ist europäisch, feinwürzig, klassisch. Zwei Sortenwelten.

Auf den zweiten Blick: einiges. Beide sind Aromahopfen mit niedriger Alphasäure. Beide sind Landsorten ihrer jeweiligen Region. Beide tragen die Charakteristik ihres Standorts in sich. Und beide kommen heute oft gemeinsam in einem Bier vor, weil moderne Brauer mehrere Aromasorten kombinieren.

Was Theresa über das Aroma im Hopfen sagt, gilt für Cascade genauso wie für Tettnanger. Es sei das Gute für die Pflanzer, dass man das im Labor noch nicht nachbilden könne. Eine echte Sorte bleibt das, was nur die Pflanze hervorbringt.


Mehr zur deutschen Sortenkunde im Artikel Tettnanger Hopfen und im pekuu-Podcast.